Energieversorgung: „Die Zukunft wird bunt sein“

Der Wissenschaftler Reinhard Leithner referierte beim Neujahrsempfang der CDU Isernhagen. (Foto: Renate Tiffe)

Braunschweiger Wissenschaftler sprach beim Neujahrsempfang der CDU

ISERNHAGEN NB (ti). Zum Neujahrsempfang der Isernhagener CDU lädt traditionell der Ortsverband NB in die Buhrsche Stiftung ein. Noch mehr Mitglieder als sonst fanden sich diesmal als Gäste ein, unter ihnen Bürgermeister Arpad Bogya sowie die Ortsbürgermeisterinnen, bzw. Ortsbürgermeister aus fünf Ortsteilen. Der Ortsvorsitzende Paul Otte nahm die Gelegenheit wahr, seine Parteifreunde auf das Wahljahr einzuschwören. Aber er hatte mit Professor Reinhard Leithner von der TU Braunschweig auch einen Gastredner gewonnen, der zu einem gewichtigen Thema sprach: der Zukunft der Energieversorgung.
Es war neu und höchst aufschlussreich einmal einen Wissenschaftler zu dieser Problematik zu hören, frei von Lobbyismus und Parteiideologie. Der Redner erlaubte sich dann auch ganz eigene, überraschende Urteile zum Thema.
„Die Zukunft wird bunt sein“ sagte Reinhard Leithner voraus und meinte damit, dass die erneuerbaren Energien - von Sonne, Geothermie, Wasser, Wind und Biomasse - auf verschiedene Weisen genutzt werden, wie sie z. T. noch erforscht werden müssen. Prinzipiell wäre damit die Energieversorgung möglich, aber mit welchen Kosten? Zumal Sonne und Wind bei uns nicht ständig in gleicher Weise zu haben sind. Technisch machbar wäre es, die Energie dort zu gewinnen, wo sie vorherrschend ist, die Sonne beispielsweise in Südeuropa und Nordafrika, die Wasserkraft in Nordeuropa.
Um es kurz zu machen: der Photovoltaik erteilte der Energieexperte bei uns eine glatte Absage, wobei der hohe Kilowattstunden-Preis für die Anbieter durchaus seine Berechtigung und seinen Nutzen habe. Die über 20 Mrd. Euro, die dafür investiert werden, wären aber anderswo besser angewendet, so Leithner, zumal die Hälfte der Anlagen in China produziert werden und dort Arbeitsplätze schaffen.
Bei der Biogasgewinnung werde sich auf Dauer die Einsicht durchsetzen, dass man Nahrungsmittel nicht zur Energiegewinnung brauchen darf.
Günstiger sieht er die Situation bei der Windenergie. Da stellen sich aber die Fragen der Umwandlung, der Weiterleitung und der Speicherung des Stroms. Der Transport – per Kabel oder oberirdischer Leitung - erhitzt bereits die Gemüter. Druckluft- und Pumpspeicherwerke befinden sich noch im Forschungsstadium. Die gezeigten Modelle sahen nicht gerade landschaftsschonend aus.
Die Entwicklung geeigneter Technologien braucht ihre Zeit. Aus dem Grund sollte als überholt Erachtetes nicht sofort ganz aufgegeben werden. Das könnte für die Photovoltaik gelten. Das trifft nach Leithner aber auch für die Kernkraft zu. „Geben sie Ihr altes Auto gleich weg?“, fragte er in die Runde. Nicht alle Kraftwerke seien auf dem gleichen Stand. Drei Probleme gebe es bei der Kernenergie: der Missbrauch (das Beispiel Iran könnte Schule machen), die Endlagerung und das Betriebsrisiko. Ein Endlager gebe es weltweit nicht. Er finde auch den Begriff merkwürdig, sagte der Wissenschaftler. Ein Ende gebe es in der Natur nicht, man müsste die hochradioaktiven Stoffe umwandeln in Stoffe mit kürzerer Halbwertzeit und könne die Überwachungszeit reduzieren. Dazu gebe es wenig Informationen für die Öffentlichkeit. Es dürfe aber weiter geforscht werden. Als Betriebsrisiko bezeichnete er vor allem den Menschen. Mehr Transparenz sei in der Atomwirtschaft nötig.
11 Prozent des Energiebedarfs werden heute durch „die Erneuerbaren“ gedeckt. Die Felder klimaneutrale Gebäude und Elektromobilität streifte Leithner nur kurz. Er hätte die Prioritäten im Energiekonzept der Bundesregierung anders gesetzt. Nicht nur bunt wird die Zukunft bei der Energieversorgung sein, sondern auch teurer.