Zehn Jahre Tafel Burgwedel

Peter Stenert (r.) und Ingrid Stenert (2. v. l.) führten eine Besuchergruppe durch die Räume der Tafel.
 
Tafel-Mitarbeiterin Ingrid Stenert zeigt das Lager: "Momentan ist es gut gefüllt, da wir einen Sammeltag hatten und von den Kunden im E-Center sehr viele Spenden bekommen haben."

Ehrenamtliche versorgen aktuell 243 Personen mit Lebensmitteln – Seit Bestehen wurden 756 Tonnen durch die Ausgabe vor Verschwendung bewahrt

GROSSBURGWEDEL (bgp). Seit zehn Jahren sorgt die Burgwedeler Tafel dafür, dass noch genießbare Lebensmittel, die von Supermärkten und Bäckereien aussortiert werden, an bedürftige Kunden ausgegeben werden. Diese zahlen für die Lebensmittel in den Ausgabestellen 1 Euro pro Familie, Einzelpersonen 50 Cent.

Zum 10-jährigen Bestehen hatten Besucher die Gelegenheit, am „Tag der offenen Tür“ die Räumlichkeiten der Burgwedeler Tafel zu besichtigen. Die Ehrenamtlichen führten zahlreiche Gruppen durch Lager, Aufenthalts- und Kühlraum sowie den Laden, in dem die Kunden ihre Lebensmittel bekommen. Den ganzen Sonntagnachmittag kamen Besucher, um sich über die Arbeit der Tafel ebenso wie Bedürfnisnachweise und das rotierende Ausgabesystem zu informieren.

Aktuell kümmern sich 54 ehrenamtlich tätige Mitarbeitende um die Belange der Tafel. Gespendete Lebensmittel müssen bei den Geschäften abgeholt und in die Gartenstraße zum Kühllager hinter der Seniorenbegegnungsstätte gebracht werden. Dort sortieren die „fleißigen Bienen“ der Tafel die Spenden und lagern sie fachgerecht ein. Je nach Art wandern die Lebensmittel bis zur Ausgabe in das Lagerregal oder in die Kühl- und Gefrierschränke. Der Tafelladen hat einen Tresen und Regale, in denen die Waren ausliegen. Die Ausgabe erfolgt mittwochs im Halbstundentakt an die Kunden, die in drei Farb-Gruppen aufgeteilt sind. Wöchentlich rotierend beginnt immer eine andere Farbe. „So sind immer andere Personen zuerst dran und können aus dem Vollen schöpfen“, erklären Ingrid Stenert und Ehemann Peter. Donnerstags gibt es außerdem in Fuhrberg eine Lebensmittel-Ausgabe.

Während Ingrid Stenert sich mit vielen anderen aus dem Tafel-Team vornehmlich um Sortierung, Lagerung und Ausgabe der Lebensmittel kümmert, hat Peter Stenert im Büro die Zahlen im Griff. Von April 2015 bis April 2016 sei die Zahl der versorgten Personen rapide auf 648 angestiegen, davon seien 375 Flüchtlinge gewesen, sagt er. Mittlerweile sei die Zahl der versorgten Personen auf 243 gefallen, da einige mittlerweile Arbeit gefunden hätten und nicht mehr auf die Tafel angewiesen seien, zieht er Bilanz. Manche seien auch umgezogen oder aus anderen Gründen nicht mehr zur Ausgabe gekommen. Die Kunden müssen einen amtlichen Nachweis der Bedürftigkeit vorlegen, der vom Sozialamt der Stadt Burgwedel oder dem Jobcenter ausgestellt ist.
„Die Personen kommen jeweils zur Hälfte aus Deutschland oder aus anderen Herkunftsländern“, sagt Stenert. Häufig seien auch Menschen aus osteuropäischen Staaten darunter, die viele Jahre in Deutschland gearbeitet hätten und wegen Insolvenz der Firmen entlassen wurden. Für sie sei es besonders schwer, da die meisten nur eine einfache Ausbildung hätten und so schnell keine neue Arbeit finden könnten, bedauert er.

24 Unternehmen aus Burgwedel, Isernhagen und der Wedemark spenden an die Tafel. Darunter sind in erster Linie Lebensmittel, aber auch Kosmetik- und Hygieneartikel. Gerne nähmen Firmen oder Privatleute Jubiläen und runde Geburtstage zum Anlass, um Geld an die Tafel zu spenden. „Anfang Oktober hatte ein Unternehmen 50-jähriges Jubiläum und hat die Tafel bedacht“, freute sich Stenert. Die Geldspenden müssen vornehmlich für Wartung und Reparaturen genutzt werden, da keine Lebensmittel von der Tafel angeschafft werden dürfen. „Nur wenn das Geld vom Spender ausdrücklich zweckgebunden gespendet wird, dürfen wir davon Lebensmittel zukaufen“, betont Peter Stenert.