St. Nikolai in Kirchhorst muss gründlich renoviert werden

Restaurator Reinhold Gonschior zeigt auf eine Wandmalerei: Den im Bild hellen Bereich hat er von Schmutz gesäubert. Nun will er mit weiteren Untersuchungen feststellen, wie viel Geld die Generalsanierung der verschlingen wird. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Der Blick vom Altarraum in die Gemeinde: Hier hat Gonschior nach Einbau der Heizungsanlage vor zweieinhalb Jahren die helle Fläche gesäubert. Ihr Zustand hat sich bisher nicht verschlechtert. Das ist auch ein Hinweis darauf, dass die Restaurierung Sinn macht. (Foto: Hans Hermann Schröder)

600 Jahre alte Wand- und Deckenmalereien sind stark verschmutzt

KIRCHHORST (hhs). „Um den Erhalt der farbenprächtigen Wand- und Deckenmalereien sind wir besorgt. Sie bestimmen den hohen künstlerischen Wert unserer Kirche“, so der Kirchenvorstand der St. Nikolaigemeinde in Kirchhorst.
Die Besorgnis ist groß, denn der Zustand der Wand- und Deckenmalereien, die dieser Kirche die besondere kunsthistorische Bedeutung verleihen und auch einen Großteil ihres Charmes ist unübersehbar: Das Gotteshaus ist stark verschmutzt. Das muss man sich zunächst „auf der Zunge zergehen lassen“. Es ist keinesfalls so gewesen in den vergangenen Jahren, dass St. Nikolai nicht kontinuierlich gereinigt worden wäre, ganz und gar nicht. Vielmehr ist es so, dass niemand zu sagen weiß, woher diese Verschmutzung stammt, die wie mit einem dunklen grauen Schleier die ehemalige Farbenpracht der Malereien überdeckt.
Entstanden ist der einmalige Wand- und Deckenschmuck in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, also vor etwa 600 Jahren. Orthodoxes lutherisches Verständnis führte leider 1661 zum weißen Übertünchen. „Bei einer 1898 begonnenen grundlegenden Sanierung des Kirchengebäudes wurde dieser Kunstschatz wieder entdeckt und mit für die damalige Zeit großem restauratorischen Aufwand freigelegt“, erläuterte Klaus Gutsch, Vorsitzender des Kirchenvorstands die jüngere Geschichte der Kirche. „Aber der Zahn der Zeit, besser gesagt der Staub der Zeit, nagt sehr an den Innenwänden und den Malereien. Zuletzt fand vor 25 Jahren eine Säuberung und Restaurierung statt. Leider zeigte sich nach relativ kurzer Zeit ein normalerweise nicht zu erwartender und stetig zunehmender Grad der Verschmutzung“.
Und die Ursachen dieser Verschmutzung liegen immer noch im Dunkeln. Pastor Jens Seliger erklärt, das Kirchengebäude habe in der Gemeinde eine ganz besondere Bedeutung. Es sei eine „offene Kirche“: „Hier finden nicht nur alle Gottesdienste statt, sondern auch Beerdigungen, hier arbeiten die Jugendgruppen. Die Kirche ist das Zentrum unseres Gemeindelebens. Sie ist auch weit über den Bereich Kirchhorst als Hochzeitskirche beliebt“, sagt Seliger, aber das erkläre immer noch nicht die Verschmutzung.
Der Kirchenvorstand hat in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des landeskirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege mehrere Sachverständige unterschiedlicher Fachrichtungen zum Verschmutzungsproblem befragt. Begleitet fanden zweijährige Feuchtigkeits- und Temperaturmessungen statt. „Als Ergebnis wurde uns geraten, mit einer modernen Heizung - versehen mit intelligenter Steuerungstechnik - für ein gleichmäßiges Raumklima zu sorgen“, sagt Klaus Gutsch. „Dem Rat sind wir vor knapp zwei Jahren gefolgt. Möglich war dies durch großzügige Spenden der Kirchenmitglieder. Zu unserer großen Freude haben Untersuchungen durch den Restaurator Reinhold Gonschior ergeben, dass der galoppierende Verschmutzungsprozess seit der Heizungserneuerung zum Stillstand gekommen ist“.
Gonschior ist gegenwärtig dabei, mit restauratorischen Probearbeiten den voraussichtlichen Arbeits- und Kostenaufwand für die Reinigung, Restaurierung und Konservierung der gotischen Wand- und Deckengemälde zu ermitteln. Gleichzeitig mit der Renovierung will man die Gelegenheit nutzen, die Orgel einer anstehenden Revision zu unterziehen. Sie wird deswegen abgebaut, wenn die sehr staubigen Arbeiten anfallen.
„Alle bisherigen Schätzungen sind natürlich zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen unverbindlich“, sagt Gonschior. Man müsse aber mit gut 100.000 Euro Gesamtkosten rechnen. Zwar gebe es Zuschüsse vom Kirchenkreis und auch von der Landeskirche. Erfahrungsgemäß bleibe aber ein wesentlicher Teil dieser hohen Summe, etwa ein Drittel, an der Kirchengemeinde hängen.
In den kommenden Tagen geht nun allen Gemeindemitgliedern von St. Nikolai Kirchhorst Post zu, mit der Bitte, durch ein freiwilliges Kirchgeld die dringend erforderliche Restaurierung der Kirche zu unterstützen. „Nur auf diese Weise können wir unseren einzigartigen Kunstschatz erhalten“, sagt Klaus Gutsch. Natürlich freue man sich auch über jede Spende, die von außerhalb in den Fonds gelange. Es ist ein Spendenkonto eingerichtet: Spendenkonto St. Nikolai, EKK Hannover, IBAN: DE83 5206 0410 0600 0060 76 SWIFT-BIC: GENODEF1EK1, Stichwort: St. Nikolai-Wandmalereien“. Von der Notwendigkeit der geplanten Maßnahme kann man sich beim Besuch der täglich von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffneten St. Nikolai-Kirche in Kirchhorst überzeugen.