Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben

Stefan Ahrens (von links), Björn Sommerburg, Klaus Sidortschuk und Christian Bollwein beim Spatenstich für das Klärschlamm-Vererdungsbeet an der Ramhorster Straße. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Endlösung für Klärschlamm unklar, Entwässerung gelingt in Schilfbeeten

LEHRTE (r/gg). „Im Einklang mit der Natur wird es billiger“ – so der Tenor beim Spatenstich für ein Klärschlamm-Beet, das neben der Zentralkläranlage an der Ramhorster Straße gebaut wird. Bürgermeister Klaus Sidortschuk, Stadtwerke-Geschäftsführer Björn Sommerburg, Stadtbaurat Christian Bollwein und Stefan Ahrens Geschäftsführer von Eko-Plant, Dienstleister für „ökologische Anlagen“, sind überzeugt, den richtigen Prozess begonnen zu haben. Hintergrund ist die Änderung der gesetzlichen Bestimmungen für die Verwendung von Klärschlamm. Bisher wurde das Endprodukt aus den Lehrter Kläranlagen, der sogenannte Flüssigschlamm mit 98 Prozent Wasseranteil und zwei Prozent Pflanzennährstoffen, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Düngung verwendet oder mit Tanklastern zur Zentrale befördert, um dort, energetisch aufwändig und mit Zuschlagstoffen versehen, in der Zentrifuge entwässert zu werden. Mit der zukünftigen Klärschlammvererdung in gibt es ökologische Vorteile, teure Zwischenlager und die thermische Entwässerung entfallen. Zwei Vererdungsanlagen sind bereits in Sievershausen und Ahlten in Betrieb. Die Lehrter Stadtwerke GmbH kaufte dafür und auch an der Ramhorster Straße landwirtschaftliche Flächen. Eko-Plant baute Mulden, die mit dicker Teichfolie und einer dünnen Bodenschicht ausgelegt wurden. Dort ist erst mal Platz für den frischen flüssigen Klärschlamm. Tausende Schilf-Pflanzen und Mikroorganismen mineralisieren die Nährstoffe, die Blattmasse sorgt für Verdunstung des Wassers. Übrig bleibt nach rund acht Jahren feucht-nasse Erde, die mit der Räumung der Mulden gewonnen und für die Düngung weiterverwendet werden kann – sofern die gesetzlichen Bestimmungen das dann zulassen. Der Spatenstich für die Schilfbeete an der Ramhorster Straße symbolisiert die vollständige Umstellung der Klärschlammverwertung in Lehrte, denn auch in Hämelerwald wird ein solches Beet entstehen. In den vier Kläranlagen der Stadtwerke Lehrte fallen jährlich rund 6.000 Tonnen Klärschlamm an. Die Investition für die vier Vererdungsbeete beträgt 4,5 Millionen Euro. Ob und in welcher Weise die Klärschlamm-Erde auf landwirtschaftlichen Flächen zur Düngung genutzt werden kann, werden die gesetzlichen Bestimmungen der nächsten Jahre zeigen. Bürgermeister Klaus Sidortschuk sagt: „Da müssen wir aufpassen und rechtzeitig Lösungen finden.“