Erste Defizit-Zahlen genannt: Zukunft der ortsnahen Krankenhäuser im Osten der Region Hannover ist weiter heftig umstritten

Befürchtungen und Zukunftsängste auch bei den Älteren: Neben Sarah Wagenknecht und Themen wie Dumpingspirale und unzureichender Mindestlohn zog auch die Frage nach wohnortnaher Krankenhausversorgung mehr als 1.400 Besucher/innen zur Maikundgebung auf den Lehrter Rathausplatz. (Foto: Walter Klinger)
 
Sieht nach 40 Berufsjahren, darunter die Hälfte im Krankenhaus Lehrte, das Gesundheitswesen in weiten Bereich als "völlig verrückt": Dunja Borges (Mitte, am Fuß der Rednertribübe der Maikundgebung), Konzernbetriebsratsvorsitzende des Klinkums Region Hannover (KRH). (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Rathausplatz Lehrte |

Klinikums-Konzerbetriebsratsvorsitzende Dunja Borges: Gesundheitssystem ist in vielen Bereichen völlig verrückt . . .

LEHRTE/REGION (kl). Bei der nach Hannover zweitgrößten Maikundgebung in Lehrte (diesjährige prominente Hauptrednerin Sarah Wagenknecht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei "Die Linke" im Bundestag, siehe auch unter "Lehrte/Lokales") standen neben den Themen Flüchtlingsintegration und Dumpinglöhne auch die derzeitigen und bevorstehenden Streiks sowie die zukünftige Organisation des Klinikums Region Hannover (KRH) im Mittelpunkt - gerade am letzteren Punkt (einschließlich der geplanten Krankenhausschließungen) entzünden sich weitere politische Konflikte.
Die prekäre Situation der Pflegekräfte sei einer der Skandale in der immer stärker nur auf Profite abgestellten Gesellschaft, stimmte die Linken-Politikerin der Einschätzung der Konzerbetriebsratsvorsitzenden des Klinikums Region Hannover (KRH) zu. Borges hatte in ihrer Rede vor mehr als 1.400 Besucher/innen der Maikundgebung die Organisation des Gesundheitswesens vielfach als "völlig verrückt" bezeichnet.
So seien die Patientenzahlen, im Jahre 2005 noch 16,5 Millionen, auf schon 18,8 Millionen 2013 gestiegen. Gleichzeitig seien aber 100.000 Pflegestellen abgebaut worden.
Wenn heute eine Krankenschwester in einer Schicht 20 Patienten zu versorgen habe, bedeute dies für sie 80 Mal Hände waschen - allein dieses erfordere schon anderthalb Stunden (siehe zum Thema "Händehygiene" auch den Artikel unten). Seien einst Fachkliniken aus den Krankenhäusern heraus genommen worden, damit die niedergelassenen Fachärzte ohne Konkurrenz seien, müssten nun oftmals die ohnehin stark belasteten Notaufnahmen diese Sonderbehandlungen gewissermaßen als "Regelbehandlung" wieder mit übernehmen.
Borges kritisierte auch die geplante Schließung des Klinikums vor Ort: "Für die 250.000 Menschen im Osten der Region brauchen wir ein starkes Krankenhaus". Das Krankenhaus sei für die Stadt Lehrte eine Strukturfrage, versicherte dazu Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk. Nicht das Klinikum der Region als Unternehmen, sondern die Politik habe darüber zu entscheiden. Sidortschuk hatte schon zuvor angekündigt, die Stadt Lehrte werde gegen die Region klagen, wenn diese das einst von einem Fabrikanten geschenkte Krankenhaus nicht erhalten wolle.
Die CDU in der Regionsversammlung hatte dazu mehrere Anfragen an die Regionsverwaltung gestellt. Die antwortete, der Schenkungsvertrag lasse wirtschaftliche Sanierungen zu. Und mit 600.000 Euro im Jahr (etwa der Hälfte des Defizites eines vernüftigen Hallenfreibades, Anm.d.Red.) sei das Krankenhaus defizitär, dürfe deshalb also komplett zugunsten einer für die Gesundheitsfürsorge leistungsfähigeren Struktur auch komplett abgewickelt werden.
Für unterschiedliche Meinungen dazu sorgt unter anderem, dass das Regions-Klinikum zentrale Leistungen nach Pauschalen einrechnet, während die pauschalen Zahlungen, die es pro Patienten erhält, gerade wieder gestiegen sind - sich das aktuelle örtliche Defizit also offenbar verringert. Die CDU sieht jedenfalls eine Benachteiligung der Standorte im Umland und macht die Krankenhäuser zum Thema ihres Bezirksparteitages am Samstag in Sievershausen.
Richtig Zoff gab es jetzt, als der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Regionsversammlung, Bernward Schlossarek (Lehrte), Gespräche der Region zur Umleitung der 3,5 Millionen Landeszuschusses für dem geplanten Umzug der Langenhagener Akut-Geriaterie nicht ins Klinikum Burgwedel sondern nun in das Nordstadtkrankenhaus als Benachteiligung der ländlichen Kommunen gegenüber der Landeshauptstadt kritisierte. Und ebenso die Schließung des Klinikums Springe als "Bauernopfer".
"Die jüngsten Aussagen des Vorsitzenden der CDU-Regionsfraktion, Bernward Schlossarek, zu den Wirtschaftsdaten der Krankenhäuser in Trägerschaft der Klinikum Region Hannover GmbH (KRH) sind nicht nachvollziehbar und lassen sich nur noch als Erkenntnisverweigerung deuten", schoss in einer Presseerklärung Silke Gardlo, Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Regionsversammlung, zurück: "Schlossareks Schlussfolgerung, dass angesichts dieser Zahlen 'Springe nicht das Problem, sondern vielmehr ein Bauernopfer sei' , entbehrt jeglicher realistischen Beurteilung, denn parallel zu den Defiziten sind auch die Patientenzahlen und die Schweregrade der durchgeführten Behandlung rückläufig".
Selbst für die Region auf Seite der Anteilseigner Mitglied im KRH-Aufsichtsrat, schüre Schlossarek bei Mitarbeitern und Patienten Ängste und beschädige das Klinikum in der Öffentlichkeit, kritisierte bei der Maikundgebung auch die Betriebstratsvorsitzende Borges den CDU-Politiker heftig. Ein Konflikt, der sicher noch nicht ausgestanden ist . . .
Gleiches gilt für die Kita-Streiks ab Freitag in Niedersachsen. Er hoffe auf eine schnelle Einigung, sagte Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk bei der Maikundgebung. Die KRH-Konzernbetriebsratsvorsitzende Dunja Borges aber sandte eine Solidaritätsadresse an die Erzieher/innen: "Um mehr Köpfe zu zählen, werden sie - auch in dieser Stadt - oft nur für 25 Stunden beschäftigt. Da reicht das Gehalt eben nicht - auch das muss man dazu ebenfalls wissen".

