11.610 Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses in Lehrte

Einen Tag vor der Abstimmung in der Regionsversammlung wurden Regionspräsident Hauke Jagau (v.l.) von den Mitorganisator/innen der Petition Heike Koehler (stellverttetende CDU-Vorsitzende), André Tepper (stellvertretender SPD-Vorsitzender) und Christoph Lokotsch (Jusos Lehrte) die 11.610 Unterschriften für den Erhalt des Lehrter Krankenhauses übergeben. (Foto: Region Hannover)
 
Alle Parteien im mAhltener Ortsrat waren sich bei der Unterschriftensamlung einig. Christian Klein-Heyl (Bündnis90/Die Grünen), Dieter Münstermann (FDP), Timo Bönig (SPD) und Heike Koehler (CDU) präsentieren hier die Listen mit den 1.300 in der Ortschaft gesammelten Unterschriften. (Foto: Ortsrat Ahlten)
Lehrte: Klinikum Region Hannover Lehrte |

Überparteiliche Petition an Regionspräsident Hauke Jagau übergeben

LEHRTE/REGION (r/kl). Am Montag - einen Tag vor dem Beschluss in der Regionsversammlung - haben örtliche Vertreter aus Lehrte dem Regionspräsidenten Hauke Jagau im "Haus der Region" 11.610 Unterschriften für den Erhalt des Klinikums Lehrte überreicht. Das besondere: Die Petition war eine parteiübergreifende Petition der Jusos, von SPD und CDU Lehrte. Unterstützt wurde sie von vielen weiteren Organisationen wie Gewerkschaften, Kirchen, Verbänden und vielen weiteren. Insbesondere in Apotheken und Arztpraxen wurden zahlreiche Unterschriften gesammelt.
Diese Aktion hat sehr deutlich gemacht, wie sehr sowohl die Bevölkerung Lehrtes, als auch die der umliegenden Kommunen, hinter dem Klinikum in Lehrte stehen. „Durch unsere gemeinsame Unterschriftenaktion haben wir Bürgerbeteiligung gelebt und die Bevölkerung bei der Diskussion mitgenommen. Viele haben bei unseren Infoständen mit ihrer Unterschrift das Anliegen, Lehrte als Krankenhausstandort zu erhalten, unterstützt“, so Mitinitiator Christoph Lokotsch von den Lehrter Jusos.
Nun sei es an den Regionsabgeordneten - insbesondere denen der rot-grünen Mehrheitsfraktionen - dieses starke Signal auch tatsächlich umzusetzen. Die Möglichkeit dazu bestand bei der Sitzung der Regionsversammlung am Dienstag, bei welcher über die "Medizinstrategie 2020" des Klinikums Region Hannover (KRH) entschieden werden sollte.
Eigentlich soll die Medizinstrategie nur ein Prüfauftrag unter anderem für den Bau eines großen Krankenhauses im Osten der Region bei gleichzeitiger Schließung der Krankenhäuser in Lehrte und Großburgwedel sein. Kritiker vermuten jedoch bereits eine Vorentscheidung durch die am Dienstag erfolgte Zustimmung in der Regionsversammlung.
"Die gemeinsame Forderung der SPD Lehrte und SPD Burgwedel hat Wirkung gezeigt. Gemäß einem rot-grünen Änderungsantrag soll die Regionsversammlung
nun einen erweiterten Prüfauftrag beschließen", sieht aber Lehrtes SPD-Vorsitzender Bodo Wiechmann schon einen Erfolg für den Erhalt der Standorte. Unter dem Stichwort "1. Gemeinsames Versorgungskonzept der Standorte Großburgwedel und Lehrte" hatte die rot-grüne Mehrheit den - dann auch angenommenen - Beschlussantrag erweitert:
"Im Rahmen des Konzeptentwurfs für einen förderfähigen Neubau im Osten von Hannover wird ebenfalls geprüft, inwieweit die Häuser Großburgwedel und Lehrte an ihrem jeweiligen Standort für den Fall der Nichtumsetzung der Neubauvariante so weiterentwickelt werden können, dass sie unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Förderfähigkeit und Versorgungsqualität zukunftsfähig sind. Die Kosten für beide Varianten sind zeitgleich zu ermitteln und gegenüber zu stellen".
Auch die FDP hatte für die Sitzung der Regionsversammlung einen Änderungsantrag gestellt, mit der Intention "aussagekräftige Informationen über die Bereitstellung von Kennzahlen zu bereits getätigten Investitionen in Abgleich zum noch bestehenden Investitionsbedarf insbesondere bei erforderlichen Umbaumaßnahmen im Fall der Umstrukturierung des medizinischen Leistungsangebotes an einzelnen Standorten zu erhalten". Erst wenn fderart aussagekräftige Zahlen für alle Standorte vorlägen, könne eine "Medizinstrategie" entwickelt werden, so die Regions-FDP.
Nach Ansicht der Organisator/innen der Lehrter Petition sprechen viele gute Argumente für den Krankenhausstandort Lehrte. Nicht nur die strategische Nähe zu A2 und A7, sondern auch die sehr gute Anbindung an den ÖPNV durch den Bahnhof und die im baubefindliche Mega-Hub Anlage sind Aspekte, die es zu berücksichtigen gelte.
„Es geht um so viel, 400 Arbeitsplätze, Infrastruktur und allgemeine medizinische Versorgung vor Ort. Jedoch sind noch viele Fragen offen geblieben“, ergänzt Heike Koehler von der Lehrter CDU.
Die Initiatoren verweisen auch darauf, dass das Lehrter Klinikum einen ganz besonderen geschichtlichen Hintergrund hat. Gestiftet wurde das ursprüngliche Krankenhaus 1895 vom Industriellen Hermann Manske nach einem Brande in dessen Zementfabrik. In der Stiftungsurkunde wurde verfügt, dass das Krankenhaus „dauerhaft zu erhalten ist“.
Ein entsprechender Vertrag zwischen der Stadt Lehrte und der Region Hannover gilt bis heute. „Wir Lehrter sind auch stolz darauf, dass diese Einrichtung diesen sozialpolitischen Hintergrund besitzt und werden auch auf die Einhaltung des vertraglich zugesicherten Standortschutzes bestehen!“, erweitert der stellvertretende SPD-Vorsitzende André Tepper die Argumente für einen Krankenhausstandort in Lehrte.

