Eine Reise durch die Welt der jüdisch-liturgischen Musik

Prof. Andor Izsák lädt am 11. Oktober in St. Marien zu einer Reise durch die Welt der jüdisch-liturgischen Musik ein. (Foto: ©Andor Izsák)

Musikalischer Vortrag von Prof. Andor Izsák in St. Marien

ISERNHAGEN (r/bs). Am Donnerstag, 11. Oktober, um 19.30 Uhr wird Prof. Andor Izsák, Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik der Musikhochschule Hannover und Leiter des Europäischen Synogalchors in der St. Marien-Kirche in Isernhagen KB einen musikalischen Vortrag mit dem Titel „Die Stimme der Synagoge“ halten.
Er nimmt dabei die Zuhörer mit auf eine Reise durch die jüdisch-liturgische Musik und spielt auf einer kleinen und der großen Kirchenorgel. Wer ihn kennt, weiß, dass sich die Zuhörer auf einen ebenso interessanten wie unterhaltsamen Abend freuen können.
Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der Stiftung St. Marien Isernhagen und der Siegmund Seligmann Stiftung zugute. Karten gibt es an der Abendkasse.
Die jahrtausendealte Geschichte der synagogalen Musik schlägt eine Brücke zwischen Orient und Okzident: Jüdische Solo-Psalmodie und abendländische Chor­sätze, begleitet durch die mystischen Klänge der Synagogenorgel, charakterisieren die Blütezeit der jüdisch-liturgischen Musik im 19. Jahrhundert. Die Zerstörungswut der Nationalsozialisten setzte dieser großartigen Musiktradition ein gewaltsames Ende.
Professor Andor Izsák widmet sich seit vielen Jahren der Er­forschung und Dokumentation der synagogalen Musik. Mit humorvollen und unterhaltsamen Kommentaren macht er sein Publikum mit Meisterwerken der synagogalen Musiktradition von Komponisten wie Louis Lewandowski, Salomon Sulzer oder Samuel Naumbourg vertraut.
Andor Izsák wurde 1944 in Budapest geboren und studierte an der Franz-Liszt-Musikhochschule. Bereits zu Studienzeiten war er Organist an der Budapester Dohány-Synagoge, der größten Synagoge Europas. Hier gründete er im Jahr 1962  gemeinsam mit dem Kantor Marcel Lorand den Lewandowski-Chor, das erste Ensemble, das nach dem Holocaust wieder synagogale Musik zu Gehör brachte. Nach langjähriger Tätigkeit als Dozent am Béla-Bartók-Konservatorium und an der legendären Fodor-Musikschule sowie als Chor- und Operndirigent, siedelte Andor Izsák nach Deutschland über.
Aus der intensiven Beschäftigung mit jüdischer Musik (Kompositionstätigkeit, Lehre, Forschung und Aufführungen mit namhaften Vertretern der synagogalen Musik aus aller Welt) ging 1988 das Europäische Zentrum für Jüdische Musik hervor, das seit 1992 unter seiner Leitung ein Institut der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ist.
2003 wurde Andor Izsák auf die Professur für Synagogale Musik berufen. Im Jahr 2002 wurde Andor Izsák mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet, im Jahr 2007 erhielt er den Ehrenpreis der Stiftung Bibel und Kultur für sein Lebenswerk. Er ist Ehrenpräsident der Siegmund Seligmann-Stiftung, Trägerin des Gebäudes Villa Seligmann, in der das Europäische Zentrum für Jüdische Musik heute seinen Sitz hat. Über sein Leben ist eine von Dr. Arno Beyer, dem stellvertretenden Intendanten des NDR, geschriebene Biographie mit dem Titel „Andor der Spielmann – ein jüdisches Musikerleben“ erschienen.