Banküberfall mit dem Tomatenmesser

Es geht um nicht so ganz legales Glücksspiel und einen Banküberfall: Benjamin Tienti stellte Fünftklässlern in der Stadtbibliothek sein packendes Jugendbuch „Salon Salami“ vor. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
„Sie haben ganz toll vorgelesen, und man konnte sie auch gut verstehen“, sagte Jonas (links), der sich zusammen mit Lucas Autogrammkarten von Benjamin Tienti signieren ließ. (Foto: Susanna Veenhuis)

Lesung von Benjamin Tienti in der Stadtbibliothek

LEHRTE (sv). „Überfall!“ Mit der Spitze eines Tomatenmessers zielt das Mädchen auf die Nase der Frau am Bankschalter. Doch die bleibt weiterhin freundlich wie zuvor – und blickt auf irgendetwas hinter dem Mädchen.... „Gaaanz ruuuhig“, sagt der Security-Mann, der dort plötzlich steht, und nimmt der Zwölfjährigen das Messer ab. Dieses Jugendbuch ist wirklich etwas für das Chillen am Strand: Mit einem spannenden Vorlese-Erlebnis schickte der Berliner Autor Benjamin Tienti IGS-Schüler des fünften Jahrgangs in das Reich der Fantasie. „Salon Salami. Einer ist immer besonders“ heißt das Buch über die zwölfjährige Hani Salmani. So ein Name wird in Deutschland natürlich gleich zu „Salami“ verarbeitet. Hanis Vater schneidet im Friseursalon ihres Onkel Leuten die Haare. Die Mutter soll auf einer Arbeitsreise sein – ein Begriff, mit dem das Mädchen nichts anfangen kann. Jede Woche gibt es eine Postkarte von der Mutter an sie, ihren kleinen Bruder und den Vater, und der Vater sorgt dafür, dass Hani auch Briefe an ihre Mutter schreibt. Aber irgendetwas stimmt da nicht, ahnt Hani. Im Kapitel „Falsch eingeworfen“ klärt ausgerechnet der fiese Ekelnachbar das Geheimnis auf, denn eine Karte von Hanis Mutter landet versehentlich in dessen Briefkasten – eine Karte aus dem Knast.
Es war sehr heiß, und still auf dem Stuhl in der Stadtbibliothek zu hocken, während man mit den Gedanken schon im Freibad war, fiel besonders einigen Jungen schwer. Doch Tientis Geschichte über den Banküberfall einer Zwölfjährigen und dessen Hintergründe und ein bisschen wohl auch die mahnenden Blicke der Lehrerin hielten sie bei der Stange, und einige wollten sogar etwas von dem Autor wissen. Vier Jahre hat er für das Buch gebraucht, aber er habe es mehrfach geändert und außerdem arbeite er auch noch als Schulsozialarbeiter in einer Gemeinschaftsschule in Berlin, beantwortete Benjamin Tienti die zahlreichen Fragen seines interessierten Auditoriums. Er ist 37 Jahre alt, außer Deutsch spricht er auch noch ganz gut Englisch und Ungarisch. Geboren ist er in Stuttgart, seine Mutter ist halb Palästinenserin, halb Tschechin, die Eltern seines Vaters stammen aus Frankreich und Algerien. Er schreibt seit seinem 17. Lebensjahr. Normalerweise braucht man für ein Buch ein Jahr, das wichtigste ist die Vorbereitung und Recherche, bevor es überhaupt ans Schreiben geht, berichtete er. Die Bilder in dem Buch hat er nicht selbst gemalt, die sind von einer Illustratorin, mit der er besprochen hat, wie er sich das vorstellt. Sein eigenes Lieblingsbuch ist die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende, weil es darin auch ums Geschichtenerzählen geht, beantwortete er die nächste Frage.
Benjamin Tientis Stärke ist die Dichte in seinen Geschichten, die Dialoge wirken ungekünstelt, die Figuren authentisch. „Es ist schon schlimm, dass Kinder von klein auf so viele Schimpfwörter hören müssen, aber ich schreibe so, wie es in Wirklichkeit ist“, sagte der Autor. Er las in einer zweiten Lesung für weitere Fünftklässler aus seinem Buch „Unterwegs mit Kaninchen“. Für „Salon Salami“ wurde Benjamin Tienti 2018 mit dem Deutsch-Französischen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Seinem jungen Publikum sprach er seinerseits Anerkennung aus: „Großes Lob an Euch, dass Ihr so toll mitgemacht habt. Das ist nicht so einfach bei der Hitze!“