Auf dem Weg zum Bio-Hof

Jens Dannenbring (vorne von links) und Armin Albat beim Rundgang in Kolshorn. (Foto: Privat)

40 Teilnehmer bei Exkursion der Grünen

Kolshorn (r/gg). Auswirkungen des Klimawandels konnten 40 Teilnehmer einer Exkursion der Lehrter Grünen im Kolshorner Wald erleben: Die wärmeren Temperaturen bieten dem Borkenkäfer beste Lebensbedingungen. Deshalb musste ein sechs Hektar großes Stück Wald in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde grundlegend bearbeitet werden, um die weitere Ausbreitung des Käfers zu verhindern. "Nach dem nötigen Kahlschlag hat die Forstgenossenschaft Eichen, Buchen und Douglasien angepflanzt", erläutert Landwirt Jens Dannenbring, dessen Hof Ziel der Tour war. Birken, Kiefern und einzelne Fichten wachsen von allein nach. Dadurch entwickelt sich auf den Flächen in einigen Jahren hoffentlich ein gesunder Mischwald.
Der Abtransport der großen Holzmengen hat tiefe Spuren auf den Forstwegen hinterlassen. Auch in der Kasse der Genossenschaft hinterlässt der Käfer Spuren: aufgrund des hohen Angebotes an geringwertigem Holz können große Partien gerade kostendeckend vermarktet werden. Anders sieht es bei qualitativ hochwertigen Bäumen aus, die aber nur in kleineren Mengen geerntet werden konnten.
Im Anschluss an die Exkursion erläuterte Jens Dannenbring, wie er und seine Familie ihren Hof in Kolshorn auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Bislang wird der Hof konventionell bewirtschaftet und erzeugt vor allem Ferkel für die Schweinemast. Bereits seit Jahren experimentiert der Bauer auf seinen Flächen, um mit weniger Pflanzenschutzmitteln auszukommen. Auch in seinen Ställen hat er schon einiges ausprobiert, um die Lebensqualität seiner Schweine zu verbessern. Im Frühjahr 2021 erfolgte jetzt der nächste Schritt: die Umstellung der gesamten landwirtschaftlichen Flächen auf ökologische Bewirtschaftung.
Die Umstellung bedeutet etwa dreimal so viel Platz für 200 Muttersäue und ihre Ferkel, mehr Lebensqualität und Abwechslung durch Außenhaltung. Die Ferkel werden vor allem an Bio-Mastbetriebe in der Region weitergeben. Die ökologischen und finanziellen Vorteile der regionalen Vermarktung gehen Hand in Hand. Kürzere Wege sorgen für eine bessere Öko-Bilanz und bieten Unabhängigkeit von den stark schwankenden Weltmarktpreisen für Schweine. Mit der Produktion von Bio-Ferkeln besetzt der Hof zukünftig eine Marktlücke. 
Vor der Umstellung sind allerdings große Investitionen notwendig. Das Stallgebäude auf dem Hügel zwischen Kolshorn und Röddensen muss erweitert werden. Dazu erklärt Jens Dannenbring: “Mehr Platz für das einzelne Schwein bedeutet zwangsläufig eine Vergrößerung der Stallungen und damit auch der versiegelten Fläche. Aber in Zusammenarbeit mit der Stadt Lehrte und der Region Hannover haben wir gute Lösungen gefunden: Durch eine Betonwanne wird verhindert, dass Schadstoffe aus der Tierzucht in das Grundwasser gelangen. Hecken und Bäume sorgen dafür, dass die relativ niedrigen Ställe gut in das Landschaftsbild eingepasst werden.”
Das Futter für die Tiere muss bei einem Bio-Betrieb zu 50 Prozent von den eigenen Flächen kommen. Der Anbau ohne chemische Pflanzenschutzmittel erfordert einen deutlich höheren Aufwand als bei konventioneller Bewirtschaftung. Um herauszufinden, was auf den eigenen Flächen funktioniert, ist viel Ausprobieren und Risikobereitschaft erforderlich. Doch so landen weniger Umweltgifte auf den Feldern.
Offen blieb Frage der Grünen, welche Unterstützung die Kommunalpolitik für die Umstellung eines landwirtschaftlichen Betriebes auf ökologische Bewirtschaftung leisten kann. Denn die meisten Regeln werden auf nationaler und europäischer Ebene getroffen. Was aber jeder einzelne zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft beitragen kann, wurde allen Besuchern klar. Man sollte im Supermarkt genau hinschauen, was sich hinter einer aufwändigen Verpackung verbirgt: Ist es wirklich biologisch produziert oder sieht es nur schick aus? Und auch zu den Nebenwirkungen des stark gestiegenen Fleischkonsums hatten alle Teilnehmer noch im Gedächtnis, dass nicht nur in Bauernfamilien bis vor einigen Jahren vom “Sonntagsbraten” gesprochen wurde - eben weil Fleisch etwas Besonderes ist, dass nicht jeden Tag auf den Tisch kommen muss.
Der Hof Dannenbring ist bereits seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz. Auch deswegen wurde die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft von der gesamten Familie gemeinsam getroffen. Denn eine Rückkehr zu konventioneller Landwirtschaft ist nur schwer möglich und bindet die nachfolgenden Generationen. Am Ende waren sich alle in der Familie einig, diesen für die Ferkelproduktion noch sehr innovativen Weg einzuschlagen und die hohen Investitionen in neue Stallgebäude zu riskieren. Jens Dannenbring ist sich sicher, dass dies der richtige Schritt war: die Investition in Umwelt- und Tierschutz wird sich auszahlen, denn der regionale Absatz der Ferkel ist sicher. Und einen kleinen Teil der Ferkel wird auch zukünftig in vor Ort gemästet, so dass es weiterhin Fleisch vom Hof in Kolshorn und Umgebung geben wird - dann allerdings ganz in Bio-Qualität - so der Bericht von Armin Albat und Veronika Schulte.