Regionalvermarktung im Fokus

Sabine Tegtmeyer-Dette, Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, und Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (Mitte) vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der von Frederic Pein (rechts) betriebenen Bio-Gärtnerei Rothenfeld in Isernhagen-Neuwarmbüchen. (Foto: Landeshauptstadt Hannover)

Agrar-Staatssekretär Theuvsen besucht die Gärtnerei Rothenfeld

Neuwarmbüchen (r/bs). Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) hat am Montag das Projekt „Ökomodellregion Hannover“ besucht. Sein erster Weg führte ihn zur Gärtnerei Rothenfeld in Neuwarmbüchen.
„Die Öko-Modellregionen tragen dazu bei, unsere regionale Landwirtschaft zu stärken und neue Bio-Wertschöpfungsketten aufzubauen. Die Nachfrage nach ‚mehr Bio‘ ist da, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland wurden 2020 etwa 15 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln umgesetzt, das ist ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wir möchten Bio-Lebensmittel – aber aus Niedersachsen! Gleichzeitig unterstützen die Öko-Modellregionen unseren ‚Niedersächsischen Weg‘, den Anteil der ökologischen Landwirtschaft in Niedersachsen weiter auszubauen“, betonte Agrar-Staatssekretär Prof. Theuvsen.
„Der Besuch von Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen steht ganz im Zeichen der Regionalvermarktung, denn die ausgewählten Stationen seines Besuches sollen demonstrieren, wie zeitgemäße Vermarktung unter ökologischen und regionalen Aspekten funktionieren kann“, erläuterte Hannovers Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette den Themenschwerpunkt der Veranstaltung.
Die Ökomodellregion Hannover ist im Dezember 2020 gestartet und kann sich dank einer Förderung des Ministeriums in Höhe von bis zu 60.000 Euro jährlich noch bis November 2022 für mehr Ökolandbau im Umland von Hannover einsetzen.
Das Projekt der Landeshauptstadt, mit dem Leitmotiv „Urbanität als Chance“, fokussiert sich auf die Förderung der Regionalvermarktung und die Information der Verbraucher über die Produktion und die Vermarktung von regionalen Produkten. Dies geschieht vor dem Hintergrund folgender Rahmenbedingungen einer Großstadt: Trotz der großen potenziellen Absatzmärkte durch die vielen Verbraucher war der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen 2020 in der Region Hannover mit 5,2 Prozent lediglich durchschnittlich.
Im Rahmen des „Agrikulturprogramms“ der Landeshauptstadt Hannover, das im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün umgesetzt wird, werden seit 2017 die stadteigenen Landwirtschaftsflächen bei einer Neuverpachtung bevorzugt an Ökolandwirt*innen vergeben. So tragen sowohl das Agrikulturprogramm als auch die Ökomodellregion zu den Zielen des Niedersächsischen Weges bei. Dort ist vorgesehen, den Anteil des Ökolandbaus in Niedersachsen bis 2025 auf 10 Prozent zu verdoppeln und bis 2030 sogar 15 Prozent ökologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen zu erreichen.
Die Bio-Gemüsegärtnerei Rothenfeld in Neuwarmbüchen verdeutlichte, wie eine vielseitige Vermarktungsstruktur umgesetzt werden kann: Beliefert werden Betriebskantinen, Bioläden und Verbrauchergemeinschaften in der Stadt Hannover.
Über den eigenen Hofladen werden neben dem selbst angebauten Gemüse auch Produkte von umliegenden Bio-Betrieben vertrieben. Ein wichtiger Vermarktungspartner ist die Gemüsekiste aus Hemmingen-Hiddestorf. „Wir haben uns von einem Pionier der regionalen Online-Vermarktung zu einem etablierten Abo-Kistenanbieter für Privathaushalte und Büros entwickelt“, betonte Mark Reinert von der Gemüsekiste.
Neben der Gärtnerei wird die Gemüsekiste von weiteren Biobetrieben beliefert, die neben Obst und Gemüse auch Fleisch erzeugen. Die Gemüsekiste setzt, wo immer es möglich ist, auf regionale Erzeugnisse. Aufgrund von fehlenden Wertschöpfungsketten können jedoch viele ökologische Erzeugnisse nicht in der Region gehalten werden.
Es mangelt an zertifizierten Schlachtereien, Mühlen und Molkereien. Hier zeigen sich die Grenzen der Regionalvermarktung. Im Bereich der Wertschöpfungsketten gibt es nicht nur in Hannover noch viel Entwicklungspotential für die Ökomodellregionen.
Zunächst jedoch konzentriert sich die Ökomodellregion auf die Förderung der bestehenden Regionalvermarktung. Vom 13. bis 19. September ruft die Ökomodellregion zur „Bio-Regio-Challenge“ auf: Die Herausforderung ist, sich eine Woche nur mit bioregionalen Produkten zu ernähren. Mit der Aktion wird nicht nur die regionale Direktvermarktung gefördert, sondern auch intensiv für bioregionale Ernährung geworben. Mit einem bunten Begleitprogramm werden die Teilnehmenden dazu animiert, ihre Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und die direktvermarktenden Betriebe in der Umgebung kennenzulernen. So soll auch die Kaufbereitschaft für bioregionale Produkte langfristiger gefördert werden. Nähere Informationen zur Aktionswoche unter: www.hannover.de/regio-challenge.
Ein weiteres Projekt zur Verbesserung der Regionalvermarktung ist die Förderung eines digitalen Einkaufsführers: Über die Smartphone-Anwendung „Regio-App“ kann digital nach Einkaufsmöglichkeiten regionaler Produkte in der Nähe gesucht werden. Hier sollen bis Herbst möglichst viele der Bio-Direktvermarkter aus dem hannoverschen Umland zu finden sein.

Redaktioneller Hinweis: Unten im Downloadbereich finden Sie den Link zu einem Foto von dem heutigen Besuch von Sabine Tegtmeyer-Dette, Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, und Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (Mitte) vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der von Frederic Pein (rechts) betriebenen Bio-Gärtnerei Rothenfeld in Isernhagen-Neuwarmbüchen. Quelle: Landeshauptstadt Hannover.