Das Thema Natur verbindet Jung und Alt

Nicht Apfelsinen im Haar, aber Meterbohnen als Natur-Ohrringe: Kräuterhexe Rosi Thiele hat die superlangen Bohnen am VEN-Stand entdeckt. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
50 Gurken für einen Salat: Malgorzata Gerberding aus Sorgensen vom Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt hat außergewöhnliches Gemüse wie etwa die zwei Zentimeter langen mexikanische Minigurken gezogen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Große Feier zum zehnjährigen Bestehen der Streuobstwiese

LEHRTE (sv). Ein derartiges Ramba-Zamba waren die hochwohlgeborenen Damen und Herren in dieser sonst eher beschaulichen Ecke in Lehrtes Nordosten wahrlich nicht gewohnt: Darüber mokieren konnten sich aber weder die Gute Luise von Avranches oder gar die Gräfin von Paris noch der Freiherr von Berlepsch oder Geheimrat Dr. Oldenburg. Namen wie „Köstliche von Charneu“ oder „Schöner aus Nordhausen“ ließen ja außerdem noch ein gewisses Milieu vermuten; doch sie alle mussten trotz des Lärms und lustigen Treibens die Füße – Pardon, die Wurzeln – still halten. Denn Obstbäume können nicht weglaufen, die Gewächse mit den edlen Namen mussten die Feier zum zehnjährigen Bestehen der bunten Wiese im Hohnhorstpark über sich ergehen lassen. Schließlich war es auch ihr Geburtstag!
Vor zehn Jahren noch im Beisein des damaligen Umweltministers Hans-Heinrich Sander und Bürgermeisterin Jutta Voß feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt, sind die Projekte des Arbeitskreises Natur mittlerweile fester Bestandteil vom Lehrter Stadtmarketing und erfreuen sich lebhaften Interesses. Die Bingo-Umweltstiftung und die Stadt Lehrte fördern die Projekte.
Neben dem Lehrpfad Ackerkulturen, dem Zeitreise-Projekt mit dem Eisenzeit-Haus am Grafhorn und dem Heilpflanzengarten feierte die Streuobstwiese das zehnjährige Bestehen. Die 171 Obstbäume werden in Kooperation mit dem NABU (Naturschutzbund) betreut, der die Pflege übenommen hat und vor einiger Zeit mit Hilfe von Fördergeldern sogar ein Bewässerungssystem installieren konnte, mit dem die jungen Apfel-, Birnen-, Zwetschen-, Quitten-, Nuss- und Kirschbäume gezielt und gründlich mit Wasser versorgt werden können.
Das Fest zum Zehnjährigen im Rahmen des Großraum-Entdecker-Tags war auch der Grund dafür, dass „G12“, der Gravensteiner der Baumpatin Heike Queißer, mit seiner niedlichen Anfänger-Baumkrone eine orangefarbene Plastitonne beschattete. Aber auch auf einem ökologisch ausgericheten Fest gibt es Müll, der irgendwo hin muss. Denn die interessanten Präsentationen und Gespräche an den Ständen von ADFC und NABU, von Fridays for Future und BUND, vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), vom Imkerverein und vom Adolphshof, die Führungen über die Streuobstwiese und das Befüllen von Lavendelsäckchen bei den Kräuterhexen machten hungrig und durstig. Da boten der Nöhrenhof, der Suppenfred, Restaurant Vileh, Bäckerei Schäfers und Boglers Brauerei für jeden Gaumen das Richtige. Außerordentlich beliebt waren auch die Schafsbratwürste der Garten- und Grabelandfreunde. Derzeit elf Kamerunschafe von Christine Weniger und die sechs ihrer Nachbarin halten in mobilen Gehegen das Gras zwischen den Bäumchen kurz, nach vier bis sechs Wochen werden die Zäune zum nächsten Abschnitt versetzt. Den braunen, kurzhaarigen Paarhufern galt vor allem das Interesse der jüngeren Besucher.
Ordentlich was fürs Rhythmusgefühl gab es von den 14 Trommlerinnen der Gruppen SambaZamba und BoomBloco von der Musikschule Ostkreis Hannover, die unter der Leitung von Tobias Decker die Gäste bei bestem Sommerwetter mit südamerikanischen Rhythmen begeisterten. Leider habe es durch die anderen Angebote des Großraum-Entdeckertags eine große Konkurrenz gegeben, bedauerte Stadtmarketing-Vorsitzender Udo Gallowski. „Eine sehr schöne Atmosphäre“ bescheinigte Geschäftsführerin Sonja Truffel dem kleinen Fest auf der großen Streuobstwiese. Die Stände seien liebevoll gestaltet worden, das Thema Natur verbinde Jung und Alt.
Zwar endete das Fest zur vorgesehenen Zeit, aber zum finalen Klönen und Resteverzehr blieb keine Zeit. Zelte und Stände wurden in Windeseile abgebaut, denn nach dem schön sonnigen Spätsommer-Sonntag drohte plötzlich eine dunkelgraublaue Regenwand. Schnell kehrte wieder Ruhe ein auf der Streuobstwiese im Nordosten von Lehrte, und auch Kaiser Wilhelm und Prinzessin Viktoria, Clapps Liebling und die Ontario-Pflaume sowie Graf Althanns Reneklode konnten zu ihrer abendlichen Jungbaum-Routine zurück kehren und die Ruhe genießen.