Ehepaar Sievers feiert Gnadenhochzeit

Sie verstehen sich nach 70 Jahren immer noch bestens: Rudolf und Ursel Sievers feierten am 3. Juni ihre Gnadenhochzeit. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ursel und Rudolf Sievers aus Altwarmbüchen sind 70 Jahre verheiratet

ALTWARMBÜCHEN (bgp). Ein wenig Ehrfurcht schwingt in der Frage des stellvertretenden Regionspräsidenten Michael Dette mit, als er dem Ehepaar Sievers die Glückwünsche zur Gnadenhochzeit überbringt: „Was ist das Geheimnis einer so langen Ehe?“
„Man muss sich auch mal streiten, dann ist die Versöhnung umso schöner“, rät der erfahrene 93-jährige Rudolf Sievers. Seine Frau Ursel nickt bestätigend und freut sich mit ihrem Mann über die Gratulationsurkunden des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und der Region Hannover.
Am Montagvormittag kamen die offiziellen Gäste zur Gratulation mit Präsentkorb und Blumen vorbei, am Nachmittag kam die Familie zur gemeinsamen Feier. Neben Michael Dette gratulierten auch Gemeindebürgermeister Arpad Bogya und die stellvertretende Altwarmbüchener Ortsbürgermeisterin Jessica Rothhardt.
In trauter Runde hielten sie einen Plausch mit den betagten Eheleuten. Das Gnadenehepaar berichtete aus den Anfangsjahren ihrer Bekanntschaft, die zunächst von Kriegsfolgen geprägt waren. Beide wurden in Hannover geboren und wuchsen als „echte Lindener Butjer“ auf. Beim Tanzen im Clubzimmer von Georg „Schorse“ Voigt habe er seine Frau kennengelernt.
Dort sei die Musik vom Grammophon abgespielt worden, einige Platten habe er selbst mitgebracht. „Es waren schlechte Zeiten und es gab ja nicht viel“, so Sievers. Als 19-jähriger verlobte er sich mit der ein Jahr jüngeren Ursel Jänsch, die zur damaligen Zeit bei ihren Großeltern lebte, da die Eltern bereits verstorben waren.
Die standesamtliche Trauung fand 1946 im kleinen Kreis von zehn Gästen statt. Das Hochzeitskleid wurde ausgeliehen, ein Blumenstrauß ergänzte den Schmuck der Braut an diesem besonderen Tag vor 70 Jahren. Höhen und Tiefen haben die beiden seither gemeinsam durchschritten. Beide hatten den Bombenkrieg mit zerstörten Häusern und persönlichen Verlusten erlebt, und doch habe es viele schöne Jahre gegeben, so das Ehepaar.
Viel Arbeit sei dabei gewesen, Rudolf Sievers arbeitete als Werkzeugmacher, seine Frau nähte nach ihrer Ausbildung Pelze in einem hannoverschen Pelzhaus. Sohn Joachim kam 1950 zur Welt, schon bald verblassten die Entbehrungen des Krieges ein wenig.
In Hademstorf an der Aller verbrachte die Familie viel Zeit in ihrem Wochenendhaus, das gemeinsam mit Freunden und Nachbarn aufgebaut wurde. „Jeder konnte ein anderes Handwerk“, berichtet das Ehepaar begeistert.
Joachim Sievers machte damals eine Ausbildung und fasste ordentlich mit an. Ein befreundeter Zimmermann habe den Plan gemacht und schon bald stand die kleine Behausung im idyllischen Grün. „Das war schön, wir waren über dreißig Jahre dort“, schwärmt Ursel Sievers von der glücklichen Zeit.
Seit 1999 leben die beiden in Altwarmbüchen dicht bei ihrem Sohn.
„Uns geht es gut hier“, sagen beide und schauen sich zufrieden um. Durch die zentrumsnahe Wohnlage erledigten sie ihre Einkäufe und Besorgungen noch selbständig. Wenn es doch einmal hakt, können sie auf die Unterstützung der Familie bauen. Leben ist ohnehin immer in Haus und Garten, wenn die Enkeltochter mit ihren beiden Kindern vorbei kommt. Die fünfjährige Urenkelin und der zweijährige Bruder wirbelten im Haus ordentlich herum, sagen die Jubilare lachend.
Im Garten breche bei Uropa Rudolf dann doch noch der Fußballspieler von 07 Linden durch. „Draußen geht es noch“, erklärt er verschmitzt lächelnd. „Ein bisschen Spaß miteinander muss man noch haben“, sind sich die beiden einig.