Bis zu zehn Kreuzchen für die kommunale Demokratie

Es würde bei vielen wohl länger als zehn Minuten dauern, würden sie die langen Wahlzettel (die auf unserem Foto als Muster die Runde beim Aligser CDU-Fest machten) erst in der Wahlurne lesen. Zum Glück aber können diese als Muster schon vorab als Aushang im Wahllokal studiert werden. Bis auf die Kernstadt Lehrte, die keinen Ortsrat hat, kann jede/r bis zu zehn Kreuze machen: Je drei für die KandidatInnen und Parteien in Ortsrat, Stadtrat und Regionsversammlung, ein weiteres bei der Bürgermeisterwahl. (Foto: Walter Klinger)

Kommunalwahl entscheidet, wer vor Ort welche Akzente setzt

LEHRTE/SEHNDE. Besonders spannend werden dürfte nach einem von vielen Beobachtern und auch unserer Redaktion „auf Augenhöhe“ eingeschätztem Wahlkampf die Kommunalwahl am morgigen Sonntag (Wahllokale von 08.00 bis 18.00 Uhr geöffnet) bei der Abstimmung über die Bürgermeister in Lehrte und Sehnde. Volle Säle bei den Hauptveranstaltungen der Parteien, die längsten Wahlzettel seit Jahrzehnten und eine in beiden Städten über dem Durchschnitt liegende Beteiligung an der Briefwahl deuten eindeutig auf ein wieder gestiegenes Interesse an der Kommunalpolitik. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister wies bei einer Wahlveranstaltung am Dienstag in Sehnde-Rethmar darauf hin, dass seit 1976 die Wahlbeteiligung an den Kommunalwahlen in allen Bundesländern zurück geht. Schafft die besondere Spannung in Lehrte und Sehnde hier die Wende?
„Es ist eben nicht egal, wer vor Ort welche Akzente setzt,“ rief der Ministerpräsident zur Wahlbeteiligung auf: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie erfordert das Mitmachen!“. McAllister verwies auf den Gegensatz zu Ländern wie in Nordafrika, wo es für die Demokratiebewegungen viel Beifall von hier aus gäbe. Menschen dort riskierten ihr Leben, um einmal mitbestimmen zu können, wer in ihrem Ort, ihrer Region und im Land regiere. Hierzulande aber hätten alle Bemühungen des Gesetzgebers wie die Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters, die auch den Wert der Wählrentscheidung stärke, oder die Möglichkeit, drei Stimmen ganz nach Wunsch auf Kandidaten und Parteien zu verteilen, nur zu 52 Prozent Wahlbeteiligung geführt.
„Nehmen Sie sich die zehn Minuten Zeit“, apellierte der Regierungschef, „unter den zahlreichen Kandidatinnen und Kandidaten wird sicher auch eine oder einer sein, bei dem oder der Sie Ihre Anliegen für die nächsten fünf Jahre gut vertreten wissen“.