„Erde dreht sich nicht mehr – Gott hat das Pinwort vergessen“

Google Inside: „Wenn Sie nicht gefilmt werden wollen, müssen Sie sich den schwarzen Balken vor die Augen halten“, veralberte Anka Zink das öffentliche Streitthema Google Street View. (Foto: Sina Balkau)

Anka Zink lästerte über die elektronischen Fesseln der Moderne

ISERNHAGEN F.B. (sib). Vor einem Jahr war sie das letzte Mal in Isernhagen, nun war es endlich wieder soweit: Die Kabarettistin Anka Zink stattete dem Isernhagenhof einen Besuch ab, ihr neues Programm „Sexy ist was anderes“ im Gepäck. Zwei Stunden lang nahm sie die modernen Kommunikationswege, wie Facebook, Twitter und Co, auf äußerst charmante Art und Weise aufs Korn.
Auf dem Kopf trug sie einen Helm, auf dem eine Kamera montiert worden war. So bewaffnet schritt Anka Zink eine Publikumsreihe nach der anderen ab. „Ich komme von Google Inside. Jetzt werden die Häuser nicht mehr nur von Außen gefilmt, sondern auch von Innen“, witzelte die Kabarettistin. „Wenn Sie nicht mit auf dem Bild sein wollen, halten Sie sich einfach den schwarzen Balken vor die Augen“, fügte sie hinzu und wies damit auf die kleinen Pappschildchen hin, die auf jedem Platz lagen.
Die Spitze gegen die aktuelle Diskussion über das umstrittene Google Street View stellte einen gelungenen Auftakt für das zweistündige Gag-Feuerwerk dar, bei dem das überwiegend weibliche Publikum gar nicht mehr aus dem Lachen herauskam. Das Programm widmete sich der Beziehung zwischen Mensch und elektronischen Medien – die Zink alles andere als sexy findet.
„Früher war fummeln, heute ist twittern“, lautete das Urteil der brünetten Powerfrau. Die Menschen hätten überhaupt keine Geheimnisse mehr, seit sie jede noch so triviale Anekdote ihres Lebens über die so genannten sozialen Netzwerke, wie Facebook, Twitter und Co, in die Welt hinausposaunten. Besonders Frauen sollten aber ein Geheimnis haben: „Dann sind sie viel interessanter!“ Heutzutage wollten jedoch alle wissen, wenn in China ein Sack Reis umfällt – am besten noch aus welchem Material der Sack war, welcher Reis genau darin war und so weiter und so weiter.
Auch Videotelefonie, Navigationsgeräte und Handys sind für Anka Zink mehr Fluch als Segen. „Dank Skype dürfen wir uns nun auch noch zum Telefonieren aufstylen“, jammerte sie und beschwerte sich gleich darauf über das Dauerpiepen, das uns ständig umgibt. „Piepen ist ein neues Kommunikationssegment, heute piept es überall.“ Das Handy komme ihr geradezu wie ein neu gewachsener Körperteil vor.
Sie selbst sei auch nicht ganz frei von dem Multimediawahn, gibt die 53-Jährige freimütig zu: Sms und Emails werden regelmäßig gecheckt. Doch das Gefühl, Opfer der ganzen Technik geworden zu sein und sich elektronische Fesseln angelegt zu haben, lässt sie nicht los. „Bald steht auf twitter: Achtung, Erde dreht sich nicht mehr – Gott hat das Pinwort vergessen,“ so die humorige Zukunftsperspektive der Diplom-Soziologin, der es wieder einmal gelungen ist, amüsant und intelligent über ein gesellschaftliches Phänomen zu lästern.