"Breakdance auf dem Mars"

Mit viel Temperament und Leidenschaft brachte Professor Renz von der Leibniz-Universität seinem begeisterten Auditorium Erlebnisse und Ergebnisse rund um die Mars-Rover-Erkundung der NASA nahe. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Shake-hands unter Wissenschaftsfans im Anderen Kino (von links): Hartmut Henning, Jens Veenhuis und Professor Franz Renz von der Leibniz-Universität. (Foto: Susanna Veenhuis)

Forscher präsentiert Erkenntnisse vom Roten Planeten im Anderen Kino

LEHRTE (sv). „So mancher Mitarbeiter im Kontrollzentrum ist schonmal eingeknackt.“ Derjenige, der da im Anderen Kino vor gut 30 Besuchern so locker vom Hocker über die Leute im NASA-Kontrollzentrum der Mars-Expedition – offiziell „ Mars Exploration Rover Mission der NASA-JPL“ – plaudert, darf das auch. Denn Professor Franz Renz ist selber Mitglied im dem Team. Seit 2008 lehrt er am Institut für Anorganische Chemie der Leibniz Universität Hannover und gehört schon seit 1998 dem Expeditionsteam an, das seit 2004 mit Hilfe zweier beweglichen Roboter, so genannten Rovern, die Marsoberfläche erkundet.
Aus Interesse an der Wissenschaft und aus dem Wunsch heraus, diese spannenden Entwicklungen und Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln habe er den Professor nach Lehrte eingeladen, erklärte Hartmut Henning, Initiator des Abends und selber begeisterter Naturwissenschaftler sowie Inhaber des Instituts MPC Privatunterricht, der zur Unterstützung bei der Organisation den Buchhändler Jens Veenhuis in das Boot geholt hat.
Franz Renz, unüberhörbar gebürtiger Wiener, brachte seinem höchst interessierten Publikum wissenschaftliche Fakten mit viel Charme und Humor dar. „Der Mars-Tag hat 24 Stunden und 40 Minuten – mein Jetlag wird jeden Tag aufgefrischt, da fallen einem zwischendurch schon mal die Augen zu“, berichtete er von seiner Arbeit, dem Beobachten des Mars-Rovers Opportunity und dem Auswerten von dessen Untersuchungsergebnissen im NASA-Kontrollzentrum.
Neben Kameras, Sendern und Antennen zur Informationsübermittlung und Solarzellen zur Energiegewinnung besitzt der gerade mal 1,40 Meter große, sechsrädrige Rover Opportunity unter anderem auch mehrere Spektrometer. Darunter auch das sehr spezielle, hoch effektive Mößbauer-Spektrometer, dessen Einsatz Professor Renz als weltweit führendem Experten in dieser Technik ins Mars-Forschungsteam verhalf.
Das zunächst nur für 92 Tage aufgelegte Programm läuft dank diverser Zufälle immer noch. Während aber zu einem der beiden Rover, „Spirit“, seit 2010 kein Kontakt mehr besteht, kurvt der Schwester-Roboter „Opportunity“ seit 14 Erdjahren unverdrossen durch Marskrater, arbeitet sich nach Versinken in Staubdünen mit vielen kleinen Bewegungen – Renz: „Wie eine Art Breakdance!“ – wieder heraus, trotzt im Marswinter Dunkelheit und Kälte und funkt dann wieder Daten zur Erde. Eisen ist das Zauberwort, bei dem auch die Augen des Chemie-Professors noch mehr zu leuchten beginnen. Die zahlreichen Eisenlegierungen auf dem Mars mit fantastischen Namen wie Goethit oder Jarosit lassen unter anderem darauf schließen, dass es früher einmal tatsächlich Wasser auf dem Mars gegeben haben muss – mit dem Ph-Wert 2 bis 4 freilich sehr sauer. Aber einst, so Renz, sei der Mars ein blauer Planet gewesen. Die Versauerung der Ozeane sei auch auf der Erde das größte Problem, sagte er.
„Ich habe früher Chemie studiert und finde das hoch interessant“, zeigte sich die ehemalige Stadtarchivarin Louis Schweigart sehr angetan von den Berichten des Professors. „Es schadet auch nix, wenn man im hohen Alter noch etwas Neues erfährt, und bei Professor Renz spürt man auch die Begeisterung“, sagte der Physiker Professor Hans-Hermann Harms aus Lehrte, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte.
„Das wollten wir erreichen: Dass Wissenschaft mit Leidenschaft an die Leute gebracht wird“, sagte Hartmut Hennings nach dem Vortrag. Er plant schon die nächste Veranstaltung. Für Mittwoch, 7. November, bittet er wieder die Wolfsexpertin Elli Radinger in das Andere Kino: „Die Weisheit alter Hunde – Was wir von grauen Schnauzen über das Leben Lernen können“ ist der Titel ihres neuen Buchs und Spiegel-Bestsellers, das sie dort vorstellen will.