Am Freitag Vortrag zum Antikriegstag im Antikriegshaus Sievershausen

Erinnert an das Schicksal von Deserteuren und Andersdenkenden während der Nazi-Herrschaft: Der hannoversche Autor Ralf Buchterkirchen. (Foto: Dokustätte Sievershausen)
Lehrte: Antikriegshaus Sievershausen |

"… und wenn sie mich an die Wand stellen …"

LEHRTE/SIEVERSHAUSEN (r/kl). Seit mehr als 50 Jahren wird in Deutschland (West wie Ost) der 1. September, Jahrestag des deutschen Überfalls auf das Nachbarland Polen, der den Beginn des 2. Weltkrieges markierte, als Antikriegstag begangen. Der Vorabend des Antikriegstages, gleichzeitig Geburtstag des 2006 verstorbenen Antikriegshausgründers Klaus Rauterberg, ist seit vielen Jahren ein fester Termin im Veranstaltungskalender des Sievershäuser Friedenszentrums. In diesem Jahr steht die Veranstaltung am Freitag, 31. August, ab 19.30 Uhr im Antikriegshaus, kirchweg 4, unter dem Titel „…und wenn sie mich an die Wand stellen!“.
Der hannoversche Autor Ralf Buchterkirchen hat unter diesem Titel ein Buch über Desertion, Wehrkraftzersetzung und „Kriegsverrat“ von Soldaten in und aus Hannover in den Jahren 1933 bis 1945 geschrieben. Ralf Buchterkirchen ist seit vielen Jahren in der Friedensbewegung sowie queer-feministischen Initiativen aktiv.
Die Idee zum Buch entstand aus dem Wunsch heraus, die von dem hannoverschen Friedensaktivisten Klaus Falk in jahrelanger Kleinarbeit gesammelten Informationen zu Kriegs- und Gehorsamsverweigerern in Hannover zu ordnen und einer allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Zum Einen soll damit an eine gern vergessene und auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges lange nicht rehabilitierte Opfergruppe nicht nur aus regionalhistorischer Sicht erinnert werden, andererseits soll mit diesem Buch die Debatte um ein Deserteurdenkmal in Hannover Aufschwung bekommen.
Als Ausgangspunkt zum Verständnis der individuellen Beweggründe für Desertion, Wehrkraftzersetzung oder „Kriegsverrat“ wurde gezielt der Umgang mit „heroischen Männlichkeitsbildern“ beschritten. Männlichkeit wurde im NS – im Vergleich zur preußischen Tradition – weiter erhöht und Bestrafung der Deserteure hieß im NS-Staat auch symbolische Entmännlichung.“
In diesem Sinne verspricht dieser Zugang neue Sichtweisen und verbinden sich hier meine friedens- und gesellschaftspolitischen Interessen“, formuliert Ralf Buchterkirchen.
Enthalten sind in „.. und wenn sie mich an die Wand stellen…“ unter anderen die Geschichten von Hubert Breitschaft und Robert Gauweiler.
Hubert Breitschaft, Lehrer aus Bayern, kostete die spontane Reaktion auf das misslungene Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ das Leben. Er wurde zum Tode verurteilt und in Hannover hingerichtet.
Der Hannoveraner Robert Gauweiler hatte im Kameradenkreis die Befürchtung geäußert: „Diesen Krieg verlieren wir.“ Dafür ihn die Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode.
Für diese und andere Opfer der NS-Militärjustiz hat das Antikriegshaus vor fünfzehn Jahren das Deserteurdenkmal in Sievershausen errichtet. Dort wird die Veranstaltung am Freitag, 31. August, um 19.30 Uhr beginnen.