Gemeinschaftswohnprojekt in Kirchhorst – zweiter Anlauf

Sie sind guten Mutes, dass das Projekt diesmal gelingen werde: die Raumplanerin Michaela Austermann (links) und Ingeborg Dahlmann vom Forum „Neues Wohnen im Alter“  (Foto: Renate Tiffe)

Für das Anliegen der Gemeinde fehlen Interessenten

Kirchhorst (ti). Das generationsübergreifende Wohnen  ist ein Anliegen der Gemeinde Isernhagen und sie hat denkbar gute Voraussetzungen dafür geschaffen. Eine Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern ist schon bei der Planung mitten im Neubaugebiet „In den Grashöfen“ in Kirchhorst für das Projekt freigehalten worden. Allerdings: es fehlen die Interessenten. Fehlgeschlagen ist  das Angebot eines hannoverschen Architekten-Ehepaares mit viel Erfahrungen in diesem Bereich. Der Termin von einem Jahr, den die Gemeinde für die Realisierung des Vorhabens gesetzt hatte, konnte nicht eingehalten werden. Der Rat hat deshalb im März einen neuen Start beschlossen - auch diesmal zeitlich begrenzt bis zum Herbst dieses Jahres.
Begleitet wird das Projekt jetzt von Ingeborg Dahlmann vom Niedersachsenbüro des Forums „Neues Wohnen im Alter“ im Haus der Region. Von der Seite der Verwaltung ist die  Raumplanerin Michaela Austermann zuständig. Die Vorstellung ist, dass interessierte Bürger die ihnen gemäße Form gemeinschaftlichen Wohnens von Jung und Alt selbst organisieren sollen. Zweitrangig ist dabei die Frage, ob Wohneigentum geschaffen werden, ob gemietet werden oder ob einer Form genossenschaftlichen Wohnens der Vorrang gegeben werden soll.
Sie könne für das Projekt nur werben, sagte Frau Dahlmann. Es sei ein Geschenk der Kommune an ihre Bürger. Vermutlich würde die Kämmerei nur zu gerne zugreifen und die Fläche anderweitig verkaufen. Der Gemeinde ist jedoch überzeugt dass der demographische Wandel und die sich abzeichnenden Engpässe bei der Pflege und Betreuung der Senioren immer mehr die Selbsthilfe in Wohn- und Hausgemeinschaften in den Blick der Öffentlichkeit rücken muss.
Die Bürger scheinen das – noch - nicht so zu sehen. Lediglich zwei Anwohner aus der benachbarten Glockenheide hatten sich beim ersten Treffen eingefunden. Sie äußerten ihre Wünsche präzise, hatten sie doch schon an den Zusammenkünften mit den Architekten teilgenommen. Aber wo waren die anderen Interessenten?  Es waren immerhin zwischen 30 und 40 Personen gewesen, die vorher teilgenommen hatten.
Für ihr Wohnen im Alter stellte sich der eine der beiden Männer vor, dass etwa 80 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen sollten und etwa 50 Quadratmeter für eine Werkstatt. Der andere wollte praktisch zwei Einzelwohnungen zusammenlegen, die bei Bedarf wieder einzeln genutzt werden können. „Alles machbar“, ermunterte Ingeborg Dahlmann. Es sei auch wichtig, an die Nachnutzung zu denken.
Das Problem ist nur, es müssen sich mindestens zwölf  Paare oder Familien zusammentun, um das Projekt umzusetzen.
Man müsse sich frühzeitig Gedanken machen, nicht erst wenn´s sein muss, meinte Frau Austermann. Das gemeinschaftliche Wohnen habe schon seine Besonderheiten, weiß Ingeborg Dahlmann aus Erfahrung. Normalerweise werden Bauwillige frühestens beim Bauen, meist erst später als Nachbarn mit einander bekannt. Das Projekt erfordere jedoch, dass man sich schon vorher kennen lernt und gemeinsam planen muss. Es gebe viele gelungene Beispiele gemeinschaftlichen Wohnens. Geradezu Furore mit seinem Buch und seinen Vorträgen mache der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherff.
Das nächste Treffen findet bereits am 3. Juni um 18.30 Uhr in der Begegnungsstätte Kirchhorst, Schulweg 3, statt. Frau Dahlmann war guten Mutes, dass diesmal mehr Teilnehmende dabei sein werden. Vor allem sollten auch die  Partner mitgebracht werden, riet sie.