Wolfgang Grenz: Menschenrechte beharrlich vertreten

Wolfgang Grenz, der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, referierte im Burgwedeler Amtshof. (Foto: Renate Tiffe)

Amnesty International-Gruppe 1005 lud zum Vortrag in den Amtshof

BURGWEDEL (ti). Eigentlich hatte Wolfgang Grenz, der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, seinen Vortrag schon 2011 zugesagt als die örtliche Gruppe 1005 auf ihr 35-jähriges Bestehen zurückblickte. Er war jedoch verhindert. Jetzt konnte ihn Dr. Detlef Marquard als Moderator der Gruppe, vor einem Publikum von mehr als 100 Interessierten im Burgwedeler Amtshof begrüßen.
Die Frage war gestellt worden: Ist eine Welt ohne Amnesty International denkbar? Die stellvertretende Stadtbürgermeisterin Birgit Diers beantwortete sie schon vorweg auf ihre Weise, indem sie von ihrer Begeisterung als Jugendliche für die Idee von Amnesty International sprach. Letztlich war sie jedoch vor der Größe der Aufgabe zurückgeschreckt („erträgst Du das?“). Sich für die Menschenrechte einzusetzen sei ein besonderes Ehrenamt, hob sie hervor und war froh, dass die Veranstaltung in Burgwedel stattfand. Hier hatte sich die Gruppe 1005 gegründet, die jetzt von Burgdorf aus agiert.
Um es ebenfalls vorweg zu sagen: angesichts des Panoramas von Problemen in der Welt, das Grenz aufzeigte, erübrigte sich die Frage fast. Amnesty International wird noch in 50 Jahren notwendig sein, bekräftigte der Generalsekretär. Und stieg ein mit dem sogenannten Arabischen Frühling, der überraschend gekommen war, aber wo bestenfalls Tunesien auf dem richtigen Weg zu sein scheint. Ägypten sei ein Schwerpunktland wo Oppositionelle verfolgt werden und noch mehr Syrien, wo zur Zeit international Druck gemacht werde.
Amnesty weise nicht nur auf die Menschenrechtsverletzungen dort hin, sondern frage auch: was geschieht mit den Tätern? Im Gegensatz zu anderen Auffassungen vertrete seine Organisation die Position, so Grenz, dass sie nicht ungeschoren ins Exil gehen sollten, sondern sich vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten müssten.
Seit 2001 zählt zur Kernarbeit von Amnesty International auch das Eintreten für die Menschenrechte auf wirtschaftlich, sozialen und kulturellem Gebiet – ein sehr weites Feld, welches das Recht auf Unterkunft u.a. mit einschließt. Der Flüchtlingsschutz gehört dazu, der in der politischen Öffentlichkeit schwer zu vermitteln sei.
Grenz wertete es als Erfolg, dass sich nach langen Gesprächen die Bundesrepublik bereit erklärt habe, 300 Flüchtlinge aus Libyen aufzunehmen – „immerhin mehr als 0“. Beharrliches Vorgehen helfe eben. Auch den Bereich der Unternehmensverantwortung hat Amnesty im Blick, über die zur Zeit besonderes in Nigeria hinweggegangen wird.
Mit den Aktionen der letzten Zeit wird darauf gedrängt, ein Waffenhandelsabkommen zu schaffen. „Hände hoch für Waffenkontrolle“ forderte ein Papier, das von den Teilnehmern der Veranstaltung unterschrieben werden konnte.
Zum 35-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr, das in Burgdorf begangen wurde, ist von Professor Dr. Otto Ludwig aus Burgwedel eine Art Chronik verfasst worden, obwohl nur weniges von den Aktivitäten der Gruppe schriftlich belegt ist. Er gehörte mit zu den Gründungsmitgliedern. Meist ging es um die Unterstützung von politischen Gefangenen in verschiedenen Teilen der Welt, um Proteste gegen die Todesstrafe - um bundesweite Kampagnen.
Später half man auch Asylanten und Asylbewerbern in der näheren Umgebung. Es wurden Spenden gesammelt. Amnesty ist eine nichtstaatliche Organisation, die auf Spenden angewiesen ist. Über die Mitgliederzahl schreibt Ludwig: „mal sind es zehn Mitglieder, mal weniger. Im Verlauf von 20 Jahren hat sich an der Gruppengröße nicht viel geändert.“ Immerhin gab es jedoch zu verschiedenen Anlässen viele, die sich für die Arbeit interessierten oder auch an Projekten teilnahmen.
Öffentliche Anerkennung findet die Gruppe regelmäßig zu ihren Jubiläumsveranstaltungen, die alle fünf Jahre stattfinden. Einen Höhepunkt ihrer Geschichte erlebte sie an ihrem 30. Geburtstag 2006. Der „Pfad der Menschenrechte“ zwischen Lohne und Neuwarmbüchen wurde eingeweiht. Einen schriftlichen Glückwunsch dazu gab es auch vom damaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Das Projekt war das Vermächtnis von Marlies Schlobben-König, die von 1999 bis 2006 als Sprecherin der Gruppe gewirkt hatte.