Großes Echo auch für
Aktion der Ahltener Parteien

Die bei vielen Geschäften und Firmen in Ahlten ausgelegten Unterschriftenlisten für den Erhalt des Lehrter Krankenhauses haben sich erheblich schneller und umfangreicher gefüllt als erwartet. Flankiert von „Werbung“ durch die Mitglieder der im Ahltener Ortsrat vertretenen Parteien sind dort binnen kurzer Zeit mehr als 1.300 Unterschriften zusammen gekommen. Mit Ihren Unterschriften haben die Unterzeichner Ihre Forderung gegenüber der Politik auf Regionsebene klar ausgedrückt, das Krankenhaus in Lehrte als Standort des Klinikums Region Hannover zu erhalten.
"Lehrte ist ein toller Standort für ein Krankenhaus. Den sollte man nicht einfach aufgeben“, meint auch Christian Klein-Heyl (Bündnis90/Die Grünen).
Deutlich wird mit dieser Aktion die enge Verbundenheit der in Ahlten lebenden Menschen mit dem Krankenhaus Lehrte. Auch wenn man von Ahlten aus relativ schnell in Hannover sein kann, so soll den Regionspolitiker/innen aller Parteien mit den Unterschriften für die von den Lehrter Jusos gestartete Petition unmissverständlich vor Augen geführt werden, dass eine kurzsichtige Schließung des Krankenhauses in Lehrte der falsche Weg ist. Nur einen Krankenhausneubau irgendwo auf der grünen Wiese ins Auge zu fassen, führe nicht automatisch zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im östlichen Bereich der Region.
Die Menschen vor Ort wüssten recht genau, welche Vorteile eine wohnortnahe Versorgung mit dem Leistungsangebot eines Krankenhauses hat. Und dass ein Neubau wirklich die wirtschaftlich sinnvollste Variante wäre, wird vielfach bezweifelt. "Diese Argumentation des Regionspräsidenten hat niemand wirklich überzeugen können", meinen die Organisator/innen der Unterschriftenaktion in Ahlten.
„Man muss Alternativen abwägen, wenn man dazu kommen möchte, eine gute Entscheidung zu treffen“, sagen Heike Koehler (CDU) und Timo Bönig (SPD) mit Blick auf den Prüfauftrag, den der Aufsichtsrat des Klinikums der Regionsversammlung vorschlagen möchte. „Eine einseitige Prüfung bringt auch nur ein einseitiges Ergebnis“, so resümieren beide einhellig.
Die im Ortsrat Ahlten vertretenen Parteien sind sich insgesamt einig, dass auch eine Erweiterung und die Spezialisierung des Standorts Lehrte gründlich geprüft werden müssen, bevor über eine Schließung oder Verlagerung entschieden wird.