Klimafasten der ev. Jugend

Wikingerschach statt Fernsehen: Die Jugendgruppe der St.-Marien-Kirchengemeinde Isernhagen plant eine gemeinsame Spieleaktion als Alternative zum Fernsehabend. (Foto: Andrea Hesse)

„Wo gibt es eigentlich unverpackte Lebensmittel?“

ISERNHAGEN (r/bs). Dennis Wagner trug die Idee in die Gruppe: „Wie wäre es, wenn wir uns der Fastenaktion ‚So viel du brauchst …‘ anschließen?“, fragte er Jugendliche in der evangelischen St.-Marien-Kirchengemeinde in Isernhagen.
Zuvor hatte sich der 24-jährige Kirchenvorsteher bereits im Kirchenkreisjugendkonvent Burgwedel-Langenhagen mit der Idee auseinandergesetzt – und fand sie prima. Sieben Wochen lang, in der klassischen Fastenzeit vor Ostern, inne halten, sich auf das Wesentliche konzentrieren und Gottes Schöpfung mit Herz und Verstand in den Blick nehmen – das ist das Ziel der diesjährigen Fastenaktion. Klimaschutz und Klimagerechtigkeit stehen dabei im Zentrum; es geht aber nicht darum, Streckenrekorde mit dem Fahrrad aufzustellen oder nach Einbruch der Dämmerung nur noch bei Kerzenschein zu lesen.
Vielmehr will die Aktion dazu anregen, sich Zeit zu nehmen, um das eigene Handeln im Alltag zu überdenken, Neues auszuprobieren, etwas zu verändern. „Erleben Sie diese Zeit des Jahres bewusst als Gelegenheit, die Routinen des Alltags zu hinterfragen“, heißt es in der Begleitbroschüre zur Fastenaktion, an der sich elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer beteiligen.
In der ersten Woche, so besprechen es Lina, Fabia, Raik, Benny und die anderen in der Isernhagener Jugendgruppe, wollen sie ihrer Fastenzeit eine Struktur geben: Wann haben wir Zeit für gemeinsame Aktionen? Wollen wir vielleicht ein Tagebuch über die kommenden Wochen führen? Oder endlich mal wieder in Ruhe ein Buch lesen?
Einen Spieleabend plant die Gruppe für die zweite Woche – Gemeinschaftserlebnis und Alternative zum Fernsehprogramm. Stockbrot soll es an diesem Abend geben, es wird Wikingerschach gespielt und die Konfis werden eingeladen. „Darf man für das Stockbrot eigentlich ein Rührgerät benutzen oder sollte man den Teig beim Klimafasten mit der Hand kneten?“, fragt Lina. Eine kluge Frage, die schnell weitere nach sich zieht: Wenn wir das Rührgerät im Schrank lassen und fertigen Teig kaufen, dann haben wir wieder einen Haufen Plastikmüll – soll das die Alternative sein?
Auch für die dritte Woche stellen sich solche Fragen: Gemeinsam kochen steht auf dem Zettel – mit oder ohne Fleisch? Ist Fleisch aus artgerechter Tierhaltung die Lösung? Wo können wir das kaufen und woher bekommen wir eigentlich unverpackte Lebensmittel? Eins steht nach einer Anregung von Diakonin Annika Schneider schnell fest: „Wir laden die Konfis zum Kochen und Essen ein.“
Geplant werden auch noch eine gemeinsame Radtour mit Freunden und Familien und eine Upcycle-Aktion: „Lasst uns doch aus alten Holzpaletten Möbel oder Pflanzenwände bauen“, schlägt Raik vor. „Machen wir“, beschließt die Gruppe und nimmt sich auch noch vor, aus leeren Tetra Paks Portemonnaies herzustellen. Und vielleicht findet sich während der Fastenaktion auch noch Zeit, gemeinsam den Film „Plastic Planet“ anzusehen …