Neues Hundegesetz: Alle Hunde müssen sicher mit Chip gekennzeichnet werden

Hundehalter benötigen künftig Sachkundenachweis und Hundehaftpflichtversicherung

ALTKREIS BURGDORF (hhs). Am 25. Mai hat der Niedersächsische Landtag die Novellierung des Hundegesetzes mit großer Mehrheit beschlossen. Seit mehr als einem Jahr gingen die Politiker mit dieser Idee schwanger. Dabei haben sogenannte „Beißvorfälle“, die immer von den Medien ausführlich dargestellt wurden, eine tragende Rolle gespielt. Zu Recht, muss man sagen, wenn man an die unrühmliche Beißattacke in Hildesheim denkt, wo zwei Rottweiler zwei Kleinkinder schwer verletzt hatten. Im Rahmen der rechtlichen Würdigung dieses vermeidbaren und tragischen Vorfalls hatte es sich als erschwerend erwiesen, dass nach dem Vorfall niemand als verantwortlicher Halter korrekt zu bestimmen war. Genau das hatte die Landesregierung im Blick, als sie die Novellierung des Gesetzes anging, und was nun dabei herausgekommen ist, setzt neue Maßstäbe: Auf den Hundehalter/besitzer kommen neue Pflichten zu, und neue Kosten.
Zunächst zum neuen Hundegesetz: Es tritt in seinen wesentlichen Teilen zum 1. Juli 2011 in Kraft. Von diesem Datum an muss jeder Hund, der älter ist als sechs Monate, zur sicheren Kennzeichnung mit einem Chip versehen werden. Dieses kleine aber unverwechselbare Teilchen wird dem Tier vom Tierarzt mit einer Spritze unter die Haut auf der vorderen linken Körperseite implantiert. das verursacht dem geliebten Vierbeiner nicht mehr Schmerzen als die jährliche Vorsorgeimpfung und ist in etwa ebenso teuer: 50 Euro sollte man dafür einplanen. Die Chip-Implantation ist einmalig und sie ist unverwechselbar. Hundebesitzer, die ihr Tier mit in andere Staaten der EU nehmen, haben diese ohnehin schon gechipt. Die Nummer des Chips wird in diesem Zusammenhang im Internationalen Heimtierpass eingetragen.
Zur Durchführung dieses neuen Hundegesetzes ist es allerdings notwendig, ein zentrales Melderegister anzulegen, dass alle Daten zu Chip, Hund und Hundehalter ständig präsent und abrufbar bereit hält, so dass es bei zukünftigen Vorfällen mit Hunden keinerlei Irritationen über dessen Besitzer geben kann. das ist Ziel des Gesetzes. Das Melderegister, gewissermaßen ein Zentralregister, soll schnelle Ermittlung der Halter gewährleisten. Wenn es erst geschaffen ist, werden für den Hundehalter weitere Kosten entstehen für Verwaltung und Eintrag der Daten. Zudem muss er selbst die erforderlichen Daten zu seiner Person und die Kennnummer des Chips dorthin senden.
Zweiter wichtiger Punkt ist die Versicherungspflicht für Hunde ab dem 1. Juli: Jeder Hundebesitzer muss zukünftig für jeden Hund ab dem siebten Lebensmonat eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen. Die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Versicherung sind genau definiert: 500.000 Euro Personenschaden und 250.000 bei Sachschäden. Hier hätte bei klarem Blick auf die Realitäten „etwas höher ins Regal greifen sollen“: Man denke an die Beißattacke der beiden Rottweiler in Hildesheim. Hier stellt sich nun die Frage, ob man mit einer halben Million Euro die Behandlung der beiden Kinder und die Nachsorge abdecken können wird. Auch die Viertelmillion-Deckung für Sachschaden sollte man überdenken. Man stelle sich vor, der Hund läuft über die Straße, der Tanklastzug bremst und stürzt um... Hier muss jeder Hundehalter für sich entscheiden, ob der die möglichen Risiken nicht aus eigenem Antrieb höher versichern lässt. Das ist nur unwesentlich teurer. Auch den Jägerinnen und Jägern sei geraten, ihre Jagdhaftpflicht, die auch Jagdhunde mit einschließt, zu überprüfen, ob sie diesen Mindestanforderungen des Gesetzgebers entsprecht.
