80 Klimaprotestler ziehen vor das Rathaus

Schulfrei für die Zukunfts-Demo: Einige Schüler waren von ihren Eltern für die Protestaktion vom Unterricht befreit worden. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Nur wenige Schüler beteiligten sich am globalen Kilmastreik, den die Lehrter Fridays for Future-Gruppe organisiert hatte. (Foto: Susanna Veenhuis)

Fridays for Future-Gruppe braucht Unterstützung

LEHRTE (sv). Auch beim vierten globalen Klimastreik hielt sich das Interesse der Lehrter Bevölkerung in Grenzen. „Wir haben uns größeren Andrang gewünscht“, sagte Luca Schneider von der Lehrter Ortsgruppe der weltweiten Fridays for Future-Bewegung. Gerade mal an die 50 Leute hatten auch diesmal dem Weg zum Brunnen vor dem Kurt-Hirschfeld-Forum gefunden, darunter auch einige ältere und Lehrter Politiker, um sich den protestierenden jungen Leuten anzuschließen. Luca Schneider gestand ein, dass er und seine fünf Mitstreiter vom harten Kern tatsächlich mit der Organisation der Demonstrationen und anderen Fridays for Future-Aktionen an ihre Grenzen stoßen würden. Unterstützung sei sehr willkommen, zumal auch die Schule ihren Tribut fordere.
Das jüngst von der Bundesregierung verabschiedete Klima-Paket sei nur ein Päckchen, das nach Angaben von Wissenschaftlern den CO2-Ausstoß keineswegs verringere, sondern sogar noch erhöhe, sagte der Schüler. „Die Regierung muss überlegen, wie sie die Klimakrise in den Griff kriegen will. Dafür stehen wir heute hier!
Eine junge Mutter fragte: „Man kann da also auch als Erwachsene teilnehmen?“ Und marschierte samt Fahrrad und Hund spontan mit. „Wir sind von unseren Eltern vom Unterricht befreit worden“, sagte eine Gruppe Schüler der Klassen 7b und 7c. Auch der einstige Lehrer, Schulleiter und Mit-Initiator des Lehrter City-Laufs, Jürgen Teiwes, hatte sich eingereiht. „Man muss Flagge zeigen – für drei Enkel“, sagte er. Diesmal, so Luca Schneider, hatte die Polizei die Veranstalter lediglich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichtet und eine Begleitung des Demonstrationszugs nicht für nötig befunden.
Der wuchs dann immerhin doch noch auf rund 80 Teilnehmende an, die durch die Friedrich- und Manskestraße, Berliner Allee und über Ahltener-, Feld- und Gartenstraße schließlich bis vor das Rathaus zogen. „Hoch mit dem Klimaschutz! Runter mit der Kohle!“ und andere Sprüche und Protestlieder zeigten keine Wirkung auf die dort Tätigen. „Hinter dem einen oder anderen Fenster hat jemand nach draußen gelinst“, hatte der Lehrter Gewerkschaftsvorsitzende Reinhard Nold festgestellt. Er und seine Mitstreiter hatten den Zug um ein weiteres Transparent bereichert. „Klima retten! Workers for Future“ war darauf zu lesen.
Auch das Antikriegshaus war vertreten und hielt auch gleich noch die Fahne der „Christians for Future“ hoch. Ein älterer Teilnehmer trug tapfer sein knallrotes Schild „Grandpa for Future“ durch die Straßen.
Zur Schlusskundgebung mit offenem Mikrofon, bei dem sich jeder äußern konnte, hatte sich der Zug schon fast wieder aufgelöst. Nur wenige harrten noch aus und hörten die Rede von Reinhard Nold. Er bezweifelte, dass es der richtige Weg sei, das Land mit Stromladesäulen vollzupflastern, und forderte stattdessen unter anderem einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr mit guter Taktung und gutem Service auch auf dem Land, barrierefrei und bezahlbar für alle. „Und Mobilität für alle, das it Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge!“
Auch ganz praktisch konnten die Gewerkschafter die Lehrter FFF-Protestler unterstützen. Denen war zwei Tage vor der Demo die zugesagte Verstärkeranlage wieder abgesagt worden, und die DGB-Ortsgruppe stellte ihre eigene zur Verfügung.
Zum Ende der Veranstaltung hatte es auch Luca Schneider ein bisschen eilig. Er musste wieder in die Schule und noch einen Test schreiben.