Revitalisierung statt Flächenverbrauch?

Leerstand in Büro- und Gewerbe-Immobilien in der Region

Region (r/gg). "Auch im zweiten Jahr der Pandemie erweisen sich die beiden bedeutendsten gewerblichen Immobiliensegmente in der Region Hannover, Büro und Logistik, als ausgesprochen robust", so die Mitteilung der Regionsverwaltung, was sich allerdings bei genauerer Betrachtung relativiert. Es geht um das Interesse von Investoren auf attraktive Projekte. Bei den Büroflächen hat sich nach Angaben der Regionsverwaltung "die Leerstandsquote spürbar erhöht". Und "bei Logistik- und Produktionsimmobilien verengt sich das Angebot an Flächen weiter, so dass Nutzer und Projektentwickler zunehmend auf Bestandsstandorte und integrierte Lagen zurückgreifen". Kennzahlen dazu wurden von der bulwiengesa AG gemeinsam mit 22 marktprägenden Unternehmen unter der Regie der Regionsverwaltung erarbeitet. Wirtschaftsdezernentin Anja Ritschel verspricht, transparent agieren zu wollen. Bei den Büroflächen agierten vor allem die Nutzer von großen Flächen zurückhaltender. Manche, der für die nächsten Jahre geplanten Projektentwicklungen, habe noch keinen Ankermieter. Die Jahresbilanz des Büro-Immobilienmarkts zeige erneut einen Rückgang gegenüber dem Jahr 2020. Der Büroflächenumsatz lag Ende 2021 bei rund 135.000 Quadratmeter – ein Minus von etwa sieben Prozent (10.000 Quadratmeter). Der Flächenumsatz liegen damit circa 16 Prozent unter dem fünfjährigen Mittel von rund 160.000 Quadratmeter. Auch die Leerstandsquote zieht wieder um rund 0,7-Prozentpunkte auf aktuell 4 Prozent an.
Gefragt seien allerdings hochwertige Objekte in guten Lagen, 2021 liegen die Spitzenmieten mit 18 Euro pro Quadratmeter in der City auf dem alten Niveau – ein Plus von ein Euro. Stark zieht die Spitzenmiete auch am Cityrand und den Ausfallstraßen an, auf 16 Euro pro Quadratmeter (plus 70 Cent).
Die Nachfrage nach Logistik- und Produktionsflächen in der Region sei bisher gestiegen, so die Mitteilung der Regionsverwaltung, was dem Wissenschafts- und Technologiepark in Marienwerder zuzuordnen sei. Dass Lagerflächenbedarf mit der Zunahme von E-Commerce steige und es eine starke Belastung der logistischen Infrastrukturen im Bereich der Kurier-, Express- und Paketdienste geben, sei Folge der Corona-Veränderungen. Mit einer "nachhaltigeren Flächenpolitik" will Wirtschafts- und Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz reagieren und "die Revitalisierung von Gewerbebrachen stärker in den Blick nehmen.
Diese Einschätzung teilt auch Anja Ritschel: „Gerade in der Landeshauptstadt zeigt sich die Wirkung der systematischen Gewerbeflächenpolitik, mit der wir Gewerbeflächen sichern und integrierte Lösungen ermöglichen, anstatt nur neue Gewerbeflächen auf der grünen Wiese auszuweisen.“
Bei Logistik- und Industrieimmobilien wurden 2021 Umsätze von rund 425.000 Quadratmeter Hallenfläche registriert – ein Plus von rund vier Prozent beziehungsweise 15.000 Quadratmetern. Die Spitzenmieten stiegen mit 5,30 Euro pro Quadratmeter leicht an (plus 10 Cent).
Die Marktakteure blickten, so die Mitteilung der Regionsverwaltung, optimistisch auf das Jahr 2022. Der Leerstand sei so gering wie seit Jahren nicht mehr. Die Vermietungschancen würden als gut bis sehr gut eingeschätzt.