Aktion "Friedhöfe auszeichnen"

Auf die Auszeichnung weist das Schild am Eingang des Friedhofs, Feldstraße 88, hin. (Foto: Monika Schneider-Mild)

Kulturelle Bedeutung erklärt und gewürdigt

Lehrte (r/gg). Der Neue und der Alte Friedhof der evangelischen Matthäusgemeinde stehen jetzt im Zeichen des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur: Friedhofsverwalter Gerhard Winter brachte am Freitagmorgen entsprechende Schilder an dem Haupteingang des Neuen Friedhofs sowie im Schaukasten auf dem Alten Friedhof an, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für unsere Stadt aufmerksam zu machen. Lehrte ist damit Teil eines bundesweiten Netzwerks von 150 Städten, die auf diese Art und Weise auf die vielschichtige Bedeutung der Friedhöfe für die Gesellschaft aufmerksam machen.
Bereits im März hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission diese Ernennung zum immateriellen Kulturerbe beschlossen. Allerdings ging die Auszeichnung im Corona-Lockdown völlig unter, weshalb man jetzt mit der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ in Lehrte auf diese wichtige Ernennung aufmerksam macht.
„Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden“, erläuterte Gerhard Winter, „sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.“ Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln.
„Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden“, sagte Winter weiter, „der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat.“ Hervorzuheben sei zum Beispiel die historische Dimension der Denkmäler. Der Kulturraum Friedhof bilde zudem den größten Skulpturenpark in Lehrte und sei zugleich
Inspirationsfläche für viele Kunstformen.
Besonders bedeutsam sei seine soziale Funktion: "Der Friedhof erweist sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Nicht zuletzt zeigt sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz, zum Beispiel auch als Ort der Biodiversität."
Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“. Es gehe nicht um ein Mumifizieren unserer Friedhöfe, sagte Friedhofsverwalter Winter, sondern um deren zeitgerechte Weiterentwicklung. So werde man auch in Zukunft Bestattungsformen anbieten, die den Wünschen der Menschen entsprechen wie beispielsweise naturnah gestaltete oder pflegeleichte oder pflegefreie Grabformen. Die Auszeichnung der beiden Lehrter Friedhöfe hat das „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Auf seiner Seite www.kulturerbe-friedhof.de finden sich umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und deren Bedeutung für unsere Gesellschaft.