Mysteriöse Flaschenpost für Johann und ein gesunder Bulle für Familie Thies

Äh, Leuchttürme Kapitän? Kapitän Hanssen räumt Leuchttürme lieber ab, als sie zu umfahren. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Ein tierischer Star: Putzmunter ist das während der Vorstellung geborene Bullenkalb. (Foto: Svenja Steinseifer)

Figurentheater „Ekke Neckepen“ begeistert ebenso wie neugeborenes Bullenkalb

ISERNHAGEN (svs). Gleich zwei Highlights konnten die großen und kleinen Besucher der letzten Vorstellung des Figurentheaters „Ekke Neckepen“ bestaunen: Während Christoph Bendikowski auf der Bühne die Puppen tanzen lässt, erblickt still im Hintergrund eine braungelockte, vierbeinige Überraschung das Licht der Welt. Das während der Vorstellung geborene Bullenkalb wurde zum heimlichen Star in der Thiesschen Scheune.
Kartoffeln schälen, Akkordeon spielen und ein Schiff steuern – mehr muss ein Seemann nicht wissen. Wenigstens, wenn es nach „Opa“ geht. Schaf Dolly ist ständig erkältet und Kapitän Hanssen scheint ein gestörtes Verhältnis zu Leuchttürmen zu haben. Mit Witz und vielen liebevollen Details erzählt das Figurentheater „Ekke Neckepen“ die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Insgesamt ca. 460 große und kleine Gäste verfolgten die liebevoll inszenierte Geschichte um den Schiffsjungen Johann und seinen kleinen Wal in der Thiesschen Scheune.
Opa, der früher einmal Johann hieß, möchte Seemann werden. Als ihm eine Flaschenpost direkt vor die Füße schwappt, ergreift er seine Chance und heuert beim windigen Kapitän Janssen an. Bei ihm sei er in den besten Händen, über 50 Schiffe habe er schon besessen –wären da nicht die verfluchten Leuchttürme. Dass der Kapitän die blinkenden Türme regelmäßig mit seinen Schiffen abräumt, verschweigt Hanssen seinem unerfahrenen Matrosen. Johann tut, was ein Seemann tun muss – er schält Kartoffeln.
Bis eines Tages ein kleiner Wal auf die ins Meer entsorgten Kartoffelschalen frisst. Immerhin hätten ganze 30 Elefanten in so einem Wal Platz. Als Kapitän Hanssen den Wal erschießt und Johann mit seinem ungewöhnlichen Freund flüchtet entsteht eine ungewöhnliche und intensive Bindung zwischen Johann alias „Opa“ und dem kleinen Wal. Unter der Leitung von Christoph Bendikowski erwachen der schrullige Piratenkapitän Hanssen, stilecht mit Holzbein und der kleine Johann in Latzhose in detailliert gestalteten Figuren zum Leben.
Gekommen sei Irmgard Thies durch das Internet auf das professionelle Puppentheater. „Ich finde es total süß“, sagt Thies. Allerdings merke sie durch die Zurufe, dass das Publikum in der letzten Vorstellung älter sei und die Geschichte eher nachvollziehen könne. Der elfjährigen Eske gefällt es richtig gut. Und als Kapitän Hanssen mit seiner Harpune auf den kleinen Wal schießt, werden Unmutsrufe laut. Echt gemein sei das. Figurentheater als zeitgemäßes Medium und Nachhaltigkeit der erzählten Geschichten, diesen Zielen habe sich „Ekke Neckepen“ verschrieben.
Ebenso facettenreich wie die Figuren und Christoph Bedikowskis Stimmpotential ist der Name des Theaters. „Ekke Neckepen“, eine nordische Sagengestalt, trete mal als gutmütiger Gnom, mal als Klabautermann oder sogar als böser Feuergeist in Erscheinung. Für Johann oder auch „Opa“ wendet sich am Ende alles zum Guten. Durch den mittlerweile großen Wal verschleppt, kann Kapitän Hanssen zukünftig niemandem mehr etwas zuleide tun. „Ich fand's eher mittel“, sagt die zehnjährige Josefina, „vielleicht ein bisschen langweilig“, ist jedoch völlig fasziniert von der zweiten Attraktion dieses Abends.
Die Schau gestohlen hat die frischgebackene Kuhmutter dem Puppentheater nicht. Ganz leise und ohne Komplikationen brachte sie den kleinen Bullen zur Welt. „Ich bin froh, dass alles in Ordnung ist“, sagt Irmgard Thies erleichtert. Einen Namen trägt der kleine Bulle noch nicht. Und Johann? Der heißt mittlerweile „Opa“ und weiß dass ein guter Seemann nicht gegen Leuchttürme fährt.