Nicht das Normale unterstützen, sondern neue Impulse setzen

Sie tun Gutes und sprechen darüber: (v.l.) Dirk Böker, Michael Koch, Anselm Bisgwa, Michael Werk, Eckhard Bade, Swen Laske und Anika Grote. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Freude auf beiden Seiten: Dirk Böker nimmt seinen Preis von Michael Koch entgegen. (Foto: Svenja Steinseifer)

Bürgerstiftung Isernhagen zeichnet fünf Sportprojekte für ihr besonderes Engagement aus

ISERNHAGEN (svs). Ganz unauffällig schleicht sie sich herein, umso wichtiger aber ist ihr Anliegen. „Ich finde es toll zu sehen, dass verloren geglaubte Tugenden wie Teamgeist, Fairness und Kameradschaft doch noch nicht verloren gegangen sind“. Dr. Renate Vogelgesang (CDU), 1. stellvertretende Bürgermeisterin, ist zur Auszeichnung der Gewinner des Sportprojekt – Wettbewerbs gekommen um vor allem eines zu sagen: „Danke“.
Netzwerke knüpfen. Langfristigkeit. Teamgeist fördern. Kriterien, die von den Sportvereinen unter anderem erfüllt werden mussten, um im Sportprojekt-Wettbewerb „Isernhagen bewegt sich“ der Bürgerstiftung Isernhagen, dotiert mit insgesamt 20.000 Euro, eine Auszeichnung und einen Scheck zu bekommen. „Wir wollten mit diesem Wettbewerb nicht das normale Vereinsleben unterstützen“, betont Michael Koch, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Isernhagen, „sondern neue Impulse setzen.“ Über die Bedeutung des Sports müsse man am vergangenen Dienstag in der Buhrschen Stiftung Isernhagen im Übrigen nicht debattieren. „Das wäre ja so, als würde man Heu nach Athen tragen.“
Sieben Antragsteller stellten sich mit 11 Projekten der Jury, fünf überzeugten. Bei allen im Vordergrund steht der Netzwerkgedanke Der Einsamkeit sprichwörtlich den Kampf an sagt der FC Neuwarmbüchen e. V. mit seinem eingereichten Projekt. Judo – für körperlich beeinträchtigte Sportler. Kampfsport und Rücksichtnahme passen besser zusammen, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Asiatische Kampfkünste basieren auf Werten wie Toleranz, Höflichkeit und eben Rücksichtnahme. Mit dem gewonnen Geld möchten der 1. Vorsitzende Anselm Bisgwa und Trainer Michael Werk ihr Projekt „auch die nächsten Jahre erfolgreich durchziehen.“
Ebenfalls weiter vernetzten mit anderen Fußballvereinen will sich die Jugendfußballabteilung des TSV Isernhagen. „Zehn Prozent haben einen Migrationshintergrund“, sagt Michael Koch, bevor er den symbolischen Scheck überreicht. Mit 170 bislang geleisteten Stunden setzen sich die Trainer für Fairness, Toleranz und Integration ein – ehrenamtlich. Für Dirk Böker, Abteilungsleiter der Mini-Fußballer, gibt es für so viel Engagement einen plausiblen Grund: „Alle die, die im Sportverein sind, sind nicht auf der Straße“. Daher werden sich die Trainer des TSV Isernhagen auch weiterhin für ihre Sportler einsetzen – ehrenamtlich.
Mit ihrem Antrag traf auch der Schützenverein Isernhagen NB genau ins Schwarze. „Unsere Kleinsten schießen mit Lichtpunktgewehren“, sagt Vorsitzender Swen Laske, für den Teamgeist, Konzentrationsfähigkeit und Disziplin im Vordergrund stehen. Bislang habe sich der Verein die teuren Lichtpunktanlagen geliehen. „Vielleicht schaffen wir es noch, mit unseren Kleinsten bis nach München zu kommen“, hofft nun der glückliche Gewinner.
„Tu Gutes und sprich darüber“ – ein Motto, welches nicht nur für die 1. Handballmannschaft des TUS Altwarmbüchen steht, sondern auch gut zum gesamten Abend passt. Beeindruckt von der geballten Frauenpower und starkem Mannschaftsgeist überreicht Koch auch Annika Grote einen Scheck. Und es zeigt sich, wie ernst die Handballerinnen es mit dem Teamgeist meinen: „Normalerweise habe ich eine Mannschaft hinter mir“, sagt Grote zu Anfang ihrer Dankesrede und erntet ein Schmunzeln. Denn zur Preisverleihung ist gleich die halbe Mannschaft angerückt.
Ziel einer Jahrgangs- und Schulform übergreifende Schwimm-AG, die der Schwimmclub Altwarmbüchen e. V. in die Ganztagsschulen integrieren möchte, sei ebenfalls ein Netzwerk zwischen Verein und Schule. Eine gemeinsame Verantwortung, um das Wegbrechen des leistungssportlichen Anteils im Verein zu verhindern und die Schulen zu entlasten. Für die Jury ein Projekt mit Pilotcharakter, denn „der Sport wird sich gewaltig verändern und die Vereine müssen sich anpassen, wenn sie überleben wollen“, sagt Vorsitzender Eckhard Bade.
„Es wird nicht einfacher, Ehrenamtliche zu finden“, weiß auch Dr. Renate Vogelgesang, daher sei es umso wichtiger, dass die Vereine unterstützt werden. „Solange es Spaß macht, ist es schön“, sagt Michael Koch, „und das macht es – wahnsinnig!“