Teilhabe-Beratung im Rathaus

Kathrin Buchmann (Mitte) vom Bereich Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) bietet jeden letzten Montag im Monat von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr Beratungen für Menschen mit Einschränkungen an. Irene Sassenburg-Fröhlich (r.) und Ralf Henneberg freuen sich über das neue Angebot der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Rathaus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter unterstützt Betroffene auf Augenhöhe

Von Bettina Garms-Polatschek

ISERNHAGEN/ALTWARMBÜCHEN. Seit einem Jahr gibt es das Bundesprogramm für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung” (EUTB), die deutschlandweit in rund 500 Beratungsstellen angeboten wird.
Nun wird die niedrigschwellige Teilhabeberatung von Menschen mit Behinderungen auch in Isernhagen vor Ort sein. Am Montag fiel im Rathaus der “Startschuss” für das Angebot des Bereiches Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK). Kathrin Buchmann vom BSK bietet in einem kleinen Büro im Erdgeschoss Beratungen an für Menschen mit Einschränkungen und hilft ihnen, eigene Belange wahr zu nehmen.
Buchmann hebt die Neutralität des Programms hervor: „Die Teilhabeberatung ist unabhängig und keine Konkurrenz zu anderen Beratungsangeboten!” Die 49-jährige kommt aus Pattensen und bringt neben ihrer beruflichen Qualifikation als Sozial- und Lerntherapeutin mit eigener Praxis schon viel Erfahrung aus der Teilhabeberatung mit. Im Bereich “Calenberger Land” führt sie gemeinsam mit anderen qualifizierten Fachkräften an sechs Orten die Teilhabeberatung für Betroffene durch.
435 Beratungen hat das Team dort im ersten Jahr geleistet. Isernhagen kommt als siebte Beratungsstelle neu dazu.
In den meisten Fällen haben die Berater selbst Einschränkungen oder Behinderungen und können sich gut auf ihre Klienten einstellen. So auch Kathrin Buchmann: Seit einem Unfall und einer missglückten Operation ist sie zu 40 Prozent schwerbehindert. Sie nutzt ihre Erfahrungen, um die individuellen Bedürfnisse und Probleme der Ratsuchenden gemeinsam im „Gespräch auf Augenhöhe” zu ermitteln. Anschließend unterstützt sie die Klienten bei der Suche nach passenden Lösungen und weiterführenden Angeboten.
Die Anfragen seien ganz unterschiedlicher Natur, sagt die leitende Beraterin und macht deutlich, dass auch bei drohender Beeinträchtigung die Teilhabeberatung eine Anlaufstelle für Betroffene sei. Wenn ein längerer Krankenhausaufenthalt anstehe, müsse vielleicht für eine Kinderbetreuung gesorgt oder Formulare für Zuschüsse ausgefüllt werden. Unterstützung leisten die Experten auch bei der Beantragung von Hilfsmitteln wie beispielsweise Höranlagen.
“Wer bezahlt das?” sei eine Frage, die dabei geklärt werden müsse. “Es ist eine große Verantwortung, sich mit den zu Beratenden auf eine Ebene zu begeben”, betont Buchmann. Sie versuche, die Klienten durch gezielte Fragen dazu zu bringen, auch eigenständig Perspektiven und Lösungen zu entwickeln, so die Fachfrau. „Wir beraten die Personen niedrigschwellig und ganzheitlich“, sagt Kathrin Buchmann und verweist darauf, dass die Beratungsfachkräfte auch das soziale Umfeld und individuelle Probleme der Menschen mit einbezögen.
Die EUT-Beraterin ist von dem Konzept überzeugt und hofft darauf, dass dieses auch nach Ablauf der Befristung über den 31.12.2022 hinaus vom Bund weiterhin gefördert wird. „Ich bin mir sicher, dass es Bestand hat“, gibt sie sich zuversichtlich. Ingeborg Sassenburg-Fröhlich, Beauftragte für Integration und Inklusion der Gemeinde Isernhagen, ist begeistert von dem neuen Angebot: „Damit wird ein wichtiges Thema nach vorne gebracht“. Ihr Kollege Ralf Henneberg, der in der Abteilung für Soziales die Seniorenangelenheiten betreut, liegt viel an der Unabhängigkeit der Beratung: „Hier wird nicht auf eine vorhandene Dienstleistungsstruktur hin beraten“. Vielmehr werde ein breites Spektrum abgedeckt, das den Menschen Orientierungshilfe für ihre Belange biete.
In Isernhagen wird die Teilhabeberatung jeden letzten Montag im Monat von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr stattfinden. Das Beratungszimmer und eine Behindertentoilette sind im Erdgeschoss des Rathauses barrierefrei erreichbar. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Termine können aber vereinbart werden (Kathrin Buchmann, Telefon: 01 76/41 19 51 72). Weitere Informationen zur Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) sind auf der Webseite www.teilhabeberatung.de angegeben.