Abstraktes Verfahren ärgert Bürger

Volker Kemmling (links) und Heinz Mazur erklärten im Bürgergespräch in der Städtischen Galerie den Lärmaktionsplan. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Lärmaktionsplan soll Maßnahmen eine Chance geben

LEHRTE (gg). Eine Bürgerbeteiligung zum Thema Verkehrslärm soll es geben, und dafür bot die Stadtverwaltung am Dienstag einen Infoabend in der Städtischen Galerie. Fragen sollten gestellt und Anregungen eingebracht werden, die dazu dienen, den Straßenlärm zu mindern – eine Vorgabe nach EU-Richtlinine, um den Lärmaktionsplan fertigzustellen, der eigentlich schon längst fertig sein soll. „Aber es sind errechnete Lärmpegel, mit denen wir arbeiten müssen. Die entsprechenden Lärmkarten wurden uns erst vor Kurzem vom zuständigen Gewerbeaufsichtsamt erstellt, daher der Verzug“, so der ausdrückliche Hinweis von Volker Kemmling, städtischer Fachdienstleiter Umwelt. Die Erstellung des Lärmaktionsplans leistet die Stadtverwaltung nicht selbst, sondern hat die „PGT Umwelt und Verkehr GmbH“ beauftragt. Mit der Bearbeitung hat sich PGT-Ingenieur Heinz Mazur beschäftigt, der beim Infoabend zum Sachstand Auskunft gab. Deutlich begrenzt sei der Lärmaktionsplan, da weder der Schienen- noch der Flug- oder Gewerbelärm erfasst sei. Zu beachten sei zudem, dass zunächst nur die Hauptverkehrsstraßen betrachtet werden. „Das sind die Straßen mit rechnerisch mehr als 8.200 Fahrzeugen pro Tag“, erklärte auch Bürgermeister Klaus Sidortschuk. Wie Heinz Mazur und Volker Kemmling versuchte er, die Erwartungen der rund 25 Zuhörer zu dämpfen. Vertreter der Bürgerinitiativen, die Maßnahmen zur Lärmbegrenzung beim zukünftigen Megahub und dem Aldi-Logistikzentrum fordern, waren vertreten. „Wer soll das bloß verstehen“, so ihr Tenor. Dass sich aktuelle Ausarbeitungen zum Lärm nicht auf Prognosen beziehen, nicht die Lärm-Überlagerungen von Bahn und Straße erfassen, sei enttäuschend. „Es ist ein abstraktes Verfahren. Uns ist die Schwierigkeit der Vermittlung durchaus bewusst“, sagte Volker Kemmling. Entscheidend seien die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen. Im Rahmen von Bauleitplan-Verfahren werde viel schärfer, genauer und schützender für die Interessen der Anlieger gearbeitet. Heinz Mazur warb für die Bürgerbeteiligung: „Sehen Sie es als Chance. Die Idee de EU ist es, dass alle zusammenarbeiten, die weniger Lärm wollen.“ Nicht eine einzelne große Maßnahme zur Lärmminderung sei zu erwarten, sondern ein Effekt lasse sich durchaus durch das Kombinieren vieler kleiner Maßnahmen erzeugen. Erfahrungen aus anderen Kommunen hätten dies belegt, wenn beispielsweise sogenannte „ruhige Bereiche“ errungen werden. Er ergänzte: „Was sollen wir Ihnen versprechen? Es gibt keine anderen Straßen als die vorhandenen und der Verkehr wird weiterhin fließen.“ Zu beachten sei außerdem, so der Hinweis von Volker Kemmling, dass die Stadtverwaltung nur mit ratifizierten Dokumenten, seien sie auch noch so abstrakt, bei der Bahnverwaltung Maßnahmen zur Lärmminderung, wie beispielsweise Schutzwände, einfordern könne.
Bürger können sogenannte Einwendungen zum Lärmaktionsplan ab 6. März vier Wochen lang auch online einbringen: www.lehrte.de.