Ausprobieren macht Schule

Dass viele Schüler im sogenannten "Toten Winkel" für den LKW-Fahrer nicht erkennbar sind, war eine wichtige Erkenntnis beim Verkehrsunterricht in der Oberschule Hämelerwald. (Foto: Katrin Telschow-Don)

Oberschüler lernen sicheres Verhalten am LKW

HÄMELERWALD (r/gg). Toter Winkel? Was ist das? Wozu braucht man einen Abbiege-Assistenten? Mit diesen Fragestellungen haben sich die Schüler der beiden fünften Klassen der Oberschule Hämelerwald in der letzten Woche am praktischen Beispiel beschäftigt.
Jeder Fünftklässler erklomm die Fahrerkabine eines LKW, nahm Platz auf dem Fahrersitz und konnte mit eigenen Augen feststellen, was zu sehen war – und vor allem, wer oder was eben nicht zu sehen war.
Zu diesem Zweck positionierten sich 30 Mitschüler vor dem LKW und entlang der potentiell gefährlichen Beifahrerseite. Die Fünftklässler waren überrascht, dass sie niemanden sehen konnten. Diese Tatsache beeindruckte und erschreckte sie sehr. „Das war krass“, sagt Maili. „Ich hätte nie gedacht, dass so wenig zu sehen ist.“
Anlass dieses Versuchs waren die zahlreichen Fragen der Schüler kurz nach dem tragischen Unfalltod einer gleichaltrigen Lehrterin eine Woche zuvor. „Ist es wirklich so, dass man aus einem LKW nicht jeden auf der Straße sieht? Man sitzt doch aber so schön hoch da drin“, wunderten sich einige.
Für die Klassenlehrerteams der Oberschule war schnell klar, dass theoretische Erklärungen allein nicht ausreichen würden, um ihren Schützlingen die dringende Notwendigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln nachhaltig zu vermitteln. Klassenlehrer Christian Scholz kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Trotz vielfältiger Warnung, unbeleuchtet mit dem Fahrrad zu fahren, wurde ihm die ganze Gefahr für Fahrradfahrer ohne Licht erst voll bewusst, als er selbst am Steuer eines Autos saß. „Solche persönlichen Erfahrungen erreichen bei den Kindern mehr als die Theorie des allgemeinen Schulbetriebs – und das ist entscheidend für die Sicherheit der Mädchen und Jungen“, sagt Christian Scholz.
Den Schülern sollte bewusst gemacht werden, dass sie sich nicht darauf verlassen können, auf der Straße von jedem Verkehrsteilnehmer gesehen zu werden. Sie sollten am praktischen Beispiel erfahren, warum sie sie sich immer rückversichern müssen. Also wurde kurzerhand bei einem Hämelerwalder Unternehmer angefragt, der sich gern bereit erklärte, seinen LKW für dieses Experiment zur Verfügung zu stellen. Die Schüler zeigten sich begeistert und beeindruckt von dieser Aktion. Yaniks Fazit: „Ich muss mit meinem Fahrrad jeden Tag über zwei Kreuzungen. Jetzt gucke ich noch genauer, ob wirklich alles frei ist.“