Wanderungsbewegungen gibt es immer wieder

„Bewandert und erfahren“ waren die Handwerkgesellen, die zur Berufsausbildung auf Wanderschaft gingen. (Foto: Renate Tiffe)

Sonderausstellung nimmt die Zeit zwischen 1840 und 1960 in den Blick

Isernhagen NB (ti). Der Begriff Migration wurde bewusst vermieden, weil er zu eng mit unseren heutigen Vorgängen der Einwanderung verbunden ist. Wanderungsbewegungen, in denen Menschen ihren Lebensmittelpunkt zeitweise oder für immer veränderten, hat es dagegen schon immer gegeben. Das will die neue Sonderausstellung im Wöhler-Dusche-Hof veranschaulichen, die am vergangenen Sonntag eröffnet wurde, und die den Zeitraum von 1840 bis 1960 umfasst.
Es sei eine komplexe Thematik mit einer enormen Bandbreite, der die Ausstellung in diesem Jahr gewidmet ist, sagte die Vorsitzende des Museumsvereins Dr. Inge Hanslik bei der Eröffnung. Die Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg, die allein in Deutschland 12,5 Millionen Menschen betraf, und durch die sich in den Isernhagen-Dörfern die Einwohnerzahl verdoppelte, müsse einer eigenen Ausstellung vorbehalten bleiben. Gezeigt werden könne jedoch, dass gerade auf dem Lande sehr viele Menschen in Bewegung waren und noch sind. Die stellvertretende Gemeindebürgermeisterin Susanne Schauwenz-Köhne machte bei ihren Begrüßungsworten die Probe aufs Exempel indem sie die Zuhörerinnen und Zuhörer fragte: „wer lebt da, wo er geboren ist?“ Unter den vielleicht 40 bis 50 Besuchern der Eröffnungsveranstaltung waren es nicht einmal zehn.
Beeindruckend waren die Briefe von Auswanderern und Flüchtlingen, die ganze Lebensgeschichten widerspiegelten und jedenfalls vermittelten, dass Auswandern kein Zuckerschlecken war. Sie wurden vorgelesen von ehemaligen Schülerinnen des Gymnasiums und von dem jungen Roland Schubert, der selbst alte Gebrauchsgegenstände sammelt und Mitglied im Verein ist.
Die Ausstellung gliedert sich in vier Teile. Die Auswanderung im 19. Jahrhundert vollzog sich in Wellen seit 1840 und hatte meist wirtschaftliche Gründe. Junge Männer wollten sich auch dem Militärdienst entziehen, der nach 1866, als Hannover preußisch wurde, auf drei Jahre verlängert wurde. Das Ziel war meist Amerika. Leicht wurde es den Auswanderern nicht gemacht. Es gab viele Vorschriften von den Behörden, die Überfahrt war teuer und die Menschen wussten nicht, was auf sie zukam.
Auch bei der Auswanderung nach 1945 war Amerika „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ das meist begehrte Ziel, das aber – ebenso wie Kanada und Australien – die Einwanderung stark einschränkte. Erst 1950 lockerte Australien seine Einwanderungspolitik. Zeugnisse eines jungen Auswanderers aus Isernhagen und einer Flüchtlingsfamilie, die dort ihr Glück suchten, sind wie viele andere in der Ausstellung zu sehen.
„Zuwanderer“ – Bevölkerungsverschiebung im 20. Jahrhundert“ ist der dritte Teil überschrieben. Diese begann mit dem Zweiten Weltkrieg und hatte am Ende 50 Millionen Menschen erfasst. Dazu gehörten die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die „Fremdarbeiter“ an die sich auch Ilse-Dorothea Dauer-Böhm erinnert, die Eigentümerin des Wöhler-Dusche-Hofes. Nach dem Krieg waren es Flüchtlinge, denen der Hof zur vorläufigen Heimat wurde. Und am Ende war es einer der „Gastarbeiter“ aus Sizilien, der erst auszog, als der Hof zu einem Museum wurde.
Die „Arbeitswanderung“ brachte vor allem die Ziegler nach Isernhagen, als der Bauboom der Gründerzeit einsetzte und u.a. die Ziegelei in Lohne Arbeitskräfte für die Saison brauchte. Um Saisonkräfte handelte es sich auch bei den „Hütejungen“, die auf den größeren Höfen eingesetzt wurden.