Kleine Sänger singen von ganz großen Gefühlen

Action im Publikum: Zum Schluss wird es noch einmal laut beim Kinderchor-Festival im Isernhagenhof. (Foto: Svenja Steinseifer)

270 Kinder präsentieren sich mit buntem musikalischem Mix beim Kinderchor-Festival

ISERNHAGEN (svs). Die naseweiße Hexe Trude Trudis hat ihren Schuh verloren und das Känguru boxt den Buschmann aus der Hose, nebenbei kann es noch Klavier spielen. Lustige, moderne, aber auch ernste, tiefgründige und internationale Songs brachten die kleinen Akteure beim Kinderchorfestival im Isernhagenhof auf die Bühne.
„Wir haben auf der großen, echten Bühne gesungen - da!“ Der kleine Sänger steht noch unter Strom. Denn die „ganz große Bühne da“ steht im Isernhagenhof. Insgesamt neun Kinderchöre mit 270 Akteuren kamen zum Kinderchor-Festival am vergangenen Sonnabend unter dem Motto „Kleine Leute große Lieder“. „Jeder Chor hatte 10 Minuten Zeit, zu zeigen was ihn ausmacht“, berichtete Andreas Fingberg-Strathmann, Leiter der Musikschule Isernhagen. Eine Herausforderung für die Chorleiter, aber „das Festival ist kein Wettbewerb, sondern hat Begegnungscharakter!“, betonte der Veranstalter Fingberg-Strathmann.
Für den Chor der Grundschule der GHRS Wietze ist es der erste Auftritt auf einer so großen Bühne. „Die Kinder sind total aufgeregt“, sagte Chorleiterin Susanne Beetzen, „vor allem die Kurzen!“ „Die Kurzen“ sind acht bis neun Jahre alt und freuten sich trotz Lampenfieber auf den Auftritt. Sie sangen von der „Naseweißen Hexe Trude Trudis, die ihren Schuh verloren hat und davon wie schön es ist, einfach mal Pirat zu sein.
„Kriecht aus eurem Schneckenhaus“, lautete die musikalische Aufforderung des Kinderchores „Sternenfänger“. Was auf den ersten Ton lustig klang, hatte aber einen ernsten Hintergrund: „Kinderrechte sind die Richtung des Kinderchores“, erläuterte Chorleiterin Melanie Weißkichel, die mit den „Sternenfängern“ im Grundschulalter bereits eine CD produziert hat. „Wir brauchen Mut und Fantasie, sonst ändern wie die Erde nie“ heißt es in dem Song, der auch von Freundschaft erzählt, die zusammen hält. Eine starke Botschaft, die auch bei den Kindern ankommt. „Sie finden es gut“, sagte Weißkichel.
Um Anregungen für den eigenen Chor zu sammeln, sich kennen zu lernen, auch dafür steht das niedersächsische Kinderchor-Festival. Zum dritten Mal war Isernhagen Station auf der Tour quer durch Niedersachsen. „Wir möchten auch das Laienmusizieren fördern und das fängt bei den Kindern an“, so Fingberg-Strathmann über das Konzept, „so haben wir auch keinen Nachwuchsmangel bei den erwachsenen Chören.“ Der Musikschulleiter zeigte sich begeistert von den Chören. „Wenn ich sehe, wie sie sich auf einer so großen Bühne geben – total locker und unverkrampft, toll!“
Stellenweise brauchte es auch eine entspannte Zunge, zum Beispiel um den Titel „Tsef Hurugnäk sad tlah“ ohne Stolperfalle auszusprechen. Kein Problem für die Kinder der „Singenden Arche“ unter der Leitung von Gisela Riedl. Schwieriger zu fangen ist da schon das Känguru, das den Buschmann locker aus „der Hose boxt“. Klassisch, modern und traditionell sind „Hannahs Singers“ aus Barsinghausen unter der Leitung von Zdena Gottschalk unterwegs.
Und Melanie Weißkichel und die Sternenfänger nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Weltreise. „Si mama kaa“ heißt das traditionelle Lied aus Afrika, das „eigentlich keine Bedeutung hat“. Aber darum geht es der Chorleiterin nicht: „Mir ist es wichtig fremde Laute mit Musik und Bewegung zu verknüpfen“, sagte die Förderschullehrerin. Und das meistern alle Chöre. Früh Hemmschwellen abzubauen, auch darum geht es Andreas Fingberg-Strathmann. „Seine Singstimme hat man ja immer dabei!“