Gesundheitsexperten raten: Händewaschen nicht vergessen!
Regionsarzt appelliert zum Welthändehygienetag 2015

REGION HANNOVER (r/kl). Anlässlich des Welthygienetags am 5. Mai, hat das Gesundheitsamt der Region Hannover an die Bedeutung des Händewaschens erinnert.
„Das ist eine ganz einfache Vorkehrung mit weitreichender Wirkung für die eigene Gesundheit und die von anderen Menschen“, sagt Dr. Mustafa Yilmaz, Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover. „Wer auf Hygiene achtet und regelmäßig seine Hände wäscht, schützt sich und andere vor Ansteckungen.“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief 2009 erstmals den Welthändehygienetag aus. Das Datum – der 5. Mai – hat seine Bedeutung: Es steht für die fünf Finger an jeder Hand. Nach Angaben der WHO werden bis zu 80 Prozent aller Infektionskrankheiten von Hand zu Hand übertragen. In medizinischen Einrichtungen ist daher eine intensive Händedesinfektion verpflichtend. Im Alltag genügt das Waschen mit Wasser und Seife, um Keime zu entfernen.
„Vor dem Essen, nach dem Toilettenbesuch, nach dem Niesen oder Husten, nach Kontakt mit Kranken, Tieren oder Abfällen und beim Nachhausekommen sollte jeder Mensch seine Hände gründlich waschen“, empfiehlt Dr. Yilmaz. Ringe sollte man vorher abnehmen.
„Die Hände sollten mindestens 30 Sekunden lang mit ausreichend Seife gewaschen werden“, weiß der Mediziner. Wichtig: Handoberflächen, die Zwischenräume und die Fingerspitzen nicht vergessen. Zum Trocknen der Hände empfiehlt Amtsarzt Dr. Yilmaz Papierhandtücher, die nach dem Gebrauch weggeworfen werden.