Appell an Landwirte und Spaziergänger: Jäger wollen Rehkitze retten

Nicht anfassen, sonst wird es von der Mutter verstoßen: Das Rehkitz ist im tiefen Gras gut getarnt. Die Jägerschaft hilft Landwirten beim Auffinden vor der ersten Mahd. (Foto: Hans Glader/piclease)

Bewegungslose Tarnung wird oft zur Todesfalle

ALTKREIS BURGDORF (r/kl). Die Frühjahrsernte steht an: Derzeit werden Grünland oder Energiepflanzen wie Grünroggen das erste Mal gemäht. Der erste Mähtermin des Jahres fällt allerdings zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in den Wiesen und Feldern ihren Nachwuchs vor Fressfeinden verstecken.
Ducken und Tarnen der Rehkitze, Junghasen oder Fasanenküken schützen zwar
vor dem Fuchs aber nicht vor den sehr schnellen Kreiselmähern der
Landwirtschaft, die mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Stundenkilometern
und einer Mähbreite von bis zu zehn Metern über die Felder fahren. Viele
Jungtiere finden hier den qualvollen Mähtod.
Deshalb appelliert Hans-Otto Thiele, stellvertretender Vorsitzender der
Jägerschaft Burgdorf, an die Landwirte und Wiesenbesitzer, rechtzeitig den
Mähtermin den örtlichen Jagdpächtern mitzuteilen und zudem das Feld nur von
Innen nach Außen zu mähen, damit die Tiere noch flüchten können.
Die Jäger werden gemeinsam mit den Grundeigentümern, wenn sie den Termin der
Mahd rechtzeitig erfahren, Maßnahmen zur Wildtierrettung wie das Absuchen
der Wiesen oder das Anbringen von Knistertüten und Flatterbändern zur
Beunruhigung des Wildes einleiten.
„Spaziergänger, die Jungtiere entdecken, sollen diese keinesfalls streicheln
oder anfassen – auch wenn der Nachwuchs scheinbar verlassen wirkt“,
appelliert Oliver Brandt, Presseobmann der Jägerschaft Burgdorf: „Rehkitze
oder Junghasen alleine zu lassen, ist Teil einer Überlebensstrategie bei
diesen Tierarten. Die Jungtiere sind noch geruchslos und können so zum
Beispiel vom Fuchs nur schwer gefunden werden.
Wenn die Tiere vom Menschen
aber angefasst werden, verlieren sie ihre Geruchslosigkeit und werden zudem
vom Alttier nicht mehr angenommen!“
Wichtig sei, dass Hundehalterinnen und Hundehalter ihre Tiere in der
Feldmark und im Wald nur angeleint spazieren führen, appelliert Oliver
Brandt an die Vernunft der Hundebesitzer, damit die Jungtiere nicht ohne
Grund beunruhigt oder von Hunden gehetzt und getötet werden.