Bootshalle soll entstehen

Räumen der alten Garage gehörte zur Vorbereitung für den Bau des neuen Bootshauses. (Foto: Ronja Kampmann)
 
Der Bodenaushub an der Friedrich-Ebert-Straße markiert den Standort für das neue Bootshaus. (Foto: Ronja Kampmann)

Vorbereitungen im Ruderverein getroffen

LEHRTE-SEHNDE (r/gg). Städtische Fördermittel aus Sehnde und zudem ein Zuschuss des Regionssportbunds haben es möglich gemacht: Ein neues Bootshaus soll beim Ruderverein für das Große (RGF) an der Friedrich-Ebert-Straße gebaut werden. Die Baukostenbelaufen sich auf rund 111.000 Euro, die Förderung der Stadt Sehnde beiträgt 21.000 Euro, die Förderung des Regionssportbundes beträgt 28.892 Euro und mit einer Förderung der Stadt Lehrte ist nach Haushaltsbeschluss zu rechnen. Die Vereinsmitglieder werden mit Eigeninitiative Teile des Projekts verwirklichen. "Das ist alte Tradition im Verein, auch das Clubhaus und die erste Bootshalle ist mit viel Schweiß und Eigeninitiative in mehr als 5.000 Stunden selbst gebaut und ausgebaut worden", so die Mitteilung von Ronja Kampfmann vom RGF.
Und der Bau hat bereits begonnen. So hatten die Städte und der RSB im März den vorzeitigen Maßnahmenbeginn genehmigt. Das war wichtig, denn so konnten noch vor Beginn der Setz- und Brutzeit die acht Bäume gefällt werden, die am Platz der neuen Bootshalle standen. Nachdem dann später auch die Baumstuken mit Bagger und Trecker entfernt wurden, ist bereits ein Teil des Bodenaushubs erledigt. Für die weitere Vorbereitung des Baus war noch das Umsetzen eine Fertiggarage und des Kinderspielhauses erforderlich. Das Spielhaus wurde dann kurzerhand an seinen neuen Platz mit viel helfenden Händen umgetragen. Für die Garage wurden von den Mitgliedern die neuen Streifen-Fundamente gegossen und in der zweiten März Hälfte hob dann ein Kran eine der Garagen an ihren neuen Platz. Auch hier ist bereits mit viel Eigeninitiative ein gepflasterter Vorhofbereich entstanden.
Jetzt wartet der RGF noch auf eine Genehmigung zur Entwässerung der Halle und auf den Fundamentplan und dann geht es weiter. Ziel ist es im Herbst 2020 die neue Halle einzuweihen. Teile der Fundamente werden wieder in Eigeninitiative erledigt. Der Hallenbauer stellt nur das Gerüst und die Dachabdeckung. Die Verkleidung der Halle sowie die Pflasterarbeiten in und um die Halle werden dann wieder in Eigenarbeit erstellt. Daher ist nicht genau absehbar, wann das Ziel erreicht wird.
Ohne die aktuell geltenden Beschränkungen wären die RGF-Ruderer jetzt schon bei Regatten am Start. Derzeit trainieren die Aktiven individuell, bis der normale Trainingsbetrieb wieder erlaubt ist. Einige haben eigene Ruderergometer zu Hause, an andere hat der RGF die Vereinsergometer, die Spinningbikes, Gewichte und Matten ausgeliehen. Den Trainingsplan für einen Monat hat das Trainerteam zusammengestellt und verschickt. Kleine Aufgaben werden daneben regelmäßig per Instagram an die Sportler übermittelt. Da stehen dann Ergo Rudern, Gymnastik und Stabilisationstraining genauso auf dem Plan wie joggen. Aber der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und so halten sich die jungen Sportler daneben auch noch fit mit Inlineskaten, Seilspringen auf dem Trampolin, Klimmzug üben und Rennrad fahren.
Als Motivation für alle aktiven Ruderer hat der Schülerruderverband eine Ergometer-Challenge ins Leben gerufen. Jeden Monat muss eine bestimmte Strecke zurückgelegt werden. Die Ergebnisse werden im Internet hochgeladen und am Ende des Monats die drei schnellsten Ruderer je Altersklasse geehrt.
Die erwachsenen Ruderer haben zum Teil auch eigene Ergometer zu Hause. Ansonsten sind sie viel auf dem Fahrrad unterwegs, gehen walken, joggen, aufs Laufband oder machen Yoga auf der Matte. Stillstand gibt es auch im Erwachsenenbereich im Verein nicht. Einige haben auch keine Zeit für Sport, sondern arbeiten heimische Baustellen ab.
Auf dem Vereinsgelände dagegen ist derzeit Stillstand. Einzig aus der Werft dringen ab und an Schleifgeräusche. Eine Passion, die schon fast 40 Jahre währt: Alten Ruderbooten wieder neues Leben einhauchen! Der Bootswart des RGF begibt sich zweimal die Woche in die vereinseigene Reparaturwerft, um an den Booten zu werkeln, meistens mit Hilfe anderer Vereinsmitglieder, in Corona Zeiten natürlich immer allein. Beim Bau der jetzigen Halle wurde ein Raum von drei mal zwölf Meter eingeplant, in dem laminiert, geleimt, gehobelt und lackiert werden kann. Die Maske trägt er nicht zur Virus-Abwehr, sondern wegen des Schleifstaubs. Momentan gibt es zwei Projekte; eins ist ein Renneiner, der auf einer Donauwanderfahrt aus Bratislava gegen eine kleine Spende mitgenommen wurde. Der Verkäufer vom dortigen Ruderverein hatte ein Lächeln auf den Lippen, denn er hat wohl nicht mit einer Restaurierung gerechnet. Das andere wurde auf einer Wanderfahrt in Vegesack entdeckt. Hierbei handelt es sich um einen Empacher-Rennzweier, der bei der renommierten Werft Empacher momentan 16.000 Euro kosten würde. Das etwas defekte Wrack aus Vegesack kostete nur 400 Euro und wird für den gehobenen Breitensport der Erwachsenen hergerichtet. Mit seiner Länge von zehn Meter und einer Breite von 38 Zentimeter besitzt das Boot locker eine Tragkraft von zweimal 100 Kilo. Der Zweier sollte ursprünglich bis zum Anrudern fertig werden, aber in diesem Jahr gibt es keine Eile, denn auch das Anrudern hat der RGF ja abgesagt. Das Verfahren, Boote zu entdecken, die für den Vorbesitzer wertlos sind, weil das handwerkliche Geschick für die Reparatur nicht gegeben ist, und für den RGF aufzuarbeiten und wieder in Betrieb zu nehmen, ist eine oft angewandte Praxis. Der Großteil der etwa 50 Vereinsboote des RGFs ist auf diese Weise an den Mittellandkanal gekommen. Neue Boote kann sich der kleine Verein nur selten leisten. Auf diese Weise hat der RGF einen wohlsortierten Bootspark, der so selbst bei viel größeren Vereinen selten zu finden ist.