Alles „mega“ in Zytanien

Volle Sonne von vorn: Devon & The Jah Brothers aus Rimini feierten mit den Besuchern am Sonntag das Festival-Ende in der Nachmittagssonne. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Sonniger Wegweiser fürt die Partygänger, wann welcher Künstler und welche Band wo auftritt. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ungebrochen gute Laune auch beim 33. Hippiefestival auf dem Ziegeleigelände

IMMENSEN (sv). „Mega!“ Der Begriff taucht in Gesprächen oft aufund gibt kurz und bündig an, wie Besucher und auch Veranstalter das Wetter, die Musik, die Stimmung und überhaupt alles zum Thema Zytanien fanden. Zum 33. Mal bot das alte Ziegeleigelände bei Immensen einen eigenen Kosmos voller Harmonie, Ideen, Kreativität, guter Schwingungen und positiver Atmosphäre jenseits von Alltagszwängen und Normalität. Mittlerweile wissen die Besucher das sogar Generationen übergreifend zu schätzen, ein Besuch oder sogar ein mehrere Tage währender Campingaufenthalt auf den eigens dafür gepachtete Äckern und Wiesen ringsum das Festgelände sind bei vielen schon fest im Jahreskalender verankert, um die Musik und das Miteinander zu genießen – teilweise schon von Kindheit an.
Mit einem gut gemischten Programm vieler Stilrichtungen und Musikarten wartete das Zytanien-Festival 2019 auf. Punk und Funk, Rock und Reggae, Blues und Roots, Hip Hop, Trip Hop, Jazz und vielerlei Ethno-Klänge – teilweise sind die Musikrichtungen der über 50 Musikgruppen kaum zu bestimmen. Bands wie Beranger, Brass Woofer oder Makatumbe mixen daraus ihren eigenen, in keine Schublade passenden Sound, der die Leute vor der Hauptbühne zum Tanzen bringt.
Ein neonfarben leuchtender Riesenkrake bewacht den Eingang zum Weltraum – jedenfall ist das in Zytanien so. In der alten Werkhalle dieses Namens produzieren Solisten und Bands wie Kirre, El Mariachi, Smile & Burn und Lenki Balboa & Kai Kani mit Punk, Hip Hop und experimentellen Klängen ebenfalls Tanzbares für die Besucher. Durch eine Art Lichtschleuse mit scheußlichen alten Stehlampenschirmen, die aber durch ihre neue Wechselfarben-Beleuchtung einen besonderen Charme entwickeln, geht’s vorbei am Peanuts-Türklavier und an der Zychiatrie-Station – eine waaggerecht angebrachte drehbare Fahrradfelge mit einem Metallstab zum über die Speichen Klimpern – zum Ongolito-Ville. Auf diesem Weg gibt’s auch noch eine kleine, für alle offene Bühne für weniger bekannte oder spontan spielende Bands, die ihr Publikum dorthin ziehen. „Die Open Stage ist immer ein Abenteur, man weiß nie, was kommt“, sagt Michael Zülsdorff, der unter anderem diese Bühne betreut und auch selber mit seiner Band „Ohne Mimi“ auftritt.
Elektrisch geht es zu auf der Ongolito-Bühne, wo DJs aus aller Welt, aber auch Eigengewächse aus Zytanien auflegen. Das Partyvolk kann auf einer Terrasse und in verschiedenen, fantasievoll geschmückten Lounges pausieren, farbenfrohe Cocktails genießen und von dort aus das Treiben auf der Tanzfläche verfolgen.
Wieder einmal fanden gut 4000 Besucher den Weg nach Zytanien, viele mit Zelt, Caravan oder Reisemobil. Durch eine Verlagerung der Kasse hinter den Eingang änderte sich das Bezahlsystem. „Viele bauten ihre Zelte auf und kamen dann erst zur Kasse, als es immer mehr wurde, haben wir erstmal einen Not-Stopp abgesetzt“, erklärte Ole Seelenmeyer, ebenfalls einer der Organisatoren, die Aufforderung vom Freitag Abend über die sozialen Medien, nicht mehr nach Zytanien zu kommen, denn das Festival sei so gut wie ausverkauft. Doch es gab noch Reserve-Areale für die Camper, so dass alle ihr Unterkommen fanden.
„Es ist eins der besten Festivals und ein echtes Familienfest“, meint Tobi Kunze, der zusammen mit Jan Egge Sedelies drei Tage lang die Bands auf der Hauptbühne ansagte. Er selber kann sich noch an Zeiten erinnern, als er als kleiner Pöks mit seinen Eltern zum Festival kam. „Die Musik und das alles war mir relativ egal, ich habe es geliebt, diese kleinen Tonkugeln aufzusammeln und damit zu spielen“, erinnert er sich an Kindheitstage. Umso mehr bedeutet es eine Ehre für ihn, heute dort mitmachen zu können.
Doch das Idyll ist in Gefahr: Eigentümer ist der Firmeninhaber Günter Papenburg, der den aktuell 19 Bewohnern jetzt den Mietvertrag für das Gelände gekündigt hat und verkaufen will. Doch die Summe von 800 000 Euro für die 55 000 Quadratmeter Fläche können die Zytanier trotz des Festivals nicht bezahlen und suchen nun nach einer Lösung. „Man steht miteinander im Dialog“, sagt Seelenmeyer diplomatisch.