Zahlreiche Gäste besuchten das Vogelschutzgehölz

Die improvisierten Aquarien zeigten, was in einem intakten Kleingewässer leben kann. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Wie in jedem Jahr nahmen viele Burgwedeler und Isernhägener die Gelegenheit wahr, das Vogelschutzgehölz des NABU kennen zu lernen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Sehenswertes und auch praktische Tipps für den eigenen Garten

GROSSBURGWEDEL (hhs). Nur am Pfingstmontag jeden Jahres öffnet der NABU Burgwedel Isernhagen sein Vogelschutzgehölz für die Besucher. Das habe sich bewährt, erklären die Naturschützer immer wieder auf die Fragen, warum man dieses kleine Paradies nicht häufiger zugänglich mache. Sonst wäre es ganz schnell kein Paradies mehr. Sie selbst gingen auch nur aus konkretem Anlass dorthin, nach einem Sturm oder zur Pflege des Schlauchturms, im Herbst zur Säuberung der Nistkästen. Sonst herrsche dort eben nur Ruhe übers Jahr. Die Besucherinnen und Besucher sehen diese Argumentation immer ein, spätestens wenn sie eine der vier Führungen, die bei dieser Gelegenheit angeboten werden, mitgemacht haben.
Der Ablauf der Führungen ist eigentlich vollkommen unspektakulär. Die Gäste werden herzlich begrüßt, und dann geht es am Schlauchturm gleich „in die Vollen“. Der NABU-Nachwuchs ist am frühen Morgen schon mit dem Kescher fischen gegangen an den Tümpeln und hat ein paar Kaulquappen, kleine Frösche, manchmal einen Molch, Käferlarven und anderes Kleingetier aus dem Wasser in Aquarien geschafft, als Anschauungsmaterial für die Besucher. Und dann hört man immer wieder den einen Satz: „Einen Molch habe ich seit 30 Jahren oder länger nicht mehr gesehen“. Insbesondere die älteren Teilnehmer formulieren es so und ihr Erstaunen über diese Erkenntnis scheint echt. Das Vermissen auch.
Am Schlauchturm selbst herrscht leises Brummen und Summen. Dort hängen eine Menge Baumscheiben mit eingebohrten Löchern, Kästen aus festem Material, auch mit Ritzen, Spalten und Löchern, in die kleine Insekten ein und ausfliegen. Eine Frau, die zunächst einen Schritt zurücktritt und der etwas Angst im Gesicht abzulesen ist vor dem Fluggetier, wird beruhigt: „Sie brauchen keine Angst haben, dass Sie hier gestochen werden“, sagt Peter Böer, seit vielen Jahren bewährter Führer durch das Vogelschutzgehölz. „Das sind alles solitär lebende Wespen und Bienen, die ihre Eier in den Löchern und Spalten ablegen. Die haben keinen Stachel und können nicht stechen“. Die ruhige, freundliche Stimme Böers siegt über die Angst und die Frau tritt wieder näher an die Nisthilfen heran. Sie habe Angst vor Wespen und reagiere auf deren Stiche immer sehr heftig. Was man denn im eigenen Garten gegen diese Plagegeister unternehmen könne, fragt sie. Sie solle sich Hornissen und so eine Baumscheibe mit Löchern anschaffen, dann könne sie in aller Ruhe Obstkuchen auf ihrer Terrasse genießen, ohne von einer Wespe belästigt zu werden, so der Rat der Spezialisten vom NABU. Die Frau schaut etwas irritiert. Ihr kommt es so vor, als rate man ihr, den Deubel mit dem Beelzebub auszutreiben.
Böer kennt offensichtlich diese Situation und erläutert die Zusammenhänge: Die Solitärbienen und -wespen, die ihre Eier in den Baumscheiben ablegen, ernähren ihre Brut mit den Larven der stechenden Wespen und halten diese so in Grenzen. Und in den Augen der Hornissen sind Wespen ein Hochgenuss. Sie dezimieren sie gnadenlos, und die Wespen wissen das. Wo Hornissen sich aufhalten, bleiben sie fern. Und Hornissen müsse man schon aufs Blut reizen, ehe sie stechen, sie gelten als friedlich. Und natürlich gebe es auch personelle Hilfe beim NABU Burgwedel Isernhagen: Wer Probleme mit Wespen und Hornissen habe, wende sich vertrauensvoll an Wilfried Seidel. Der siedele die Tiere um.
Konkrete Lebenshilfe gab es auch im Wald. Eine Familie bemerkte die vielen Ameisenstraßen dort und wurde sogleich an ihren Garten erinnert, wo sich diese netten Tiere unter Platten, Pflaster und im Rasen aufhalten. Woran das liege und was man tun könne, ohne die chemische Keule einzusetzen. Für Horst Hagenberg war das eine häufig gestellte Frage: Wo Ameisen zuhauf auftreten, fänden sich auch Blattläuse in Massen, sagte er. Die Ameisen würden die Läuse gewissermaßen pflegen und sich von deren süßen Ausscheidungen ernähren. Wolle man die Ameisen los werden, müsse man die Läuse bekämpfen. Das gelinge am besten mit den Ohrenkäfern, die nachts Unmengen der Läuse verputzen. Man könne den Ohrenkäfern einen idealen Unterschlupf bieten in der Nähe der Läuse, dann würden diese zunächst verschwinden und infolge dessen die Ameisen auch.
Die Rundgänge fielen in diesem Jahr etwas kürzer aus als in vielen Vorjahren. Der Grund ist die Rohrweihenbrut, die im Vogelschutzgehölz gegenwärtig mit dem Schlüpfen der Jungen ihrem Höhepunkt entgegen geht. Man wollte den Großvogel nicht strapazieren oder gar die Brut gefährden. Wer von den Besuchern Glück hatte, konnte das Weihenmännchen einige Mal beim Anflug zum Nest beobachten, wo das Weib auf den Eiern sitzt. Beide haben sich kaum stören lassen. Am frühen Abend war das Männchen dann beim Anflug mit Beute in den Greifen zu sehen, offenbar ein Blässhuhn, das es am Würmsee geschlagen hatte.