Zum Richtfest strahlte ein ganz besonderes Licht über der Mühle

Zwischen dem „Vater unser“ und dem Segen riss die schwarze Wolke auf und tauchte alles in ein ganz besonderes Licht. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Richtkrone hängt an der Flügelwelle und die Gäste warten auf die Reden, während der Kran noch ein Treppenteil, ein Richtgeschenk der Fuhrberger Zimmerei nach oben hebt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
Burgwedel: Bockwindmühle Wettmar |

Heimatverein will Fachwerk vor dem Winter noch verbrettern

WETTMAR (hhs). Für den Heimatverein für das Kirchspiel Engensen-Thönse-Wettmar war der Donnerstag ein Tag mit historischer Bedeutung: Die Haube der Bockwindmühle wurde auf den Kasten gesetzt, anschließend wurde Richtfest des historischen Bauwerks gefeiert, unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit. Mehrere hundert Besucher fanden sich an der Baustelle ein, um dem Ereignis beizuwohnen.
Nach alter Zimmerertradition verlief das Fest mit Versen vom Meister, einer Rede des Bauherrn und natürlich mit Gottes Segen, für den Pastor Wilfried Karneboge sorgte. Der Pastor griff in seiner Ansprache das Bild des sich drehenden Flügelkreuzes auf. Ein bemerkenswerter, beinahe biblischer Augenblick, als zwischen „Vater unser“ und Segen der finstere Himmel aufbrach und die Sonnenstrahlen das Richtfestbesucher und Bockwindmühle in ein wirklich besonderes Licht tauchte.
Das eigentliche Hauptereignis, das Aufsetzen der Haube mit dem Kran, hatten die meisten aber verpasst. Die Zimmerei Blümner hatte die Haube schon früher aufsetzen lassen, um zu sehen, ob alles genau passt. Es passte alles genau, vielleicht ein wenig zu genau, denn Meister Ulrich Blümner entschied dann, sie nun gleich oben zu lassen. Ein Versuch, sie bei dem starken Wind an diesem Nachmittag noch einmal herunterzunehmen, wäre zu gefährlich gewesen. „Wir wollten das Fachwerk nicht beschädigen, denn der Wind hätte die schwebende Haube sicherlich gegen den Kasten gedrückt“, so seine Begründung. So richtig traurig darüber war niemand, allenfalls einige Kinder. Die konnten die Kranarbeit doch noch bestaunen, als dieser die schweren Stahlträger, auf denen die Haube lag, als sie nach oben gezogen wurde, in filigraner Arbeit aus luftiger Höhe herunter holte. Die Richtkrone wurde an der Flügelwelle angebracht.
Der Vorsitzende des Heimatvereins Gerhard Brenneke ließ in seiner Rede in aller Kürze noch einmal die Geschichte der Mühlenumsetzung Revue passieren und bedankte sich abschließend bei allen, die zum Erfolg des Vorhabens beigetragen hatten. Sein Dank galt auch der Zimmerei Blümner, die alle Arbeiten in hervorragender handwerklicher Qualität geleistet habe. Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt überbrachte die Grüße der Stadt Burgwedel und erklärte, er sei von Beginn an darüber erstaunt gewesen, mit welchem Elan und Einsatz der Heimatverein dieses „Unternehmen Mühlenumsetzung“ angegangen sei. Geradezu verwundert sei er allerdings darüber, wie schnell und intensiv die Spenden dafür geflossen sind. Den beteiligten Handwerker zollte er großes Lob. „Ich habe das noch nie erlebt, dass alles so reibungslos ineinander griff und absolut pünktlich verlief“. Es folgte der Richtspruch des Zimmermeisters, der hoffte, dass sich im kommenden Jahr die Mühlenflügel wieder drehen und viele Tonnen Mehl zum Wohle der Menschen produzieren. Michael Hagen, der Mühlenbautechniker, der die Umsetzung und den Wiederaufbau fachlich begleitet, überreichte der Tradition gemäß ein altes Mühlenteil an Gerhard Brenneke, einen Häufel, der jetzt in die Mühle eingebaut werden muss. Das schwere Metallteil wird für die Drehung des Mühlsteines sorgen. Im Anschluss gab es noch einige Präsente für den Heimatverein und eine Spende der Bäckerei Vatter von 1.000 Euro. Sie ist zustande gekommen über den Verkauf des Mühlenbrotes in Wettmar, von dem je Brot 60 Cent dem Mühlenverein zugute kommen.
Dann ging es ans Feiern. Die Mitglieder des Heimatvereins hatten Zelte aufgestellt und davor im Wind einige landwirtschaftliche Anhänger leicht gekippt als Windschutz, die Bäckerei Vatter hatte für die Verpflegung gesorgt und es gab die ortsüblichen Getränke. Der leichte Regen konnte die Richtfeier nicht stören, und der Wind auch nicht, er wurde allenthalben als Zeichen dafür verstanden, dass die Bockwindmühle jetzt genau richtig steht. In den kommenden Wochen will der Heimatverein den Mühlenkasten selbst verbrettern.