200 Fackelwanderer in Grafhorn unterwegs

Die Fackeln erhellen den Wald auf dem letzten Stück der Wanderung am Grafhorn. (Foto: Wiebke Molsen)

Organisatoren setzen auf Nachhaltigkeit, buntes Programm für Kinder

GRAFHORN (wim). Minus zwei Grad und trocken – besser konnte das Wetter für die 14. Auflage der Fackelwanderung der Naturfreunde und der Wandergruppe „Out of Immensen“ durch das Burgdorfer Holz am Samstag kaum sein. Dementsprechend zahlreich strömten Familien mit Kindern, Bollerwagen und Hunden zum Naturfreundehaus in Grafhorn. Was vor 14 Jahren als Baustellenparty unter Freunden begann, hat sich mittlerweile zum Familienevent mit mehr als 200 Teilnehmern entwickelt. „Wir machen das ja nur, weil es uns Spaß macht“, sagt Karsten Spitznagel, Mitorganisator der Fackelwanderung, über den großen Zuspruch. Mehr Werbung möchte er nicht machen, sondern die Veranstaltung auf diesem Niveau halten. „Wir müssen ja auch an Feld und Flur denken“, ist er sich bewusst. Überhaupt ist ihm die Nachhaltigkeit wichtig: Die ehemaligen Weihnachtsbäume, die die Tische und Bänke einfrieden, werden später von den Ziegen gefressen und der Wein für die Feuerzangenbowle sowie der Kakao stammen aus Glasflaschen. „Ich verkaufe nur etwas, was ich auch selbst trinken würde“, ergänzt Udo Bellack. Er hat seine geheime Mischung aus Kräutern und Gewürzen für die Feuerzangenbowle bereits am Vortag angesetzt und wärmt sie nun über dem offenen Feuer auf.
Während sich die Erwachsenen mit der Feuerzangenbowle aufwärmen, backen die Kinder Stockbrot, lassen sich schminken oder verzieren Schlüsselanhänger und Lederarmbänder mit einem Brandmalkolben. „Auf die Vorderseite sollen Sterne und Blumen und auf die Rückseite mein Name“, hat sich Justus Luchterhandt vorgenommen. Sein jüngerer Bruder Till stanzt derweil noch Löcher in sein Armband. „Ich kann das!“, sagt er stolz. Im Eisenzeithaus liest Lea Hintzen den jüngsten Besuchern Geschichten vor, und Karen Baingo beantwortet Fragen zum Bau des Hauses. „Wie wusstet ihr denn wie das Haus aussah? Es gab doch keine Bauanleitung!“, wollen Bjarne und sein Bruder Kjell zum Beispiel wissen.
Die eigentliche Wanderung führt unter Leitung von Christian Helmreich erst zum 1,8 Kilometer entfernten weißen See, und dann im Bogen zum Naturfreundehaus zurück. Insgesamt ist die Strecke vier Kilometer lang. Bei Einbruch der Dunkelheit entzündet Christian Helmreich die Fackeln, und der Troß zieht hell erleuchtet durch den Wald. „Es ist toll, etwas so Außergewöhnliches in der Natur zu erleben“, sagt Maria Zeiser. Die Mutter aus Hülptingsen ist mit ihrem fünfjährigen Sohn und ihrer dreijährigen Tochter und einigen Freundinnen das erste Mal zur Fackelwanderung nach Grafhorn gekommen. Erfahren davon hat sie über Mund-zu-Mund-Propaganda in einer WhatsApp-Gruppe. „Aber Grafhorn ist ja ohnehin eine Institution“. Genau wie die Wandergruppe „Out of Immensen“, die seit 2001 Wanderungen unternimmt und in diesem Jahr seine 20. Tour absolvieren will. Im Sommer geht es über die Alpen, bleibt zu hoffen, dass das Wetter dann wieder mitspielt.