Das Raubtier mit den gelben Augen

Peter Griemberg zeigte beim NABU-Vortrag Fakten zum Wolfsbestand auf. (Foto: Susanna Veenhuis)

NABU-Experte Peter Griemberg berichtet im Anderen Kino über wilde Wölfe

LEHRTE (sv). Zugegeben, der Titel war etwas trocken: „Verhalten, Schutz und Ökologie des Wolfes in Deutschland“ lautete die Überschrift zu dem Vortrag des NABU-Wolfsbetreuers Peter Griemberg aus der Wedemark. Vielleicht deshalb fanden zu dem heiß umstrittenen Thema Wölfe an diesem Abend nur 15 Besucher den Weg ins Andere Kino. Und obwohl Peter Griemberg gleich zu Anfang mitgeteilt hatte, er sei kein Biologe, bekamen sie in der Tat eine Menge trockene Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Wolfspopulationen in Europa und zur Wolfszuwanderung in Deutschland serviert. Doch Peter Griemberg, bekennender Wolfsfan und Fürsprecher der Wiederansiedelung des Wolfs im Hinblick auf ein natürliches ökologisches Gleichgewicht und Biodiversität, wusste die Daten so zu präsentieren, dass sie sich mit seinen interessanten Berichten über Wolfsrudel und Verhaltensweisen bestimmter Individuen verwoben und so einen soliden Wissenshintergrund ergaben. Dazu zeigte er Statistiken, Schaubilder und auch einige Filmaufnahmen, unter anderem über Wölfe aus der Lausitz mit Telemetriehalsbändern, deren riesige Wanderstrecken von Forschern aufgezeichnet worden waren. So schlossen die Besucher via Leinwand Bekanntschaft mit Sunny und ihren Welpen aus der Lausitz, Alan aus Weißrussland, Pierre-Luigi aus der Schweiz und Karl aus der Nähe von Munster, der einmal innerhalb von vier Tagen 900 Kilometer zurücklegte.
In seinem kurzen geschichtlichen Rückblick über das Raubtier mit den gelben Augen erwähnte er den „Würger von Lichtenmoor“, den 1948 von einem Jäger erlegten letzten Wolf, der innerhalb kürzester Zeit unglaubliche Mengen an Weidetieren wie Rindern, Schafen und Schweinen gerissen haben soll. Wie sich später herausstellte, waren da menschliche Machenschaften zur illegalen Fleischbeschaffung für Schwarzschlachtungen im Spiel, die dem Wolf untergeschoben worden waren. Denn nach der Währungsreform am 21. Juni 1948 sank die Zahl der Rissmeldungen rapide. Sogar nach dessen Tod gab das Tier Rätsel auf, denn der Kadaver, der präpariert werden sollte, verschwand und tauchte unter mysteriösen Umständen wieder auf. Präpariert werden konnten die Überreste nicht mehr, wohl aber ist der Kopf des Tieres als Nachbildung im Landesmuseum in Hannover zu sehen. Das Wolfmonitoring über aktuelle Zahlen obliege der Landesjägerschaft Niedersachsen, erklärte Peter Griemberg. „Da kocht jedes Land sein eigenes Süppchen wie auch im Umgang mit den Wölfen, die kümmern sich aber nicht um Landesgrenzen!“
„Es gibt nicht nur eitel Sonnenschein und hurra, der Wolf ist da“, sagte Peter Griemberg in der anschließenden Fragestunde. Der NABU und andere Naturschutz-Organisationen machten sich nicht nur für Wölfe, sondern auch für den Schutz der Weidetiere und die Erforschung der Schutzwirkung durch Esel, Lamas und Herdenschutzhunde stark und fördern diese. Menschen passten in der Regel nicht in das Beuteschema des Wolfs, wohl aber für frei laufende Hunde, sagte Peter Griemberg.
Hartmut Henning vom Lehrter MPC-Nachhilfe-Institut und Organisator des Info-Abends, bedankte sich beim Referenten herzlich. „Das war sehr informativ, viele Fakten waren mir vorher nicht bekannt, Peter Griemberg hat das sehr lebendig vorgetragen“, sagte Besucherin Celina Teuner, Pferde- und Hundehalterin aus Evern.