180 Zuhörerinnen hängen an Dora Heldts Lippen

Die Bestsellerautorin Dora Heldt stellte in der Alten Schlosserei ihr Buch „Drei Frauen am See“ vor. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Bereits seit Anfang September war die Lesung ausverkauft: 180 Besucher verfolgten gespannt die Lesung.  (Foto: Susanna Veenhuis)

Lesung in der Alten Schlosserei schon Anfang September ausverkauft

LEHRTE (sv). „Dies ist ein solides Frauenbuch. Sie können lernen, Sie können leiden, nur zwischendurch gehen dürfen Sie nicht!“ Was sich nach einer sauertöpfisch-strengen Warnung anhörte, brachte die Zuhörer in der Alten Schlosserei doch sehr zum Schmunzeln. Schließlich hatte niemand Geringeres als die Bestsellerautorin Dora Heldt dies geäußert, und das Publikum wusste sehr gut, wie es sie zu nehmen hatte.
Wenngleich Dora Heldt mit ihrem neuen Buch „Drei Frauen am See“ diesmal ein ernsteres Thema anpackte, so konnte sie den ihr eigenen trockenen Humor selbst bei den Schilderungen über das Schreiben dieses Buchs nicht verleugnen. „Wenn man so recherchefaul ist wie ich, muss man auf gut Bekanntes zurückgreifen“, bekannte Dora Heldt, die seit 14 Jahren schreibt und mittlerweile 13 Bücher veröffentlicht hat. So hat sie für die Szenerie, in der die Geschichte um vier Schulfreundinnen spielt, den Ratzeburger See auserkoren, den sie aus der Kindheit kennt. Auch ein passendes Haus war bald via Internet gefunden. „Die Leute, die dort wohnen, wissen es wahrscheinlich bis heute nicht“, schätzte die Autorin. Selber 1961 als Bärbel Schmidt geboren, sind auch ihre Protagonistinnen in dem Buch desselben Jahrgangs.
In der Geschichte gehört das Haus am See den schwerreichen Eltern von Marie, einem Mädchen, das mit einem Herzfehler geboren wurde. Sie freundet sich mit drei Mitschülerinnen an, die daraufhin in jeden Sommerferien dort zu Gast sind. Die Freundinnen Marie, Jule, Friederike und Alexandra halten zusammen und pflegen ihre Freundschaft auch über das Abitur hinaus, indem sie sich weiterhin jedes Jahr am Freitag vor Pfingsten dort treffen. Marie ist die treibende Kraft in diesem Quartett, dem sie als etwas Schwächere und oft Kranke auch viel verdankt. Denn ihre Freundinnen ziehen sie mit, passen auf sie auf und ermöglichen ihr so manches Erlebnis, zu dem sie allein nicht fähig gewesen wäre. Aber es gibt Ärger im Paradies: Ein böser Streit bedeutet rigorose Trennung, über zwölf Jahre lang will keine mehr etwas von den anderen wissen. Bis eines Tages eine notarielle Einladung an drei der Frauen ergeht. Marie ist gestorben und hinterlässt ihren ein Vermächtnis, das sie zur Begegnung zwingt.
Das Genre des Romans war für Dora Heldt ein neues Feld. Sie habe für jede Figur einen eigenen Ordner angelegt, um die sehr unterschiedlichen Charaktere konsequent auftreten lassen zu können, erklärte sie. Zum ersten Mal setzte sich die Autorin humoriger Bücher in dem Roman auch mit tiefen Gefühlen auseinander. Ihre Lektorin hatte zuvor zart darauf hingewiesen, dass Dora Heldt das bislang vermied: „Immer, wenn es in deinen Büchern gefühlig wird, fällt etwas von der Wand oder ein Rentner kommt 'rein!“
180 Besucher waren der Einladung von Bibliotheksleiterin Ingrid Klug in die Schlosserei gefolgt. Schon seit Anfang September sei die Lesung ausverkauft gewesen, sie hätte gut noch einmal so viele Karten verkaufen können, sagte Ingrid Klug. Trotz des riesigen Interesses hatte im Anschluss an den Leseteil niemand eine Frage an die Bestsellerautorin, die daraufhin locker vom Hocker darüber plauderte, welche Fragen ihr bei anderen Lesungen gestellt worden waren - bis hin zu einem Kupplungsversuch einer Dame, deren Sohn wieder bei ihr eingezogen war. Die wollte wissen, ob Dora Heldt in festen Händen sei und teilte mit, ihr Sohn wäre Architekt, solo und im passenden Alter.
Durch die Lachattacken kamen die Besucher wieder in Schwung und wollten wissen, ob sie ihren beiden Krimis noch weitere folgen lassen wollte. Dora Heldt schloss das nicht kategorisch aus, aber bislang habe sie noch keinen passenden Fall gefunden. Schreibdisziplin nach Stundenplan? „Ich wünschte, ich könnte das“, sagte die ehemalige Verlagsvertreterin, die vor einem Jahr ihren Beruf zugunsten des Schreibens an den Nagel gehängt hat.
Ideen für ihre Kolumnen in einer Frauenzeitschrift sammle sie bei allen möglichen Gelegenheiten – zum Beispiel neulich während eines Fluges, als ihr männlicher Sitznachbar sich unerträglich daneben benahm. „Ich dachte mir: Junge, Du bist in vier Wochen in der Für Sie. Das entspannt ungemein!“
Nach dem ersten Ausflug in das ernste Genre habe sie sich wieder etwas Leichteres gegönnt, brachte Dora Heldt ihren Leserinnen frohe Botschaft: „Mathilda oder irgendwer stirbt immer“ ist der Titel ihres neuen Buches, das sie gerade zwei Tage vor der Lesung in Lehrte beendet hatte. Darin geht es um eine ganz besondere Art der Dorfverschönerung, das Buch erscheint Ende Februar.
Ingrid Klug wies darauf hin, dass alle Bücher von Dora Heldt auch in der Stadtbibliothek zur Ausleihe zur Verfüpgung stünden. Viele seien auch als Hörbücher eingelesen. Krimifans können sich schon auf den 15. Mai 2020 freuen. Als nächsten Gast hat Ingrid Klug den Krimiautor Andreas Föhr eingeladen.