Das Erbsenfenster bewährt sich

Beim Prüfen des Erbsenfensters in der Ahltener Feldmark (von links): Landwirt Hans-Heinrich Prüße, Berater Björn Rohloff und Landwirt Dirk Claus. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Landwirt Dirk Claus realisiert Schutzzonen

AHLTEN (gg). Nur wer unterwegs auf Feldwegen genauer hinschaut, kann es in der Ferne entdecken: Das Erbsenfenster in der Ahltener Feldmark, in der Mitte eines Dinkelfelds nördlich des Eisenbahnlängswegs. Der kurios anmutende Begriff bezeichnet eine Fläche in der Mitte eines Ackerstücks, auf dem die eigentliche Feldfrucht, hier Dinkel, zugunsten des Naturschutzes umgebrochen wird – ein Biodiversitätsprojekt mit finanzieller Förderung der Regionsverwaltung in Kooperation mit dem Verein Landvolk und der Stiftung Kulturlandpflege. Landwirt Dirk Claus hat das Erbsenfenster auf seiner Ackerfläche realisiert. Schon im März hat er die Fläche mittels Kreiselegge vom Dinkel-Bestand befreit. Die Erbsen Einsaat folgte. Auf den Ertrag aus der eigentlich möglichen Dinkel-Ernte auf diesem Stück, rund 2.000 Quadratmeter, verzichtet er. Insbesondere die Lerche sollte als Feldvogel hier ein Refugium finden. „Es hat funktioniert“, sagt Berater Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege beim Ortstermin am Rand des Dinkelackers wenige Wochen vor der Ernte. Er bestätigt die abgeschlossene Brut der Lerche in mindestens drei Nestern, was als großer Erfolg zu werten sei. Der Erbsenbestand biete für auch für andere Feldvögel und Niederwild allgemein eine sehr gute Deckung. Er sagt: „Die Pflanzen bilden eine Art Dach, während die Stengel in Bodennähe Raum zum Durchschlüpfen bieten.“ Er freut sich über Landwirte, die wie Dirk Claus sinnvolle, praxistaugliche und wirtschaftlich vertretbare Naturschutzmaßnahmen umsetzen. Dass mit persönlichem Engagement ein zusätzlicher Arbeitseinsatz geleistet wird, sei klar. Dirk Claus winkt ab und sagt: „Dann ist das eben so. Es ist ja ohnehin viel mit dem reinen Ackerbau kombiniert.“ So ist das Erbsenfenster nur eins von weiteren Naturschutz-Maßnahmen, die er auf seinen Flächen möglich macht. Die Blühstreifen gehören schon wie selbstverständlich dazu. Gespiegelt wird dabei die Natur, die in sich vielfältig ist, so dass es nur logisch ist, vielfältige Kulturmaßnahmen anzupassen. Landwirtschaftliche Produktion und intakte Ökosysteme sollen in der Natur, der kultivierten Landschaft, den gleichen Stellenwert haben. „Bewirtschaftskonzepte müssen heutzutage so clever gemacht sein, dass beides funktioniert“, so der Hinweis von Björn Rohloff. Landwirte, die am Biodiversitätsprojekt der Regionsverwaltung teilnehmen, können mit einem Maßnahmeentgeld als Aufwandsentschädigung für aktive Naturschutzleistung rechnen, allerdings nur, wenn alles gut geht. Kontrolliert wird von den Aufsichtsbehörden ständig. Die Strafen bei Abweichung von den Vorgaben sind restriktiv. Auch jegliche Störung, wie Befahren oder Streunen von Hauskatzen oder Hunden, wird geahndet und führt zum Verlust.