Isernhagen wird jetzt „grüner“ - CDU verliert die absolute Mehrheit im Rat

Die „Grünen“ im Glück. Ein Wahlergebnis, mit dem sich ihre Sitze im Gemeinderat verdoppeln, hatten selbst sie nicht erwartet. (Foto: Renate Tiffe)
 
Prominenz im Isernhagener Rathaus. Philipp Rösler (rechts) kam mit Familie und betrachtete zusammen mit Marcel Niemann (Mitte) die ersten einlaufenden Wahlergebnisse. (Foto: Renate Tiffe)

Die „Grünen“ errangen sechs statt bisher drei Sitze – Wahlbeteiligung von 55,5 Prozent

ALTWARMBÜCHEN (ti). Einen spannenden Wahlkampf hatten sich die Parteien in Isernhagen nicht gerade geliefert. Außer in den Ortsteilen war es nicht um Köpfe gegangen. Der Gemeindebürgermeister wird erst in drei Jahren gewählt. Und die Themen, die die Bürger bewegen – Isernhagenhof, Windkraftanlagen – wurden säuberlich unter der Decke gehalten, so als wäre es unfein, über Dinge zu streiten, die einem wichtig sind. Am Sonnabend vor der Wahl hatten nur noch CDU und „Grüne“ ihre Stände auf dem Platz vor dem Rathaus aufgebaut, die eigentlichen Kontrahenten dieser Wahl. Spannungsgeladen war die Atmosphäre erst, als es am Sonntagabend um die Auszählung der Ergebnisse ging.
Viel mehr Partei-Anhänger als sonst hatten sich im Rathaus eingefunden, um die Daten aus den einzelnen Wahlbezirken an der großen Leinwand zu verfolgen. An großen Tischen hatten sie sich anfangs versammelt, hier die Sozialdemokraten, da die Christdemokraten. Hoffnungsvoll hatten die Liberalen ihre Fähnchen auf dem Tisch platziert. Nur die „Grünen“, die bereits am späten Nachmittag mit ihrer Wahlparty begonnen hatten, erschienen später in geschlossener Runde in der Tür zum Ratssaal. Kurz danach tauchte auch Philipp Rösler, Einwohner Isernhagens, Bundes- und Landesvorsitzender der FDP, Wirtschaftsminister und Vizekanzler der Republik, mit seiner Familie im Rathaus auf, um seinen Parteifreunden Mut zu zusprechen.
Es dauerte lange, bis die ersten aussagekräftigen Ergebnisse vorlagen. Zuerst kam die Region dran, dann wurden die Stimmen für den Gemeinderat ausgezählt und zuletzt die der Ortsräte. An eigenen Laptops versuchten Gregor Dehmel, Ehemann der Altwarmbüchener Ortsbürgermeisterin, und Siegfried Lemke von den „Grünen“, umringt von Parteifreunden, den allgemeinen Bekanntmachungen vor zugreifen.
Gegen 21.15 Uhr, als 22 der insgesamt 27 Wahlbezirke ausgezählt waren, ließen sich erste Trends erkennen. Ernüchterung machte sich bei den Christdemokraten breit. Dabei hatte die Wahlparty, zu der sich etwa 70 Parteimitglieder im Gasthaus Hennies getroffen hatten, ganz euphorisch begonnen, als die ersten, äußerst positiven Zahlen aus NB bekannt wurden. Die absolute Mehrheit im Rat war dahin. Das wurde schnell zur Gewissheit.
Unterdessen hatten sich die „Grünen“ in zunehmend munterer Stimmung am FDP-Tisch breit gemacht und die Fähnchen gegen einen Strauß Sonnenblumen ausgetauscht.
Um 22.48 Uhr stand das vorläufige Ergebnis für die Gemeindewahl fest. Mit 44, 9 Prozent bleibt die CDU zwar die stärkste Fraktion im Gemeinderat. Aber sie hatte gegenüber der Wahl 2006 insgesamt 7,7 Prozent der Stimmen verloren, ein herber Verlust. Auch die SPD hatte Federn lassen müssen. Mit 28 Prozent hatte sie 1,5 Prozent der Stimmen verloren. Bei der Isernhagener FDP hielt sich der Verlust relativ in Grenzen. Mit 8,0 Prozent erhielten die Liberalen 2,1 Prozent weniger Stimmen als bei der letzten Wahl. Jubel brandete dagegen bei den „Grünen“ auf. Sie hatten nicht nur ihr Wahlziel erreicht: die Mehrheit der „Schwarzen“ zu brechen. Mit 17,2 Prozent hatten sie die Wähler – dem Bundestrend entsprechend – besonders üppig ausgestattet: 9,4 Prozent Stimmenzuwachs.
Die Sitzverteilung im künftigen Rat war schnell ermittelt. 15 Sitze gehen an die CDU (vorher 18), die SPD blieb bei 9 Mandaten, die „Grünen“ stocken um das Doppelte auf, 6 statt bisher 3 Sitze und die FDP hat weiter drei Sitze inne. Ein Mitglied der „Linken“ ist neu im Isernhagener Rat.
„Endlich können wir auf Augenhöhe mit den großen Parteien unsere Anträge einbringen“, freute sich Heidrun Lemke von der „Grünen“-Doppelspitze. Sie könne es noch gar nicht fassen. Siegfried Lemke stimmte schon einmal Töne von „Enjoy...“ an.
Mit vier Frauen in der Fraktion möbeln die „Grünen“ zugleich das Frauenkontingent im Rat auf, das mit zwölf Mandatsträgerinnen gleich geblieben ist gegenüber der zu Ende gehenden Wahlperiode. Zwei profilierte SPD-Politikerinnen, Susanne Schauwenz-Köhne und Gudrun Krone-Höpfner hatten sich nicht mehr aufstellen lassen.
Marcel Niemann, Parteichef der FDP, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Es hätte schlimmer kommen können, nach dem eklatanten Vertrauensverlust der Partei auf Bundesebene. In Isernhagen sei die FDP standhaft geblieben, meinte er.
Die SPD habe zwar ihr Ziel nicht erreicht, die 30-Prozent-Grenze zu knacken, sagte Wolfgang Dorn, der Vorsitzende der Sozialdemokraten. Ihre Politik sei jedoch stabil bewertet worden. Bei der nicht eben hohen Wahlbeteiligung von 55,5 Prozent müssten die Bürger wohl zufrieden gewesen sein mit der bisherigen Politik. Wesentlich mehr getan werden müsse künftig in der politischen Bildung, merkte der pensionierte Pädagoge an.
Und die CDU? „Wir bleiben stärkste politische Kraft“, betonte der Vorsitzende Burkhard Kinder. „Wären wir nicht in Isernhagen, wäre das Ergebnis von knapp 45 Prozent durchaus beachtlich“. Der Gegenwind aus Berlin sei im Wahlkampf deutlich zu spüren gewesen.- Schon am Montagabend traf sich die Partei, und wollte darüber „nachdenken, was besser zu machen ist“.