„Bon-Girlanden müssen nicht mehr sein“

Mit der eigenen App in Lehrte einkaufen: Sebastian Berger ist Gründer von "epap". (Foto: Gabriele Gosewisch)

Nach dem Abi in Lehrte, Sebastian Berger ist Mitgründer von "epap"

Lehrte (gg). Zwei Millionen Kilometer giftiges Thermopapier im Müll, laut Expertenprognose, hatte die Bundesregierung im vorigen Jahr billigend in Kauf genommen, als das „Kassengesetz für mehr Steuergerechtigkeit“, bekannt als „Bon-Pflicht“, in Kraft getreten ist. Proteste der Einzelhändler und Verbände nutzten nichts, es blieb bei dem Gesetz, fortan wickelten sich „Bon-Girlanden“, medienwirksam in Szene gesetzt, um die Verkaufstresen. Eine Lösung des Problems hat sich der gebürtige Lehrter Sebastian Berger überlegt, hat Partner gefunden und etabliert jetzt mit der App „epap“ eine elektronische Variante. Das Prinzip ist simpel: Händler verankern die Software im Kassensystem, das dann bei jedem einzelnen Bezahlvorgang zusätzlich zur Liste der gekauften Waren auch einen QR-Code auf dem Kassen-Display anzeigt. Diesen kann der Kunde scannen oder automatisch im bargeldlosen Zahlvorgang speichern. Dem Gesetz ist genüge getan, denn der Händler hat den Bezahlvorgang registriert und den Bon, zumindest elektronisch, ausgegeben. Dem Kunden und der Umwelt wird der Bon erspart, das giftige Thermopapier entsteht erst gar nicht, muss nicht entsorgt werden.
Aber „epap“ soll noch mehr bewirken. Versprochen wird auf der Internetseite: „Unser Ziel ist es, die Finanzwelt und den Handel zu revolutionieren und über digitale Belege hinaus einen Mehrwert für die persönliche Finanzverwaltung zu bieten. Denn Finanzen können kinderleicht, deutlich umweltfreundlicher und vor allem cool sein!“
Und, funktioniert es? Im Gespräch mit dem Marktspiegel macht Gründer Sebastian Berger auf diese Frage ein außerordentlich zufriedenes Gesicht, lacht und sagt: „Zumindest steigen die Nutzerzahlen kräftig, von zweitausend im Januar auf 20.000 jetzt.“ Ein Stipendium der Nbank laufe im Hintergrund, was ihm und seinen Mitgründern Sicherheit gebe. Inzwischen arbeite man in der bekannten „Venture Villa“ in Hannover an der Walderseestraße, das Team sei von vier auf neun gewachsen. Dass sich die Gründer gefunden haben, sei der Leibniz-Uni-Hannover zu verdanken. Dort ist Sebastian Berger, 24 Jahre alt, jetzt im Master-Studiengang Mathematik. Seinen Gründer-Kollegen Fabian Gruß, Student im Fach „Human Factors Engeneering Informatik und Ergonomie“, lernte er im „Leanlab“ kennen, ein Treffpunkt der Gründer im Uni-Netzwerk. Dazu kamen dann noch Gerd Trang, Studiengang Internationales Business, und Jannis Dust, Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.
Auf seine Heimat Lehrte angesprochen sagt Sebastian Berger: „Es ist irgendwie merkwürdig. 2014 habe ich hier Abi gemacht. Es fühlt sich nicht so an, als wäre das lange her.“ In guter Erinnerung sei ihm „seine Schule“, das Gymnasium, an dem ihm mit Lehrern wie Ralph Grobmann, der bei im Projekt Schülerfirma Regie führt, viel auf den Weg gegeben worden sei. Wie geht es jetzt weiter? „Dran bleiben, das ganze hat Zukunft“, ist Sebastian Berger sicher.