Die ge-Drechsel-te Zauberflöte – Was hätte Mozart dazu gesagt?

Großer Auftritt der Königin der Nacht, deren geraubte Tochter Tamino befreien soll. (Foto: Renate Tiffe)
 
Sarastro, der Hohe Priester des Weisheitstempels, hält Pamina, die Tochter der Königin der Nacht gefangen. (Foto: Renate Tiffe)

Ein musikalisches Großereignis im Isernhagenhof

Isernhagen (ti). Lange angekündigt und mit Spannung erwartet übertrafen die beiden Aufführungen der “ge-Drechsel-ten Zauberflöte“ im Isernhagenhof dann doch alle möglichen Vorstellungen von einem Chorkonzert. Es war gut, dass die Bürgerstiftung Isernhagen die aufwendige Produktion unter ihre Fittiche genommen hat, so dass letzten Endes alle davon profitieren konnten, die Zuhörer im jeweils ausverkauften Haus und diejenigen, denen von der Stiftung Gutes getan wird. Das musikalische Großereignis wurde als Benefizgala veranstaltet.
85 Mitwirkende aus drei Chören (wenn man die Ensemble-Spatzen dazu zählt) in eigens genähten Kostümen – schon der gemessene Einzug in den langen geraden Priestergewändern war beeindruckend. Die Sängerinnen und Sänger gaben während der gesamten Aufführung die Bühnenbegrenzung ab um nicht zu sagen die Kulisse, vor der sich das bunte Geschehen um die großen Geschicke von Liebe, Schmerz und Triumph entfalten konnte, um welche sich das Spiel der Zauberflöte schlingt. Wie sich der Szenenwechsel vollzog? Ganz einfach, indem der Chor das unvergessene „Amadeus, Amadeus“ von Falco selig skandierte. Wie überhaupt immer wieder Schlager jeglicher Provenienz sich unter die klassischen Ohrwürmer von Mozarts Oper mischten, etwa, wenn Pamina getröstet wurde „So schön kann doch kein Mann sein“, oder mit „Time to say Good bye“, wenn Sarastro die Trennung der beiden Liebenden Pamina und Tamino verfügt. Auch sonst wurde nicht mit zeitgemäßen Einsprengseln gespart. „Hat die Wirtschaftskrise nun auch Isernhagen erreicht“, fragte sich der buntgefiederte Papageno als ihm die drei Damen der Königin der Nacht wegen seiner Prahlerei statt Wein nur Wasser gewährten.
Nicht zu kurz kamen die berühmten Arien der Oper: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“, „Der Vogelfänger bin ich ja“, „In diesen heilgen Hallen...“. Anne Drechsel hat ihre Chöre stimmlich soweit geschult, dass sie auf viele Solostimmen, oft zusammen mit den Chören, zurückgreifen konnte. Ohnehin waren die wesentlichen Rollen auch innerhalb der Aufführung meist mehrfach besetzt – was dem Spielablauf erstaunlicherweise keinen Abbruch tat. Ganz beachtliche Solostimmen waren darunter wie die der Königin der Nacht (Ingrid Lenz) in wallendem roten Gewand. Hervorzuheben ist auch die musikalische Begleitung von Markus Matschkowski am Keyboard und Diliana Michailov am Flügel.
Des öfteren von Szenen-Applaus unterbrochen nahm das Verwirrspiel um Gut und Böse, um Macht und Ohnmacht seinen Lauf. Am Ende folgt Pamina ihrem Geliebten, der alle Prüfungen bestanden hat, und Papageno erhält „sein Weibchen“, das sich aus der grässlichen Alten entpuppt hat. Das hübsche Zwischenspiel von Feuer- und Wassergeist leitete über zum Finale bei dem die Kräfte der Finsternis, in Gestalt der Königin der Nacht und ihrer Damen, im Sonnentempel des Sarastro in Blitz und Donner untergehen. – Ein rauschender Beifall mit stehenden Ovationen und rhythmischem Klatschen schloss sich an.
Was würde Mozart zu der ge-Drechsel-ten Zauberflöte sagen? Er hätte seinen Spaß daran gehabt, ist Anne Drechsel überzeugt. Pop-Operas dieser Art seien früher Gang und Gäbe gewesen. Wenig bekannt sei Mozarts sozialkritische Seite, die er auf schelmische Weise in seiner Musik umgesetzt habe. - Die Komposition der „Zauberflöte“ beruhte auf einem Libretto, das für ein Theater der Wiener Vorstadt geschrieben worden war.