„Umt Erbe dat is ein Mahlheur“

Ein turbulentes Stück, bei dem einfach alles stimmte: die einmalige Atmosphäre des alten Bauernhauses, die phantasievollen Kostüme der Laienschauspieler und vor allem die Spielfreude der Darsteller. (Foto: Renate Tiffe)

Plattdeutscher Schwank im Wöhler-Dusche-Hof

ISERNHAGEN NB (ti). Ein volles Haus ist dem Wöhler-Dusche-Hof sicher, wenn zu einem neuen Theaterstück eingeladen wird. Diesmal reichten die Sitzplätze nicht aus, als die plattdeutsche Runde - wie immer mit einem Lied - in die Geschichte vom Erben „ Dat verflixte Vermächtnis“ einführte.
Hinnerk Schluckebier ist mehr als 90-jährig von hinnen geschieden und was seine Haushälterin Sophie (Bärbel Merkt) eher als Unglück betrachtet - „Umt Erbe dat is ein Malheur“ - weckt bei Anverwandten und sonstigen sich erbberechtigt Wähnenden die Erwartung auf den großen Geldsegen. Den man natürlich nicht verpassen möchte. Als erste trifft Minna mit ihrem Mann ein, sie als vermeintliche Haupterbin mit dem ganz großen Prott und nach allen Seiten austeilend, eine Paraderolle für Ilse Dorothea Dauer-Böhm. Die schillernden Cousinen aus Amerika (Marianne Engelke und Elisabeth Matthew) machen sich so ihre Gedanken über die Rolle der Haushälterin. Zwei Wanderburschen, Uwe und Erwin ( Werner Gode und Herbert Leiffers), tauchen auf, der eine ehemals Hütejunge auf dem Hof. Und dann kommt Mathilde, die ehemalige Verlobte des Verstorbenen (Marga Schnehage), gleich mit ihrer Tochter Liselotte (Margret Gode), von der sie meint, dass ihr als der nächsten Verwandten alles zusteht. Jeder befindet sich mit jedem im Clinch als endlich der Notar erscheint (Klaus Heuer), zu Ruhe und Anstand auffordert („bin ich hier in einem Trauerhaus oder einem Hühnerstall?“) und das Testament bekannt gibt. Am Ende sind alle irgendwie zufrieden und um das Happyend komplett zu machen wird noch zwischen Liselotte und Uwe die Ehe gestiftet, indem Sophie ihnen ihr Erbe überlässt.
Es gab ein Lied zum Schluss, einen „Könneke“ für die Darsteller - und begeisterten Beifall vom Publikum. Eineinhalb Stunden lang hatte es sich bestens unterhalten gefühlt mit einem turbulenten Stück, bei dem einfach alles stimmte: die einmalige Atmosphäre des alten Bauernhauses, die phantasievollen Kostüme der Laienschauspieler, die selbsterarbeiteten Texte, einfallsreich und voller Situationskomik, viel Raum lassend für die bodenständigen Typen im alten Isernhagen. Und nicht zuletzt war es der Witz und die Spielfreude der Akteure der plattdeutschen Runde, die alle mitriss.
Übrigens: der Eintritt ist kostenlos beim plattdeutschen Theaterstück. Aber in der Pause sorgt einer der Darsteller „für den pekuniären Teil“ und „Bürgermeister können das Doppelte geben“.
Für diejenigen, die den Theaterspaß diesmal verpasst haben, gibt es wie in jedem Jahr noch einen zweiten Termin am 28. August.