Begegnung nur am Bildschirm

Internationalen Austausch gibt es für Schüler des Gymnasiums derzeit nur am Bildschirm. (Foto: Rüdiger Halupczok)

"Erasmus+ -Projektwoche" am Gymnasium

Lehrte (r/gg). Am 8. Februar war es wieder soweit, das Erasmus+ -Projekt des Lehrter Gymnasiums „Refugee Crisis: New Ideas, New Concepts, New Changes“ unter Leitung von Lehrerin Lena Busch ging mit seinen Projektwochen in die vierte Runde. Nachdem die Lehrter Schule bereits einmal nach Frankreich und Italien reisen durfte und sogar einmal selbst geladen hatte, geht es nun… nirgendwohin. Die erste Projektwoche des Jahres 2021 fand aufgrund der Corona-Pandemie unter strikter Einhaltung der Hygiene Regeln nur vor den Bildschirmen statt.
Die internationalen Projektwochen sind ein wichtiger Bestandteil jedes "Erasmus+ -Projektes". Mehrmals innerhalb eines mehrjährigen Projekts kommen Vertreter aus allen teilnehmenden Ländern zusammen und arbeiten eine Woche an der Lösung eines europäischen Problems. Diese Treffen sind für Schüler und Lehrer der Höhepunkt der Projekte, da während dieser Woche nicht nur mit Hochdruck gearbeitet wird, sondern vor allem internationale Freundschaften geknüpft werden können und man einen ganz besonderen Einblick in sonst fremde Kulturen bekommt.
Das diesjährige Treffen konnte jedoch aufgrund der Pandemie nicht so wie geplant in Italien stattfinden. Stattdessen wurde, wie so vieles in der aktuellen Zeit, eine Onlinewoche organisiert, die die Schüler vor ihren Bildschirmen verbrachten. Natürlich brachte diese digitale Art der Konferenz auch einige neue Herausforderungen mit sich, die es nun zu bewältigen galt. Die ersten Probleme waren, wie sollte es anders sein, technischer Natur. Neben der Tatsache, dass nicht alle Teilnehmer eine Kamera oder aber ein Mikrofon besaßen, war auch die Internetverbindung der meisten nicht mit Stetigkeit gesegnet. Trotz allem verliefen die Gesamtkonferenzen äußerst produktiv und auch die gemeinsamen Arbeitsphasen mit unseren Partnern aus Frankreich und Italien konnten gut genutzt werden.
Während der Woche bearbeiteten die Schüler unterschiedliche Aufgaben zu der Frage, wie Projekte und Maßnahmen zur Integration von geflüchteten Menschen auf dem Arbeitsmarkt aussehen könnten. Ziel der Woche war es den Diskurs über die Integration von Geflüchteten auf den Arbeitsmarkt anzuregen, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten und vor allem verschiedene Perspektiven der drei unterschiedlichen Länder aufzuzeigen und zu diskutieren. Vor allem zu Beginn galt es, die in den nationalen Gruppen erstellten Ergebnisse vorzustellen und das unterschiedliche Vorgehen in den Ländern zu vergleichen. Mit den Fortschritten konzentrierte man sich mehr und mehr auf das Finale der Woche: Eine Mock-Debate mit allen Teilnehmern des Treffens. In dieser wollten die Vertreter Frankreichs, Deutschlands und Italiens eine internationale Kooperation entwerfen, um die Integration geflüchteter Menschen auf den nationalen Arbeitsmärkten zu verbessern. Hierzu wurden drei Delegationen mit den Schülern aus allen drei Ländern gebildet, die Rollenkarten konkreter Mitglieder der Delegation sowie eine Projektidee entwarfen. Für diese Projektidee wurde die Vorarbeit genutzt, was die Recherchen zu den einzelnen Arbeitsmärkten der Länder betrifft sowie einen weiteren spannenden Programmpunkt der Woche – ein digitales Treffen mit drei Vertreterinnen der Bundesagentur für Arbeit. Bei diesem Interview lernten alle Teilnehmer viel über den praktischen Umgang mit Geflüchteten und ihrer Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus hatten vor allem die deutschen Schüler  auch die Chance, Fragen rund um Ausbildung und Studium abseits der Thematik des Projektes zu stellen, was gerade für uns Abiturienten eine großartige Möglichkeit darstellte. Da ein Ziel von Erasmus allgemein das Erziehen von jungen Menschen zu mündigen Europäern ist, war dieses Treffen in vielerlei Hinsicht äußerst informativ.
Zudem halfen diese first-hand-experiences beim weiteren Vorgehen bezüglich der Debatte und der zu entwickelnden Projektidee. Die abschließende Mock-Debate war sehr aufschlussreich und eröffnete allen neue Perspektiven, an die auch zukünfitg angeknüpft werden kann. Des Weiteren lieferte die Debatte Material für die Internetseite, die als Ziel des Projektes „Refugee Crisis“ im Vordergrund steht. "So gesehen war die Onlinewoche trotz der einschränkenden Umstände ein voller Erfolg, da sie viel Neues gebracht und darüber hinaus viel Spaß gemacht hat", so die Mitteilung von Rüdiger Halupzok, Lehrer am Gymnasium. Trotzdem bleibe auch ein weinendes Auge, so sein Hinweis, denn normalerweise erlebe man während einer "Erasmus+ -Projektwoche" viele großartige, neue und spannende Dinge - Dinge, die man nicht jeden Tag erleben kann. Man erhalte jenseits vom Tourismus Einblicke in neue Kulturen und erlebe das Land innerhalb der Gastfamilien und der Gastschule aus einer ganz besonderen Perspektive. Diese Perspektive könne eine Onlinewoche kaum ermöglichen. Auch das Knüpfen neuer Freundschaften innerhalb der internationalen, aber auch der nationalen Gruppe sei deutlich erschwert. „Es erscheint zwar, als sei es nicht viel schwieriger sich über Kamera und Mikrofon zu unterhalten als persönlich, aber aus meiner Sicht gab die gesamte Atmosphäre diesen interkulturellen Austausch, der allen Teilnehmer sehr wichtig ist, nicht her“, so der Teilnehmer Felix Jaros. „Auch das nationale Arbeiten findet zurzeit ausschließlich digital statt“, ergänzt Lehrerin Lena Busch. Sie sagt: „Dieses erschwert das Zusammenwachsen als Gruppe. Dies versuchen wir beispielseweise durch digitale Spieleabende aufzufangen, doch das Fehlen eines realen Kontakts bleibt bestehen.“ Obwohl es in diesem Sinne keine perfekte Projektwoche war, hätten alle das Beste gegeben, um eine spannende und interessante Woche zu gestalten, die trotz der schwierigen Umstände großartige Fortschritte und Ergebnisse ermöglicht hat. Zudem habe das allseitige Engagement bewiesen, wie man auch in schwierigen Zeiten am Ball bleibt und weitermacht. Nächste Onlinewoche ist im April, die das "Erasmus+ -Projekt Refugee Crisis“ am Gymnasium Lehrte beenden wird.
Teilnehmende Schüler an der Woche jetzt waren: Moritz Arndt, Melisa Ergün, Laura Gebhardt, Tom Gottselich, Felix Jaros, Anna-Maria Jelgerhuis, Henriette Lippert, Isabel Meyer, Oskar Rosengarten, Rafaela Schubert Martinez, Rafaela Schubert Martinez und Charlotta Steinweg.