„Viele denken, das Leben fängt im Supermarkt an!“

Angela Zietlow: „Wurzel hat ganz schön Kraft!“ (Foto: Svenja Steinseifer)
 
„Schafwolle ist fettig, um das Tier vor Feuchtigkeit zu schützen“, erklärt Ralf Helmrich den Kindern. (Foto: Svenja Steinseifer)

Altes Handwerk und Wolle satt bei der Lions Landpartie auf dem Wöhler-Dusche Hof

ISERNHAGEN (svs). Sie heißt „Wurzel“ und ist ein Star. „Viele fragen ob sie eine Eule oder ein Uhu ist“, erzählt Falkner Michael Nickel und streichelt „Wurzel“ über das schwarzbraune Gefieder. Sachte schwingt er seinen Arm und „Wurzel“ spannt ihre Schwingen mit einer Spannweite von 1,60 m auf. Ganz klar: Sie ist ein Uhu mit Starqualitäten und einer der tierischen Hauptdarsteller der Lions Landpartie auf dem Wöhler-Dusche Hof.
„Nach der Kuh hört´s auf“, sagt Organisator der Lions Landpartie Michael Koop, „einige denken, das Leben fängt im Supermarkt an“. Gemeinsam mit dem Museumshof Wöhler – Dusche sei die Landpartie der Lions Burgdorf-Isernhagen eine Gelegenheit, altes Handwerk und vor allem die Tiere eines Bauernhofs zu zeigen und zu erleben. „Sehen ist eine Sache“, weiß Koop, „anfassen und mitmachen eine ganz andere“.
Mitmachen will das Schaf jedenfalls partout nicht und wehrt sich gegen Ralf Helmrich mit allen vier Hufen. Es ist aussichtslos – das Tier muss seine Wolle lassen. Fünf Kilogramm trägt es mit sich herum. „Ob das Schaf hinterher friert, ob es ihm wehtut – das fragen die meisten“, sagt Lions-Mitglied Helmrich und verteilt die geschorene Wolle an seine kleinen Zuschauer. Weich fühlt sie sich an – und fettig. „Das hält die Feuchtigkeit ab“, erklärt er. Schafschur sei nicht nur für die Kinder, sondern auch für manche Erwachsene etwas völlig Neues. „Schafe werden in Deutschland nicht mehr wegen ihrer Wolle gehalten“, weiß Helmrich, „sondern wegen ihres Fleisches und zum Grasen“.
Nebenan wird während dessen Brot gebacken. Seit halb sieben steht Klaus Ahrens vom Bauernhofmuseum in der Backstube. „Wir wollen das alte Handwerk wieder aufleben lassen“, sagt er. 160 Brote und 16 Zuckerkuchen schiebt er im Laufe des Tages in den Ofen. So einfach wie mit dem Elektroherd, der konstant seine Temperatur hält, sei es im Holzofen eben nicht. Anheizen, Glut entfernen, fegen, Dreiviertelstunde warten, Brote rein und immer wieder Temperatur messen. Eine aufwändige Prozedur.
„Wir möchten Kindern zeigen, wie Handwerk funktioniert – ohne Stromkabel“, sagt Torsten Warnecke, Präsident der Lions Burgdorf-Isernhagen. Der Erlös gehe in Projekte wie „Klasse 2000“, „Kindergarten Plus“ und „Lions Quest“. Projekte zur Persönlichkeitsentwicklung und Suchtprävention von Kindern und Jugendlichen. Damit sich die Kinder länger mit dem Leben auf dem Bauernhof beschäftigen, habe der Lions Club den Wettbewerb „Wir basteln einen Bauernhof“ ausgeschrieben.
Für den neunjährigen Tom ist klar, wer auf einen Bauernhof gehört: „Ein Bauer, eine Bäuerin, Hunde, Kühe und Schafe“, sagt er und zeigt auf seinen Wettbewerbsbeitrag, ein geknetetes rotes Schaf vom roten Bauernhof in „Rotland“. Den ersten Preis im Klassenwettbewerb gewinnen jedoch nicht die Bauernhof-Kreation in Rot, sondern die Klasse 3a der Grundschule Großburgwedel und die Friedrich-Dirks-Schule Isernhagen HB: Ein Heimspiel von Hannover 96 und ein Spiel der Scorpions. Über den ersten Preis im Einzelwettbewerb, ein Sparbuch, darf sich Valeria Göhrich freuen. Es sei schwieriger geworden, Sponsoren zu finden. „Auch die Kinder sind nicht mehr so leicht zufrieden zu stellen“, sagt Warnecke. Die bei der Hof-Rally gewonnen Kuh-Points können in Preise umgetauscht werden. Es müsse da schon das „Federballspiel“ sein,
Uhu „Wurzel“ findet Tom jedenfalls „cool“. Um anderen die Augen dafür zu öffnen, was es in der freien Natur noch gibt, hat Falkner Michael Nickel neben „Wurzel“ noch einen weiteren gefiederten Gefährten an seiner Seite. Wanderfalke Katja ist bedeutend kleiner als „Wurzel“, fange jedoch auch einen ausgewachsenen Fasan. Angst vor einem so großen Tier wolle er den Kindern nehmen. Drei Kilogramm Federvieh hocken mittlerweile auf Angela Zietlows Arm, die keine Angst, aber Respekt hat. „Die hat ganz schön Kraft“, sagt die Aushilfs-Falknerin, „ihre Krallen kann ich durch den Handschuh spüren!“
Eulen seien mit Aberglauben behaftet. Und ihren Kopf könne „Wurzel“ auch nicht um 360 Grad, sondern um 270 Grad drehen. „Aber wie heißt es“, sagt Nickel, „nur was der Mensch kennt, wird er schützen!“