Am 1. Juli 2013 muss jeder Hundehalter über einen sogenannten „Hundeführerschein“ verfügen. Unter diesem Hundeführerschein versteht der Gesetzgeber den Nachweis, dass der Hundehalter geeignet ist, einen Hund zu führen und zu halten. Die Prüfung für diesen Sachkundenachweis dürfen alle von den Gemeinden und kreisfreien Städten anerkannten Vereine, Hundeschulen und Personen abnehmen. In diesem Zusammenhang werden besondere Kurse angeboten, auch von der Jägerschaft Burgdorf (siehe unten). Die Sachkundeprüfung beinhaltet Kenntnisse in Bezug auf das Halten und die Sozialverträglichkeit von Hunden, rassespezifische Eigenschaften, das Erkennen und Beurteilen von Gefahrensituationen mit Hunden, das Erziehen und Ausbilden von Hunden sowie Kenntnis der einschlägigen Rechtsvorschriften.
Ausgenommen von der Pflicht zum Sachkundenachweis in Sachen Hundehaltung und -führung sind zunächst alle Personengruppen, die grundsätzlich als „sachkundig“ in dieser Beziehung gelten: Tierärzte, Personen, die Brauchbarkeitsprüfungen für Hunde abnehmen oder solche erfolgreich mit ihren Hunden abgelegt haben, Tierheimbetreiber, Diensthundeführer und Behindertenbegleithundeführer. Zudem werden alle Personen im Grundsatz für sachkundig gehalten, die in den letzten zehn Jahren einen Hund mindestens zwei Jahre lang ununterbrochen gehalten haben, ohne dass der Hund auffällig geworden ist oder Beschwerden über das Tier oder den Halter bei der Behörde eingegangen sind. Als Nachweis dafür soll der Beleg über die Bezahlung der Hundesteuer dienen.
Soweit die Neuregelungen, die das Gesetz vorsieht. In der politischen und öffentlichen Diskussion wurde angemerkt, diese letzte Regelung der Ausnahme von der Sachkundeprüfung gehe nicht weit genug. Man sollte allerdings bedenken: Ein Gesetz sollte immer verhältnismäßig sein, im Klartext, es sollte nicht mehr regeln, als zur Erreichung des gewünschten Zwecks erforderlich ist. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass es mehr Hundehalter gibt, die mit ihren Hunden sachkundig umgehen und der Öffentlichkeit rücksichtsvoll gegenüber als Hundehalter, die im öffentlichen Raum Probleme mit ihren Tieren bereiten. Er geht auch davon aus, dass die steigende Nachfrage nach Hundekursen nicht von ungefähr kommt und sich verantwortliche Hundehalter auch heute schon freiwillig in Welpen- und Hundeschulen sachkundig machen und sich und ihren Hund im gemeinsamen Umgehen miteinander trainieren. Diese Tatsache, so sagen die Initiatoren dieser Gesetzesnovelle, habe sie bestärkt, nun auch die Sachkunde von Hundehaltern zu verlangen, die bisher keine Erfahrung mit Hunden hatten.
Allerdings, mit dem Sachkundenachweis kommen nicht unerhebliche Kosten auf den betroffenen Hundehalter zu: 200 Euro dafür sollten schon eingeplant werden.
Eine nicht ganz unwichtige Frage klärt das Gesetz auch: Familienmitglieder eines erfahrenen Hundeführers müssen keinen Sachkundenachweis erbringen, wenn ihnen der Hundehalter den Hund zum Beispiel zum Spazierengehen übergibt. In der Verantwortung steht ab nun immer der Hundehalter. Er muss sich also Gedanken darüber machen, ob er es verantworten kann, sein Tier einer anderen Person anzuvertrauen. Personen, die nach dem 1. Juli mit einem fremden Hund spazieren gehen sollen oder wollen, sollten fragen, ob der Halter schon seiner Versicherungspflicht nachgekommen ist. Mit der Hundeversicherung ist es wie mit der Kraftfahrzeugversicherung: Der Halter muss versichert sein, dann ist der Schaden abgesichert.