Gefährliche Darmkeime sind weiter auf dem Vormarsch

Ministerium gibt Tipps zur Vorbeugung gegen EHEC-Erreger

HANNOVER (r/kl). Gestern Mittag waren dem Niedersächsischen Gesundheitsministerium bereits 96 Verdachtsfälle von blutiger Durchfallerkrankung aus verschiedenen Teilen Niedersachsen, darunter auch der Region Hannover, bekannt, die mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) in Verbindung gebracht werden. Darunter befinden 12 Verdachtsfälle mit schweren Komplikationen (hämolytisch-urämisches Syndrom) in Behandlung auf den Intensivstationen von Krankenhäusern.
Im Landkreis Diepholz ist eine 83-jährige Frau verstorben, die wegen eines blutigen Durchfalls seit dem 15. Mai stationär behandelt wurde. Der Tod trat am 21. Mai ein. Der Labornachweis ist positiv für eine EHEC-Infektion. Ermittlungen des Gesundheitsamtes in Diepholz zu den näheren Todesumständen laufen noch.
Niedersachsen steht mit dem Zentrum für Gesundheits- und Infektionsschutz seines Landesgesundheitsamtes den kommunalen Ämtern Tag und Nacht mit Rat und Tat zur Seite. Die Gesundheitsämter sind aufgerufen, dem Landesgesundheitsamt täglich Verdachtsfälle auch unterhalb der Vorgaben des Meldeverfahrens nach dem Infektionsschutzgesetz mitzuteilen.
Weiterhin sind die Menschen aufgerufen, sich bei Anzeichen von Erkrankungen unmittelbar in ärztliche Behandlung zu begeben. Maßnahmen der Lebensmittelhygiene sollten unbedingt eingehalten werden.
Neben der Abklärung aller Verdachtsfälle durch eine mikrobiologische Diagnostik von Stuhlproben der Erkrankten und eine weitergehende Typisierung aller nachgewiesenen EHEC-Stämme gilt es durch Befragung von Patienten und die Durchführung von Fall-Kontroll-Studien die Infektionsquelle zu ermitteln. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt steht niedersächsischen Laboren sowie den Gesundheitsämtern dabei unterstützend zur Verfügung.
Niedersachsen unterstützt die länderübergreifenden und vom Robert-Koch-Institut koordinierten Befragungen durch ein Epidemiologenteam des Zentrums für Gesundheits- und Infektionsschutz (ZGI).
Die derzeitige Ausbreitung ist alarmierend, weil die Erkrankung auffällig häufig einen schweren Verlauf mit Nierenversagen (hämolytisch-urämisches Syndrom = HUS) nimmt. Auffällig ist, dass - im Gegensatz zu sonstigen HUS-Ausbrüchen in der Vergangenheit -überwiegend Erwachsene betroffen sind. Ernst zu nehmen sind die Erkrankungen derzeit vor allem, weil der Anteil von schweren Krankheitsverläufen ungewöhnlich hoch ist.
Fragen und Antworten zu EHEC
Wie äußert sich eine EHEC-Infektion? Die Mehrzahl der Erkrankungen tritt als unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, seltener Fieber. Bei schwerer Verlaufsform: krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und teilweise Fieber.
Wie erfolgt eine Infektion mit dem EHEC-Erreger? EHEC-Infektionen können auf vielfältige Art und Weise übertragen werden: Dabei handelt es sich stets um die unbeabsichtigte orale Aufnahme von Fäkalspuren, wie zum Beispiel bei Kontakt zu Wiederkäuern oder beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind ein Übertragungsweg.
Wie lange dauert es zwischen Ansteckung und Auftreten der Infektion? Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis zehn Tage (durchschnittlich drei bis vier Tage).
Wie wird eine EHEC-Infektion behandelt? Bei blutigem Durchfall sollt dringend ein Arzt aufgesucht werden.
Wie ist lang ist die Dauer der Ansteckungsfähigkeit? Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange EHEC-Bakterien im Stuhl nachgewiesen werden.
Was ist ein hämolytisch - urämisches Syndrom - HUS? Diese schwerste Komplikation tritt üblicherweise in etwa fünf bis zehn Prozent der EHEC-Infektionen mit blutigem Durchfall auf und ist der häufigste Grund für akutes Nierenversagen im Kindesalter. Hierbei kommt es häufig zur kurzzeitigen Dialysepflicht, seltener zum unumkehrbaren Nierenfunktionsverlust mit chronischer Dialyse. In der Akutphase liegt die Sterblichkeitsrate des HUS bei ungefähr zwei Prozent.

Welche Vorsichtsmaßnahmen können vor Ansteckung schützen?

Präventionsmaßnahmen betreffen vorrangig den sicheren Umgang mit Lebensmitteln. Im aktuellen Geschehen empfiehlt das Robert-Koch-Institut besonders bei der Zubereitung von Gemüse auf gute Küchenhygiene zu achten sowie Bretter und Messer gründlich zu reinigen. Die Gefahr einer Übertragung von Mensch zu Mensch besteht vor allem bei engem Kontakt zu EHEC-infizierten Patienten mit Durchfall. EHEC-Bakterien werden nicht über die Luft (Tröpfchen) übertragen.

Wie erfolgt die Suche nach der Infektionsquelle: Behandelnde Ärztinnen und Ärzte melden die Infektionen an die Gesundheitsämter. Durch Befragung der Patienten wird versucht, einen möglichen gemeinsamen Nenner zu finden. Aus den Bundesländern gehen die Meldungen an der Robert-Koch-Institut, das federführend bei der Suche nach der Infektionsquelle ist, da es sich um ein überregionales Geschehen handelt. Bei Infektionsgeschehen in der Vergangenheit konnte nicht immer die Infektionsquelle ermittelt werden.

Informationen: Siehe auch www.rki.de und www.nlga.niedersachsen.de