Ausstellung im Isernhagenhof: Vor 50 Jahren wurde die Mauer gebaut...

Michael Koch, Vorsitzender der Bürgerstiftung Isernhagen, eröffnete die Ausstellung. (Foto: Renate Tiffe)

Eindrucksvolle Fotos und Dokumente gegen das Vergessen

ISERNHAGEN (ti). Fast 22 Jahre ist es her, dass die Geschichte der Mauer glücklich endete, die am 13. August 1961 begonnen hatte. Vor genau 50 Jahren war dem Unrechtsregime der damaligen DDR nichts anderes eingefallen, als die Menschen einzupferchen, die in wachsender Zahl ihr Land verließen. In einer Ausstellung im Isernhagenhof will die Bürgerstiftung Isernhagen die Erinnerung an dieses Ereignis wach halten, das zu einem wesentlichen Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde.
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Dieser berühmt-berüchtigte Ausspruch Ulbrichts fünf Wochen bevor die Grenze hermetisch abgeschlossen wurde, weckte bei den Besuchern der Ausstellungseröffnung nur noch ein entspanntes Lachen. Etwa 100 Interessierte – mehr als erwartet - waren der Einladung der Bürgerstiftung ins Foyer des Isernhagenhofes gefolgt.
Die 20 großformatigen Plakate rundum und sprachen eine andere Sprache. „Die Mauer – Eine Grenze durch Deutschland“, so der Titel der Ausstellung, zeigt eindrucksvolle Fotos und Dokumente über die dramatischen Umstände des Mauerbaus, über Fluchten und Fluchthilfe, über die Opfer des menschenverachtenden SED-Regimes und den Alltag entlang der innerdeutschen Grenze und der geteilten Stadt Berlin.
Die Bürgerstiftung verstehe die Ausstellung als einen wichtigen Beitrag zur Bildung und damit als Teil ihres Satzungsauftrages, sagte der Vorsitzende Michael Koch in seiner Begrüßungsansprache. Es dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass eine Stadt, ein Land und die ganze Welt 28 Jahre lang durch eine Mauer geteilt wurden, dass Menschen voneinander getrennt, dass Tausende umgesiedelt, verfolgt und eingesperrt wurden und 136 Menschen an der Mauer und etwa 1000 an der innerdeutschen Grenze sterben mussten.
„Die Berliner Mauer gibt es nicht mehr, aber sie wird immer Teil der deutschen Geschichte bleiben. Diese Geschichte gehört nicht in die Archive. Man muss sie erzählen und an all diejenigen Menschen erinnern, die den Mut bewiesen haben, ihr Streben nach Freiheit umzusetzen. Ohne sie hätte es am Ende auch nicht zu den Ereignissen des Herbstes 1989 kommen können, hatte der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann in seinem Grußwort geschrieben.
Leider hatte der Schriftsteller Peter Fischer, der als Zeitzeuge zum Vortrag gebeten worden war, aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen müssen. An seiner Stelle berichtete der Langenhagener Arzt Dr. Roland Bretschneider, über seine Erfahrungen mit der Härte des Regimes. In Naumburg als Sohn eines Theologen geboren, durfte er regulär kein Abitur machen und verfing sich nach zwei Fluchtversuchen endgültig in den Fängen der Stasi. Nur über Umwege gelang ihm das Medizinstudium in Jena. Über seine persönlichen Erlebnisse hinaus gerieten seine Ausführungen jedoch mehr und mehr zu einer Abrechnung mit der Ex-DDR.
Die Ausstellung wird nach dem 19. August der Heinrich-Heller-Schule übergeben, wo sie ihren ständigen Platz finden soll, in der Hoffnung, dass auch die anderen Schulen danach fragen. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Politik zum Anfassen“ werden die Schülerinnen und Schüler an zwei Projekttagen in die Thematik eingeführt.