Mitmachen hilft der Artenvielfalt

Nisthilfen für die heimischen Gartenvögel bleiben wichtig. (Foto: Nabu)
 

Bilanz zur "Stunde der Gartenvögel" liegt vor

REGION (r/gg). Die Nabu-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ ist auf steilem Höhenflug: Mit über 9.600 Teilnehmern erreicht Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion eine Rekord-Beteiligung in Niedersachsen. Aus knapp 6.500 Gärten wurden dem Nabu in Niedersachsen über 224.000 Vögel gemeldet. Deutschlandweit beteiligten sich 75.000 Personen und zählten in über 51.000 Gärten etwa 1.6 Millionen Vögel. Das Endergebnis der Zählung liegt nun vor. „So viele Vogelfreunde wie noch nie haben mitgemacht – knapp ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr. Wir freuen uns sehr über das riesige Interesse an der heimischen Vogelwelt“, so Philip Foth, Pressesprecher des Nabu-Niedersachsen. „Die Rekord-Beteiligung zeigt, wie sehr das Thema Artenschutz bewegt. Die Menschen sind aufgerüttelt und wollen, dass endlich mehr getan wird, um das verheerende Artensterben zu stoppen.“
Auch bei den Gartenvögeln, denen es immer noch viel besser geht als den Feldvögeln, macht sich offensichtlich der Insektenschwund bemerkbar. Während sich insgesamt bei den Gartenvögeln Zu- und Abnahmen die Waage halten, gibt es bei den reinen Insektenfressern in den Gärten keine Gewinner: Von den neun häufigsten Insektenfresser-Arten nehmen sechs deutlich ab, nur drei können ihre Bestände halten. Besonders dramatisch sind die anhaltenden Rückgänge bei Mauersegler mit minus 47 Prozent zum Vorjahr, Mehlschwalbe mit minus 33 Prozent zum Vorjahr und Hausrotschwanz mit einem Minus von fünf Prozent. Auch Mönchsgrasmücke (-25 Prozent), Zaunkönig (-10 Prozent) und Zilpzalp (-21 Prozent) nehmen in den Gärten deutlich ab.
In Niedersachsen wurden in diesem Jahr pro Garten etwa 34 Vögel gesichtet. Dies sind aktuell zwei Vögel mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Trotzdem liegt dieses Endergebnis etwa neun Prozent unter dem langjährigen niedersächsischen Durchschnitt. Einen deutlichen Abwärtstrend der Gesamtzahl an Gartenvögeln kann man jedoch bisher nicht feststellen. Pro Garten konnten innerhalb der Zählstunde durchschnittlich 11 Vogelarten entdeckt werden. Dieser Wert liegt im Bereich des langjährigen Mittels.
Besonders gut scheint es den Spatzen in Niedersachsen zu gehen: Der Haussperling kann ein Plus von zwölf Prozent verbuchen und liegt mit seinem bisher besten Ergebnis von durchschnittlich 5,19 Exemplaren pro Garten unangefochten an der Spitze der häufigsten Gartenvögel. Dieses Ergebnis kündigte sich bereits bei der Stunde der Wintervögel an. Auch sein Cousin, der Feldsperling gewann zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und zeigt damit wie der Haussperling einen langjährig deutlich steigenden Bestand. Nach den jahrzehntelangen Rückgängen beider Arten, die dazu geführt hatten, dass sie auf der Vorwarnliste der Roten Liste gelandet waren, ist das sehr erfreulich. „Beide Arten haben offenbar vom warmen, trockenen Sommer 2018 profitiert“, so Philip Foth.
Außer für die Insektenfresser gibt es schlechte Nachrichten für die Amsel, immer noch Nummer zwei der häufigsten Gartenvögel: Die Amsel setzt ihren steten Negativ-Trend weiter fort und erreicht mit 3,46 Vögeln pro Garten ihr bisher schlechtestes Ergebnis – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist besonders in den Gebieten stark, in denen das tödliche Usutu-Virus im vergangenen Jahr erstmals nachgewiesen wurde. „Das zeigt, dass der Rückgang der Amselpopulation auch mit dem Auftreten von Usutu zusammenhängt“, so Philip Foth.
Wer Amsel, Drossel, Fink und Star helfen möchte, der sollte seinen Garten oder Balkon vogelfreundlichen gestalten. Tipps dazu gibt es unter www.NABU.de/balkon und www.NABU.de/vogelgarten.
Die nächste NABU-Mitmachaktion ist gerade angelaufen. Beim Insektensommer werden Sechsbeiner gezählt und gemeldet. NABU-Pressesprecher Philip Foth: „Da viele Vogelarten von Insekten leben, ist das auch eine wichtige Aktion für Vogelfreunde.“