Engensen ist zu klein für eine eigene Jugendabteilung

Adnan Zuko wurde mit beeindruckenden 52 Kreisliga-Toren als Regionstorschützenkönig ausgezeichnet. (Foto: TSV Engensen)
 
Trainer Michael Hoffmeister und sein Sohn Mika proben zur Aufstiegsfeier die Welle. (Foto: TSV Engensen)

Aufbau einer Fußballjugend bleibt weiter im Blick

ENGENSEN (hhs). Der TSV Engensen schickt vier Fußball-Herrenmannschaften in den Ligenbetrieb, die 1. Herren nun in die Bezirksliga, dann zwei weitere Herren und schließlich eine Ü40 Mannschaft. Das sieht nicht schlecht aus für einen Verein, der eigentlich nur auf 1520 Einwohnerinnen und Einwohner als Potential der eigenen Ortschaft zurück greifen kann. Geradezu miserabel sieht es im Jugendbereich aus. „Eine Jugendabteilung haben wir nicht“, sagt Fußball-Spartenleiter Holger Laue etwas missmutig. „Wir haben das mehrfach versucht, aber es ist nicht gelungen. Engensen ist zu klein, um eine eigene Jugendabteilung Fußball mit Spielbetrieb auf die Beine stellen zu können“.
Viele Kinder und Jugendliche aus der Ortschaft spielen aber Fußball, natürlich nicht beim TSV, sondern in einer der Jugendspielgemeinschaften, zu denen sich viele Vereine der Stadt Burgwedel zusammen geschlossen haben. Der direkte Nachbarverein TSV Wettmar hat so eine Jugendspielgemeinschaft. Dort spielen viele junge Engenser, und die Wettmarer können beeindruckende Zahlen vorweisen, wonach die Jugend auf breiter Basis wie eine Pyramide aufgebaut ist, beginnend mit F- und E Jugend, endend in einer A-Jugend. Laues Missmut bei diesem Thema hat seinen Grund: Wenn der TSV Engensen sich in der Bezirksliga etablieren sollte, dann reicht das Saisonziel „Klassenerhalt“ nicht mehr aus, da muss Neues festgeschrieben werden. Ab der nächst höheren Spielklasse Bezirksoberliga werden nur Mannschaften zum Spielbetrieb zugelassen, die über eine funktionierende Jugendabteilung verfügen, und die hat Engensen wie gesagt nicht.
Laue sieht darin natürlich eine Benachteiligung aller Bezirksligisten, die nur auf einen begrenzten kleinen Personenpool zurück greifen können. „Hier sollte was geändert werden“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Auf dem Dorf sieht es überall im Land im Nachwuchsbereich des Fußballs so aus wie in Wettmar: Die Basis ist bei den Kleinen wirklich breit, dann nimmt die Breite nach oben immer stärker ab, bis nur noch ein B- oder A-Jugendteam übrig bleibt. Allerdings die hohe zeitliche Belastung der Jugendlichen in den weiter führenden Schulen steht dann häufig einem geregelten Trainingsbetrieb vollkommen entgegen“. Einen Ausweg sieht Holger Laue nicht, aber: „Wir werden es natürlich immer wieder versuchen mit dem Aufbau einer eigenen Jugendabteilung Fußball. Aber ich denke nicht daran, eine Jugendabteilung zusammen zu kaufen. Das wäre den befreundeten Vereinen gegenüber sportlich und menschlich absolut unfair“. Allerdings, so schätzt er die neue Lage ein, die Teilnahme an der Bezirksliga könnte da in Sachen Motivation gerade bei den Jugendlichen für einen großen Anschub sorgen.
Unterdessen freuen sich viele Engenser auf den Beginn des Marktspiegel-Cups, den alle für eine ausgesprochen gute Gelegenheit zur Saisonvorbereitung halten: „Hoffentlich können die Jungs ihre Klasse der vergangenen Saison in die neue Liga hinüber retten“, sagte ein TSV-Fan am Rande des Trainings. „Wenn Adnan Zuko und Patrick Ehlert in der Bezirksliga nur die Hälfte der Tore erzielen, die sie in der Kreisliga geschossen haben, dann dürfte es schon beinahe reichen“, fuhr er fort. Wie gesagt, der TSV hat in der Kreisliga 141 Tore geschossen, Zuko davon 52 und Ehlert 30. Zuko wurde dafür als Regionstorschützenkönig ausgezeichnet. „Diese Zahlen dürfen aber über eines nicht hinwegtäuschen“, fuhr der Mann fort: „Das heißt auch, dass der Rest des Teams ebenfalls nicht untätig war und im Mittel zwei Tore in jedem Spiel geschossen hat“. Dann schmunzelte er: „Die haben das Fußballspielen in der Sommerpause sicherlich nicht verlernt. Nach dem Marktspiegel-Cup kommt der Ligapokal und dann geht es endlich los mit der Bezirksliga. Ich denke nicht, dass der TSV Engensen dort nur kleine Brötchen backen muss...“.