Das größte Zweiständerhaus der Region ist in Fuhrberg entstanden

Richtfest am größten neu errichteten Zweiständer-Fachwerkhaus der Region Hannover: Das Team der Fuhrberger Zimmerei lässt die Gläser am Boden zerschellen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Fuhrberger Zimmerei und Eigentümer feierten zünftiges Richtfest

FUHRBERG (hhs). Der Freitag vergangener Woche war ein großer Tag für Rosemarie und Kurt Pilchowski und das Team der Fuhrberger Zimmerei: Sie hatten zum Richtfest geladen, nicht irgendeines Hauses, sondern des größten neuen Zweiständerhauses in der gesamten Region Hannover. Etwa 250 Quadratmeter Grundfläche hat das Prachtstück mit den Maßen 19 mal 13 Metern, mehr als 100 Kubikmeter „dickes Holz“ sind verbaut, um 16.00 Uhr am Freitag wurde die Richtkrone oben an den Giebel genagelt.

„Das Zweiständerhaus ist die älteste bekannte Form des niederdeutschen Hallenhauses“, erläuterte Frank Töllner, Zimmermeister und Mitinhaber der Fuhrberger Zimmerei diesen Fachwerkbau. „Ständer sind die senkrecht stehenden Balken, die in zwei Reihen in der Breite des Hauses angeordnet sind und auf denen die Hauptbalkenlage die Dachsparren liegen. Sie bilden die Halle (Diele)“, stellt er die Begrifflichkeiten klar. Das sei das Haupthaus, an dem links und rechts flachere Dachteile angebaut seien, die mit sogenannten Aufschieblingen die Hiehle bilden, früher als Viehstall genutzt, bilden. Das Ständerwerk der Außenwand (Traufenwand) sei über kurze Kanthölzer mit dem Hauptständerwerk verbunden und habe wichtige tragende Funktion.
Dieses Haus gehe mit seiner Größe an die Grenze, in Fachwerkbauweise ein Zweiständerhaus zu bauen, sagt Töllner. Die Fuhrberger Zimmerei habe zwar schon eine ganze Reihe an Zweiständerhäusern errichtet, aber noch niemals eins in dieser Dimension. Er habe recherchiert: In der gesamten Region Hannover gebe es kein neu errichtetes Zweiständerhaus dieser Größe, und es sei auch nicht bekannt, ob irgendwo ein älteres größeres Gebäude dieser Bauart stehe. Es habe langer Diskussionen mit dem Baustatiker bedurft, ehe man einen Kompromiss gefunden habe, dieses Haus in zunftgerechter Bauweise zu erstellen.
Dann schritt der Zimmermeister noch einmal kurz durch das Gebäude, nahm es in Augenschein, ob seine Leute den Bau auch ordentlich, „wie es sich gehört“, gereinigt hatten. Unterdessen hatten seine Männer die mächtige Richtkrone an einer stabilen Latte befestigt und reichten sie am Gerüst nach oben. Ein paar Hammerschläge später flatterten die bunten Bänder dann lustig im Wind über dem First. Der Zimmermeister konzentrierte sich einen Moment und begrüßte das Bauherrnehepaar und die Gäste, und dann begann er den Richtspruch. Zunächst ließ er den Bau Revue passieren, dann noch einige persönliche Bemerkungen zu Familie Pilchowski und schließlich die letzten Verse: „Ein Traum, ein Wunsch, er wird nun wahr, das neue Fachwerkhaus ist da, das Glas zerschelle nun im Grund, geweiht sei dieses Haus zur Stund“. Dann tranken seine Männer und er den zünftigen Korn und die Gläser zerschellten auf dem Boden, wie es der Brauch verlangt. Anschließend musste der Bauherr als Symbol langen Glücks in dem Bau noch einen ebenso langen Nagel mit dem Hammer ins Holz treiben. Das gelang gut, nur einmal, als der Hammer „auf Holz traf“ beim Nageln, musste Kurt Pilchowski einen Korn trinken.